|
Mir ging es gut. Ich hatte ein Dach über dem Kopf und noch genug Gold um eine Weile ohne Arbeit zu überleben. Mein ganzes Leben lang war ich genügsam gewesen. Mir reichte einfaches Brot und Wasser, Wein war verschwendung, außerdem hatte ich diese unselige Angewohnheit schnell betrunken zu werden. Mein erster Tag an der Akademie stand an. Nach dem ersten Raport den ich gesehen hatte, überschwemmte mich ein Gefühl der Euphorie. Seit ich von zu Hause weggegangen war, hatte ich mein Training vernachlässigt. Die Akademie bot mir die Gelegenheit neues Wissen zu sammeln und altes zu erneuern. Als ich auf den Exserzierplatz kam, stand dort schon eine stolze Reihe aus Rekruten und Anwärterin. Der Lehrmeister war noch nicht da. Jemand wies mich zum Ende der Reihe. Am Abend zuvor hatte ich meine Kettenrüstung auf Hochglanz poliert. Jemand hatte mir gesagt, dass nur Eisenkette für die Schüler erlaubt war. Dank meiner Aufregung zappelte ich ziemlich herum. Dadurch fing ich mir böse Blicke der Veteranen ein. Die Tür der Kommandatur schwang auf und ein Mann mittleren Alters trat heraus. Als erstes fiel wohl sein gepflegter Bart auf. Ich vermutete, dass er ihn jeden Tag zwei Stunden vor einem Spiegel pflegte und ihn dann eine weitere Stunde begeistert betrachtete. Statt einem Gruß wurden wir umgehend dazu verdonnert Liegestützen zu machen. Ich war daran schuld, weil ich nicht still stehen konnte, aus Nervosität. So verbrachten wir die Unterrichtsstunde hauptsächlich am Boden und gingen körperlicher Betätigung nach. Der Ausbilder gab uns dabei schlimme Namen und führte uns vor Augen wie wertlos wir doch sind. Die Akademie in Savaro war da anderst gewesen. Dort hatte man eine Schelte bekommen wenn man sich falsch benahm und es wurde normal Unterricht gehalten, es war erlaubt Fragen zu stellen und man musste nicht die ganze Zeit Erde schlucken. Dieses Ausbildungskonzept gefiel mir besser, außerdem verletzten die Beleidigungen meinen Stolz. So also fühlte es sich an Soldat zu sein. Wie froh war ich nicht diesen Weg zu gehen, sondern den der Ritterschaft. Als Ranis das Ende des Unterrichts verkündete, waren sämtliche Schüler mit Dreck beschmutzt und vollgeschwitzt. Am nahen Lagerfeuer setzte ich mich und sofort wurde ich ausgefragt und man stellte sich mir vor. Hier lernte ich Caeden, Galethien, Heeron, Amaris, Famir und Horan kennen. Sie waren alle sehr nett zu mir, obwohl ich Schuld daran war, dass sie nun aussahen, als wären sie eben durch ein Moor marschiert. Damals war ich noch ein halbes Kind und hatte mich erst einmal ernsthaft meines Lebens erwehren müssen. Ich war mehr die kleine Schwester auf die man aufpasste, nicht der Kampfgefährte, der seinen Kameraden Rückendeckung geben konnte.
Am zweiten Tag hatte ich schon erste Eindrücke von den anderen bekommen können. Galethien war eine gute Kriegerin, neigte jedoch zu Zynismus. Sie hatte einst abgelehnt, als sie gefragt wurde, ob sie Knappen werden möchte. Diese Entscheidung konnte ich nicht verstehen. Ich fand es war die höchste Ehre die ein Krieger erhalten konnte. Caeden war da anderst. Ein geläuterter Söldner, der nun ganz neue Ambitionen hatte. Genau wie ich überlegte er ob er nicht in den Dienst der Ritterschaft treten sollte. So ging es vielen der Schüler. Heeron, Famir und Horan waren da keine Ausnahme. Es war schön so viele ambitionierte Krieger zu sehen, die dem König auf lebzeiten dienen wollten. Der Unterricht an diesem Tag war sehr aufschlussreich. Rolosin Vadebor gestaltete die Unterweisung anderst als Ranis. Bellum sei Dank. Er stellte fragen und ließ uns antworten. Wer sich jedoch falsch betrug, durfte genauso Staub schlucken wie es bei Ranis der Fall war. Schon damals verband mich etwas mit Rolosin. Wir sprachen viel nach dem Unterricht, redeten über unsere Herkunft und unseren Wertegang. Ich war erfreut einen anderen Savaronier hier zu sehen. Wir stellten sogar fest, dass wir die selben Leute in Burg Savaro kannten und uns nur durch Zufall nie über den Weg gelaufen waren. Dieses kleine Stück Heimat verband mich mit ihm. Es verbannte das Heimweh, welches ich nach den ersten Tagen auf der Insel bekommen hatte.
So zog die Zeit ins Land. Ich lernte viel an der Akademie. Schwertkunde, Drill und Formation, Manöverdienst und wie die Fächer sonst noch hießen. Von einer unbedeutenden Kriegerin hatte ich mich zur Anwärterin gemausert. Wie stolz war ich damals auf meine neue Schärpe gewesen. Dieses schlichte Ding mit dem Wappen der Akademie. An jenem Tag, am Anfang des Astrael hatten wir Manöverdienst. Üblich war es, dass die Ranghöchsten das Kommando übernahmen, Lehrmeister Midas erwischte mich aber kalt als er mir die Befehlsgewalt übertrug. Wir sollten eine Brücke verteidigen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Ich war grenzenlos überfordert. Von Taktik und vom Fallenstellen hatte ich keine Ahnung. Mein Wissen reichte gerade dazu aus jemanden zum patroullieren über die Brücke zu verdonnern. Dann setzte auch noch ein starker Regenschauer ein, mir war kalt und ich wollte nur noch heim. Die Idee gräben auszuheben war wahnwitzig gewesen. Einer der Rekruten hatte kopfschüttelnd mit seinem Schild ein kleines Loch gegraben, dass nicht mal als Stolperfalle genutzt werden konnte. Das Resultat all dessen war, dass ich in Tränen ausbrach und aufgab. Midas brach die Übung ab und Rolosin fiel es zu mich zu trösten. An dieser Niederlage hatte ich noch Monate lang zu knabbern. Ich zog Lehren darauß die ich niemals vergessen werde. So gesehen konnte man diese Niederlage als späten Sieg bezeichnen.
_________________
"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs." Ralph Waldo Emerson, 1841
Avatar in voller Größe
|