Siebenwindhomepage   Siebenwindforen  
Aktuelle Zeit: 29.04.26, 21:22

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Yuchin
BeitragVerfasst: 19.09.05, 19:26 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.09.04, 20:53
Beiträge: 663
Yuchin

„..lass deinen Kopf sinken, armes gequältes Kind, nicht immer bekommen wir, was wir begehren. Die Lichter werden dich nach Hause geleiten, folge ihnen, flute deinen gläsernen Blick mit ihrem wunderbaren, endgültigen Schein und betrete den Ort von Anfang und Ende, Luftholen und Ausatmen. Traure nicht um das, was du zurück lässt, spare die deinen Tränen, wirst du sie vergiessen, wenn du die Schönheit unter Morsans tüchernem, schwarzen Himmelszelt erkennst. Der Platz an dem unser ganzer Stolz von neuem erblüht, die Ruhe vergangener Leben unsere Glieder erfüllt. Ich schenke dir Frieden. Lebe wohl in Lothorien, niah’ma, in Lothorien.“

Gesiegelt sind die vier Ringe an der wulstigen Hand, auslassend nur den Daumen, welche über die weiche, leicht gebräunte Haut fährt, sie gierige liebkost wie ein Stück abgegriffenes, altes Fleisch. Die samtenen, tiefroten Vorhänge des Burgzimmers wogen sich in der kühlen Luft, strömend durch eines der geöffneten mannshohen Giebelfenster, mit sich tragend den Duft von wilden, endophalischen Steppenrosen aus dem eigens dafür angelegten Burghofsgarten. Seine Lippen berühren ihr spitz zulaufendes, rechtes Ohr. Sie sind rau, rau von all den schmierigen Worten welche sich die Jahre hindurch über sie ergossen und ihm den Ruhm eines angesehenen Mannes einbrachten, seither hegend, pflegend wie der teure Schmuck selbst. Sie schliesst ihre Augen und riecht seinen nach teurem Wein stinkenden Atem. Der Griff nach dem Träger ihres weiten, langen Kleides war das Zeichen auf welches sie so lange wartete, die Geduld der Jahrhunderte genüsslich auskostend. Der samtene Stoff gleitet ihren Körper hinab, ein fallender Vorhang, streichelt ihn ein letztes Mal. Ewigkeiten vergehen. Das hämische, ausnutzende Lächeln gefriert auf dem Gesicht ihres Opfers, als jener den hauchdünnen Dolch, hängend an einer einfachen Kordel um ihre Taille, wahrzunehmen scheint. Die Zeit holt ihren Rückstand auf, als die Hochelfin nach der Waffe greift, sie blitzschnell aus der ledernen Halfterung zieht und die verführerisch schimmernde Spitze in den Hals ihres Gegenübers bohrt. Tiefrote Tropfen auf unschuldig weissem Kissen. Der Geruch von abgestandenem Wein versiegt zusammen mit dem leiser werdenden Röcheln, aushauchend jeglich Rest von Leben. Nächtlicher Windhauch frischt auf, streifend durch das Rosengestrüpp, so sanft umgehend all die Dornen, schlussendlich zerschellend am kalten, steinernen Mauerwerk. Das Mondlicht, fahl, bläulich, durchwandert das Zimmer, füllt es mit Kühle und einer eigenwilligen Stille. Die Andacht der Nacht. Sie wischt den Dolch beiläufig am Saume des Bettüberzuges ab, zieht sich das Kleid über die schmalen Schultern zurück. Die feingliedrigen Hände auf der weichen, warmen Matratze abstützend beugt sie sich vor. Das blonde Haar ergiesst sich über ihren Kopf, umrahmt nicht nur das ihre, sondern auch das Gesicht des Mannes. Den Tod gebracht, gehauchte Worte in totes Gehör entsendet und mit einem kaum berührenden Kuss auf die pausbäckige Wange besiegelt. „..lass deinen Kopf sinken, armes, gequältes Kind..“.

Die schwere hölzerne, mit einigen gusseisernen Verzierungen gespickte Tür fällt ins Schloss. Lautlos hingegen sind die Schritte ihrer unbekleideten Füssen auf dem steinernen Boden, des sich in die Länge ziehenden Wandelganges. Bilder verlebter Adelsleute, gemalt mit Öl auf feinste mit Leinen bezogene Rahmen säumen abwechselnd mit knisternden Fackeln die grauen Wände. Die Blicke der Wachmänner vor den Adelszimmern postiert, folgen ihr wissend bis hin zum zweiflügeligen Tore, dort wo der Gang und ihre Schritte gleichsam enden. Das leise doch markerschütternde, quietschende Geräusch der eingerosteten Angeln kündet ihr Kommen und lässt den Rittersmann in seiner Prunkrüstung, noch tragend vom ausgeklungenen Bankett, seinen erwartungsgeschwängerten Blick zur eintretenden elfischen Schönheit empor heben. Ein Nicken, das leise Geräusch ihres Haares welches dabei über den seidenen Stoff des Kleides streicht, genügt, lässt die ritterlichen Hände auffordernd zusammenklatschen. Drei Bedienstete, unterwürfig, ehrfürchtig in ihrer Art, ihrer Körpersprache eilen ohne zu zögern durch einen unscheinbaren Nebeneingang in das mit Bücherregalen voll gestellte Denkzimmer. Seine Stimme ist ruhig und gelassen. „Es gilt ein Zimmer zu säubern, doch macht schnell, ich habe vor heute pünktlich zu dinieren.“


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.09.05, 23:57 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.09.04, 20:53
Beiträge: 663
„Erkennst du sie nicht, Glücklicher, erkennst du nicht meine allumfassende Barmherzigkeit? Verschliesse sie nicht länger, die deinen drei Augen, schlag die vom Leben müden Lider empor und erblicke die Gnade tausender Gezeiten. Ich bin die Pforte Lothoriens, ich bin der Wille Morsans, erachte es als ein Privileg durch meine zarte Hand heimkehren zu dürfen. Das Brennen meines letzten Kusses in alle Ewigkeit verzehrend deine Wange, der Duft meines Haars erdrückend deine Lungen, atemlos ins ewige Sein. Sprich, bin ich nicht barmherzig? Sei mein Handeln nicht gnädig?“

„..die Macht sei ihm zu Kopfe gestiegen, meinem alten Freund. Wie bedauerlich. Trachtet er nach mehr und mehr, seit man ihm diesen nichts sagenden Titel verlieh, ja gar nach meinem Besitz und Ansehen. Sein bevorstehender Besuch kündet Ungutes an. Wir müssen vorbereitet sein. Besorge dir was du brauchst und beweise mir erneut deine Liebe. Du bist mein, wirst immer mein sein, unschuldiger blonder Engel.“ Ihre feinen Hände legen sich um den weichen Saum der Kapuze, ziehen sie über den goldenen Schopf, noch während sie die steile Wendeltreppe des Turmes empor steigt. Die Nacht war kühl doch windstill. Die Monde standen erhaben, in all ihrer Weisheit still beobachtend am Firmament. Und noch bevor das leise Knarren der Turmtür ihren ersten Schritt auf die lange Wallmauer ankündigte, wendeten sich die postierten Wachen um, streifen sie im Vorbeigehen und überlassen sie, wissend um das Bevorstehende, der Ruhe. Ihre Handballen berühren den kalten, kräftigen Stein, während sich die schlafende Landschaft schmückend vor ihr ausbreitet. Ein schlängelnder Weg, mehr eine dunkle Linie im nächtlichen Schein der Sterne, findet seinen Lauf vom fernen Horizont, durchwandernd ein kleines Waldstück, bis hin zur leicht erhöht gebauten Burg und dem Haupttore unter ihr. Aus den zahlreichen Kaminen des nahen Dörfchens steigt deutlich erkennbar weisser Rauch auf, Watte, geformt von nicht vorhandenen Händen. Friedliche Idylle. Sie würde warten.

Das leise Schnauben aufgescheuchter Pferde drang erstaunlich spät an ihr ansonsten so scharfes Gehör, die Ruhe schien selbst aufflammende Geräusche sofort wieder zu verschlucken. Vielleicht hatte sie sich auch nicht genügend konzentriert, ihre Gedanken weilten bei ihm. Für ihn würde sie ihr eigen Leben lassen, doch nun ward dieses Opfer an jemand anderem. Sie reckt ihren schlanken Körper und stösst sich mit müheloser Leichtigkeit auf die Brüstung der Mauer, zieht sich mit Hilfe ihrer zierlichen Zehen die übergestreiften Schuhe aus. Höchster Punkt, tiefster Fall. Denn dort in der Ferne prescht ein Licht die Landstrasse entlang, sich nähernd in unaufhaltsamem Tempo. Geübt und fliessend sind ihre Bewegungen als die Elfe bedacht die Kordel ihres Umhanges öffnet und jener zu Boden gleitet. Ein fallendes Blatt im Wind. Der Bogen, sorgsam auf ihren Rücken gebunden, ist von silbergrauem Holze, scheint im Lichte der Monde von unbekanntem Geiste beseelt. Ein zerreissendes Knarren als die Räder des Gefährts am aufsteigenden Strassenrand entlang streifen. Ungehalten treibt der Kutscher die zwei nervösen Tiere an, gelbe Zähne verbeissen sich in metallenem Zaumzeug. Der hagere Mann im rot ausgepolsterten Inneren döst vor sich hin, lässt sich ob der unruhigen Fahrt nicht aus den Träumen von Macht und Herrschaft reissen. Endlos scheint sich die Kutsche über den ungastlichen Weg zur Burg voran zu kämpfen. Das Licht nähert sich. Ihre langen Finger legen sich um den warmen Griff des Langbogens, senken jenen an ihren Oberschenkel hinab. Gleichmässig ist die Atmung des Unwissenden in seinem purpurnen fahrenden Gehäuse, strömt über die dünnen Lippen und lässt die Enden seines gezwirbelten Schnäuzers erzittern. Die blankpolierte Rüstung scheppert als sich einer der abkommandierten Soldaten im Burghof an die Mauer lehnt und abwartend gen’ Festungsturm blickt.

Und das Licht der Laterne nähert sich, lässt die Umrisse des Kutschers und seines Gefährts vom Dunkel abheben. „..die Macht sei ihm zu Kopfe gestiegen, meinem alten Freund. Wie bedauerlich..“ Für eine Büste, schmückend den Burgeingang, hätte man sie halten können, gebärde sich ihr blondes Haar nicht flackernd unter der dunklen Kapuze hervor. Sie legt die Waffe an, eine Fingerkuppe wandert der geschmeidigen Sehne entlang, fühlt ihre Straffheit, ihr Wille zu dienen, schneidend in das Fleisch der Hochelfe. „Du bist mein, wirst immer mein sein, unschuldiger blonder Engel.“ Der erste Pfeil, rauschend, schneidend die kühle Luft durchschlägt die Schulter des antreibenden Kutschers, lässt seinen Leib zur Seite sinken und unter das wilde, haltlose Gefährt fallen. Der zweite folgt ein Augenzwinkern später. Das getroffene Rad berstet in tausend Stück und jagt den Knall der an der Burgmauer zerschellenden Kutsche durch den Innenhof. Lichter entzünden in den Fenstern des fernen Dorfes, aufgeweckt aus des Schlafes Tiefe. Das Zusammenzucken der harrenden Soldaten lässt jene ihr Augenmerk auf die kleine Turmtür lenken, mit ihren Blicken die hochgewachsene, weibliche Gestalt, begleitend, verhüllt von einer tiefen Kapuze, wandelnd zum Zimmer des Sires. Das Zeichen wieder Stellung zu beziehen und zu wachen, bis der Morgen sein säuberndes Kleid über die Lande legen würde und das Geschehene als unwirklicher Traum in Vergessenheit gerate. Wie schon so viele Male zuvor. Denn sie gehörte ihm und nur ihm.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 2.11.05, 15:06 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.09.04, 20:53
Beiträge: 663
„Biundai, soll ich Mitleid mit dir haben oder dich ganz einfach nur aus tiefster Ehrlichkeit bedauern? Menschlein, Menschlein, schmerzt deine Existenz? Verschwendest du deshalb dein einzig Leben an den Krieg, an die Banalität eines Seins, das innerhalb eines Augenzwinkerns ausgelöscht ist? Hilf mir dich zu verstehen, niederes Geschöpf. Mich dürstet nach Wissen, wie jenes kleine Kindlein, das einer Heuschrecke die Beine auszupft und das Winden des Tieres mit geweiteten Augen beobachtet. Winde dich, Biundai, winde dich und lasse mich dich verstehen.“

Auf und ab. Auf und ab. Das Schiff gräbt sich durch die unruhigen Wellen des Meeres zwischen dem Festland und Siebenwind. Sie war ein Geschenk für jene, die es annehmen wollten, meinte er. Ebenso gleichmässig wie der Herzschlag des Wassers, finden die Borsten des Ebenholzkammes durch ihr feines, blondes Haar, zeremoniell war dieses abendliche Sitzen vor der hohen Spiegelkommode, welche er ihr, in seiner unantastbaren Güte, gar auf diesen Zweimaster verladen liess. Auf und ab. Am Scheitel angesetzt, zu den Spitzen durch gezogen. „Mach auf, Kleines, ich hab was für dich..“ Der bärtige, fischköpfige Seemann verfolgte sie schon seit dem Morgengrauen, unablässig wie sein steigender Alkoholspiegel, welcher sein Gemüt, seine Leidenschaft noch mehr anfeuerte. Ein brachiales Klopfen an der Kojentür. Mit beiden Händen legt sie den Kamm zur Seite. „Lass es mich dir zeigen.. Mistelfe, mach auf und lass mich deine zarte Haut kosten, du willst es doch auch!“ Ihr seidenes Nachtgewand schmiegt sich nahtlos an ihren Körper, während sie sich erhebt und mit einem einladenden Klacken den Schlüssel im gusseisernen Schloss umdreht. Schnaufend stürzt der Unansehnliche hinein, einen Schwall abgestandenen Met-Duftes mit sich bringend. „Na wer sagts denn, geht doch.. Wie wunderschön du doch bist.“ Ihre unbekleideten Füsse auf dem rauen Holzboden machen einige Schritte zurück, ehe sie ihre schmale, zierliche Hand anhebt und ihn mit den Fingerkuppen und einem verführerischen Lächeln zu sich winkt. Die schwankende, quietschende Laterne lässt gleichsam ihr Haar im Lichte schimmern und taucht ihre feine Gestalt wieder ins Dunkel der Schatten. „Du sprichst nicht viel, was Elfe? Sei mir nur recht, so lässt du dich nicht vom Wesentlichen ablenken.“ Er legt seine prankenartigen, starken Hände, welche jeden ihrer Knochen einzeln zu brechen im Stande wären, an ihre schmale Taille, sie die ihren auf seine stechenden Wangen. Mit einem Ruck und dem stillen, im steten Rauschen der See kaum hörbaren Knacken seines Genicks, sackt der Hüne auf die Knie, das Gewicht seines Schädels gegen ihren Bauch lehnend. Behutsam und fürsorglich streichelt sie ihm durch das fettige Haar. Auf und ab. Vom Scheitel bis zu den Spitzen.

Kein einfaches Unterfangen ward es den Leib des Lüstlings über Bord zu werfen, doch sein Verschwinden im schwarzen, dunklen Wasser zu beobachten, auf dessen Wellen sich die weisse Gischt gierend gebärt, entlöhnt für so manche Müh. Über die Reling gelehnt, beobachtet die Elfe das kühle Nass. „Martin? Maaartin? Wo bist du denn? Nicht mehr lange und wir legen an Siebenwind an! Martin?“ Ihr Blick aus bernsteinfarbenen Augen wandert der aufgelösten, rufenden Frau hinterher, welche orientierungslos über das Deck irrt. Sie stösst sich ab, ein warmes, mitfühlendes Lächeln platziert sich auf ihren wohlgeformten Lippen, ehe sie seit langem ihre melodiöse Stimme erhebt. „Verzeiht? Ich zeige euch, wo ihr euren Mann findet, Biundai.“


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 53 Gäste


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de