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 Betreff des Beitrags: tief im Sumpfe, so ist´s gewesen...
BeitragVerfasst: 30.09.05, 14:08 
Festlandbewohner
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Fela bestritt seinen langsamen Marsch in die westlichen Fluten und tief im Sumpfe, unter dem Brodeln des Moores und dem Quaken der Frösche schickte er sich auf jene Insel in mitten des Verderbens zu gelangen. Die Mücken summten um ihn herum und nur seine Salbe hielt sie wohl davon ab, ihn zu piesacken, wie es seine frische narbe über der Brust tat. Leise quietschte der Rattenkäfig, den er in der linken Hand trug. Eifrig stapfte er am Stabe über das Moor. Er schien immer genau auf die festen Stellen zu treten, denn nicht ein bisschen versank er.

Sein Mentor bestand darauf, dass er es lernte, der Mutter soweit zu vertrauen, um blinden Schrittes über das Moor zu gehen. Es verlangte wohl auch einiges an Konzentration.

Auf der Insel angekommen stellte er den Käfig unter die Zypresse und schickte sich aus dem alchemistischen Kistchen die drei Schalen in einem Dreieck auf den Boden zu stellen. Bedacht gab er das Holz und das Öl hinein, ehe er sie entzündete.
In der Mitte häufte er einige Steine im Kreis, um dort ein kleines Feuerchen zu entfachen. Wieder stopfte er den steinernen Haufen mit Holz und tränkte es mit dem Öl. Langsam senkte Fela sich in die Fluten und in der Dämmerung flackerten die Flammen in den Schälchen einen Reigen.
Dann erst schlug er die Kapuze ein stückweit zurück und lugte hinauf zu der Zypresse. Langsam sah er über den Nachthimmel, ehe er die Hände an den Mund legte und ihn laut rief. Kurz lauschte er um Antwort, ehe er sich in die andere Richtung drehte und einen lauten Rabenschrei ausstiess.
Von weitem her drang ein leises Krächzen zu ihm. Und er wandte seinen Blick gen Osten.
Dann griff er hinab einige Halme aus dem Boden zu rupfen. Langsam nur atmete er tief, ehe er die Halme zu Boden fallen liess. Einer nach dem anderen segelte zu Boden und dort wo sie auf den Boden fielen, dorthin setzte er den Fuss. Festen Schrittes folgte er den Halmen gen Osten, ganz so, als sei das Moor ein ein Pfad.
Dann hielt er inne und wurde des Schattens aus der Luft gewahr.

Dunkel wars und der große Rabe hockte auf seiner Schulter, seine Krallen fest um die Schulter geschlagen, ohne sie in sein Fleisch zu bohren.
Leise murmelte er: "Ich bin gespannt, wer unserem Ruf folgen wird!". Leise seufzte er auf und meinte dann etwas nervöser mit belegter Stimme: "Ich bin gespannt, Grathadair, ich war nie zuvor aufgeregter."
Beruhigend krächzte der Rabe auf und der Mann atmete laut hörbar durch. Ehe er die Augen schloss und mit leiser Stimme murmelte:
"Ich denke an die alte Lichtung. Wie ruhig es dort war, wie friedlich und voller Kraft. Leise knackt das Unterholz, wenn die Kitze sich auf die Lichtung wagen und der Wind sich in den Bäumen verfängt. Fela streicht um mein Gesicht mit seiner warmen Gabe und ich spüre die Nähe der Mutter. In all ihrer Liebe und Kraft.
Isodora lehrte mich Ruhe zu finden, Gleichgewicht und Kraft zugleich."

Der Rabe hatte in der Zypresse mit ihren breiten Wurzeln Platz genommen und schaute gen Norden. Auf leisen Sohlen kamen die drei Frauen auf jene Insel im Sumpf. die Neue, blutjung und unerfahren. die Rothaarige tief verhüllt in ihre Kapuze schleppte schwer den Kessel und die junge Mutter, sie trug ihr Balg vor sich her, als sei es der größte aller Schätze.

Mit einem warmen Lächeln empfing er sie alle drei und seine warme Stimme wünschte der Mutter Segen auf sie. Gekonnt baute die Rothaarige den Kessel über dem Feuerturm aus Stein, aus welchem die dürren Äste prangten, während die junge Mutter noch mit dem Morast zu kämpfen hatte.
"Ich grüße Euch, Schwestern" hallte seine Stimme über die von Mücken unterworfene Stille der Insel, ehe sein Blick auf die beiden anderen Eintreffenden fiel. Die meisterin, die gelassenste unter den Wütenden und die Schülerin, lange hatte er sie nicht gesehen. Doch war die Schülerin nie weit der Meisterin.
In einiger Entfernung zu den anderen blieb sie dann stehen und musterte die Runde. Mit missmutigem Blick auf das Balg murmelten beide etwas abschätziges.
Doch sollte der kleine Zirkel nicht so klein bleiben. In einer hellen Robe schlich ein alternder Mann auf die Insel zu und sein tiefes Brummen verriet, dass er wohl seine Mühe hatte, dem Lichtschein durch den Sumpf zu folgen.

"Man kann sich auch zu tief verstecken" herrschte seine Begrüssung in die Runde.
Während sich die Anwesenden weiter Nettigkeiten austauschten kippte Raban die die beiden Wasserschläuche in den Kessel und entzündete das Feuer, ehe er sein Kistchen öffnete und gut ein Dutzend Distelköpfe in den Kessel gab.
In einer weichen Geste winkte er alle näher und sie stellten sich allesamt um den Kessel.

Langsam verhallte auch das Konzert der Frösche, nur das Summen der Mücken blieb mit dem Einbruch der Dunkelheit. Und dumpf roch es nach faulenden Pflanzen. Nachdem die junge Mutter ihr Balg endlich neben den Baume gebettet hatte und ein garstiges "pass auf, dass es nicht in einem Loch versinkt" das sorgfältige Ablegen der Lahja kommentiert hatte, erhob sich seine feste Stimme. "Ich habe euch gerufen, um einen Mörder mit der Rache eines Fluches zu strafen..." und mit starker Stimme voller ungewohnter Härte setzte er fort. "Ich bitte um eure Aufmerksamkeit, Bruder und Schwestern. Und wer nicht ganz bei der Sache ist, der soll bitte zusehen. Es ist mir ernst, sehr ernst!"
Dann verreit das Knacken einiger dürrer Zweige einen weiteren Gast. Der Städter. Langsam trat er heran, nickte knapp und reihte sich in den Kreis um den Kessel ein.

Dann zog sich die Rothaarige die Handschuhe aus und mit einem Griff holte sie einen, vor Schärfe im fahlen Licht blitzenden Dolch hervor und zog sich diesen ohne mit der Wimper zu zucken quer über die linke Hand. Langsam quoll das Blut hervor und mit einigen Handwewegungen pumpte sie mehr von ihrem Blute hervor. Mit rituell intonierter Stimme schritt sie dann den Kreis hinter den Anwesenden ab. Die Tropfen fielen zu Boden und die restlichen sahen ihr stumm zu.
Kaum trafen die Tropfen den Boden verbanden sie sich Tropfen um Tropfen miteinander. Mit entschlossener Mine sahen sie auf den Kessel.

"Oh Du Mutter der Luft, wir rufen Dich!
Bitte Beschützte diesen Kreis.
Oh Du Mutter des Feuers, wir rufen Dich!
Bitte Beschützte diesen Kreis.
Oh Du Mutter des Wassers wir rufen Dich!
Bitte Beschützte diesen Kreis.
Oh Du Mutter der Erde wir rufen Dich!
Bitte Beschützte diesen Kreis.
Öffne dein Tor und heisse uns Wilkommen."

Immerwieder verbanden sich die Blutstropfen miteinander bei jedem einzelnen Schritt und bei jedem einzelnen Wort mehr. Langsam ronnen sie ineinander und bildeten so den Kreis, welcher gezogen ward. Mit fester Stimme und im Choral hoben dann alle an zu sprechen:

"Wächter des Kreises,
Wächter der Macht,
Wächter des Tages
und Wächter der Nacht.
Wir rufen Euch!"

Sogar die Neue stimmte mit ein und die Rothaarige trat langsam an ihre Stelle zurück. Als der Kreis gezogen und die Worte gesprochen waren, konnte man regelrecht spüren, wie der Kreis langsam das Innere vom Äusseren trennte und langsam kehrte Ruhe ein im Inneren, fast als wäre das Äußere nicht mehr existent gewesen oder zumindest nicht mehr wichtig. Völlige Ruhe kehrte ein und die geräusche von außen klangen dumpf wieder, als seien sie in weite Ferne gerückt.
Dann auf den Geheiss des Mannes hin erhob die Schülerin die Stimme, während die Rothaarige notdürftig ihren Robenärmel auf die Wunde presste. Sie hob leicht die Hände, klar sprach sie und nicht allzu laut hob sie an.

"Erde unten, Himmel oben, laßt mich Eure Liebe loben,
Urnatur und Kraft der Erde, helft mir, daß ich mächtig werde,
Wasserlaeufe, Fruehlingsregen, gebt mir Euren sanften Segen,
Sommerfeuer, Flammenlicht, ohne Euch gedeih ich nicht,
Wind des Herbstes, Atemluft, zeigt mir Euren reinen Duft,
Kreis ringsum und Licht in mir; Unsre Kraft vereint sich hier."

Leise oder stumm schienen alle Anwesenden jenes Gebet an die Mutter mitzusprechen. Und langsam verstärkte jenes Gefühl der Einheit einen jeden von ihnen und schien gar noch tiefer zu gehen. Und so deutlich, wie in jener Nacht fühlte man es nur selten.

Langsam kroch der Nebel aus dem Sumpf um die Insel und hüllte ihren Schein der Feuerschalen sorgfältig, als würde er sie verbergen wollen. Leise brodelte der Diestelsud vor sich hin und verströmte einen eigenartigen Geruch. Langsam stieg der seichte, süsslichduftende Dunst aus dem Kessel und legte sich dann schwer um zu seinen Füssen. Langsam hob er die Arme an und begann mit fast beschwörender Stimme zu sprechen:

"Oh, große Mutter, wir alle stehen hier,
weil ich sie rief.
Voller Schmerz und voller Zorn
versammle ich sie um Rache zu nehmen!
In diesem Tiegel des Lebens und Vergehens
bitte ich um deinen Beistand!
Halte deine hand schützend über uns
und trage diesen Fluch hinaus aufs Antlitz dessen,
der ihn verdient!"

Leise vermischte sich das Brodeln des Sudes mit der ernsten Stimme des Sprechenden. Während der Alte aus seiner Tasche eine Handvoll einer seltsamen Kräutermischung holte, welches er mit einer knappen Geste ins Feuer warf, woraufhin es knisternd aufprasselte.
Nach altem Brauche, so erklärte Raban, solle der Fluch im Kessel gebraut werden mit der alten Formel, die er dann noch einmal wiederholte.
Langsam breitete sich ein angenehmes Aroma aus und der helle Rauch stieg um die Anwesenden und hüllte sie ein. Mit einem seltsamen Lodern in den Augen begann er dann die alte Formel erneut zu sprechen und wie in einem Choral erklang das feste Echo der anderen. Tief und rauh klangen die Stimmen.

"Bei der Mutter, bei der Macht,
kochen wir in dieser Nacht.
heizt den Kessel, heizt die Glut,
brauen wir des Fluches Sud!"

Mit diesen Worten sicherte er sich die Unterstützung der anderen. Langsam, durch das wohlige Aroma schien sich der Geist der Anwesenden zu weiten. Lästige, alte Gedanken fielen ab und sie waren hier, in diesem Moment, nur für diese eine Sache. Zornig griff Raban dann in das Kistchen und holte jenes Haarbüschel hervor, auf welches er mit zornigem Blicke sah. Dann mit einem Murren lässt er sie in den Kessel fallen. Ehe er mit fester Stimme sprach.

"Deine Haare zu dem Sud,
sind für mich als Fokus gut
tragen meinen zauber fort,
als lägst du hier an diesem Ort!"

Mit verengten Augen starrte die Schülerin in den Kessel und der feste Blick ihrer Meisterin war auf den Sprechenden gerichtet. Das Brodeln in dem Kessel wurde härter und der Nebel, welcher schwer über den Kesselrand kletterte wurde an den Rändern des Kreises aufgehalten, um so gefangen die Beine der Anwesenden zu umspielen. Dann steckte Raban den Stab in den Kessel und begann langsam zu rühren. Und die anderen setzten mit der alten Formel ein, die dumpf und fest über dem Kessel hallte. Der vorerst weissliche Dunst färbte sich gräulichund umspielte weiter ihre Waden.

Dann reichte er der Meisterin einige Beeren, die kurz aufnickte und dann ihre Hände aneinanderpresste, ehe sie die Beeren in das Gebräu fallen liess.

"eine Hand Holunderbeeren
sollen deine Abwehr zehren,
von denen seien es genug
öffnen dich für meinen Fluch!", hallte es dumpf aus seiner Kehle.

Und unter dem Rühren seines Stabes verschlang der Sud jene Beeren hungrig und verfärbte sich dunkler, was auch den schweren Dunst anbetraf, der um den Kessel wallte. Nur mit viel Mühe konnte man noch den Boden erkennen, den sumpfigen Grund mit den jungen Gräsern. Wieder setzte der Choral Aller ein. Mit fester Stimme und angestrengten Minen sahen sie in den Kessel, während Raban noch immer den Sud rührte.

Dann streifte er den Stab an der Kesselkante ab und deutete zur Ratte und sah den Alten an. "Ich bitte dich...", sprach er, ehe er sich mit dem Zeigefinger quer am Hals entlang fuhr. Langsam nur griff der Alte mit einem Nicken in den Käfig. Unter lautem Gepfiepe schien sich die Ratte dem Griff des alternden Hexers entwinden zu wollen. Dann packte er zu. Langsam nur lässt er das Tier dann in den Kessel fallen und mit zornigem Blicke hob Raban wieder an zu sprechen mit einer bebender Stimme.

"als Opfer bring das Rattentier,
trägst große Krankheit tief in ihr.
trags in den kessel, ins Gebräu,
schäume, schäume, schäume, schäu."

Mit lautem Geschrei verschlang der Kessel die Ratte und erst spät erstarb es unter dem eifrigen Brodeln des Sudes. Gräulich färbte sich dann das Gebräu und schäumte feste auf. Wieder steckte er den Stab in den Kessel und hob an zu Rühren. Wieder setzten die Anwesenden ein die alte Formel zu sprechen. Tief und fest waren ihre Stimmen.

Die Rothaarige nahm die Fliegenpilzköpfe kurz in die unverletzte Hand und betrachtete sie, ehe sie zu Kessel vortrat und mit bedächtigem Blicke die Köpfe hineinfallen liess. Wieder setzte Raban an mit bebender, fast sich überschlagender Stimme voll Zorn zu sprechen.

"Eiterpusteln, garst'ge Pickel
damit hab ich dich am Wickel.
vom Fliegenpilze nimm die Haut,
erschafft sie alles, was dir graut!
ordentlich wird er's zerreiben,
wird Gift dir ins Gesichte treiben."

Jedenfalls gingen die Pilzköpfe langsam nur unter und es färbte sich der Sud zu einem leuchtenden Rot, wie es zuvor die Pilze trugen. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck nickte die schülerin leicht. Und dann setzte Raban wieder den Stab in den Kessel und unter der alten Formel der Anderen rührte er langsam das verheissungsvolle Gebräu. Dick wurde der Nebel und bei jeder Drehung des Stabes schien es, als würde er den nebel mit sich rühren. Denn leicht wirbelten die rauchigen Schwaden um den Kessel, mal schneller und wieder langsamer werdend, allso, wie Raban es im Kessel auch tat.
Langsam aber hob sich sein Blick zur Neuen an. Ehe er ihr dann einen porösen, schmierigen gelben Stein reichte. Direkt über den Kessel gab er ihn ihr und feurig schien sein Blick, gastig seine Gesichtszüge und wieder sprach er mit bebender Stimme, als die Blutjunge langsam den Stein in den Kessel gab.

"Schwefel schwelet wunderbar
auch für drei mal drei Jahr'
halt es feste, halt es lang,
donnere oh Fluches Klang!"

Erneut gierte das Blubbern im Kessel hungrig auf und färbte den Sud kräftig Gelb und auch der Nebel wandelte sich in ein milchiges Gelb. Dann wieder schob Raban den Stab in den Kessel und unter dem Geheische der alten Formel, die er fast giftig mitspieh, zog er ein Glas hervor.

In den unterschiedlichsten dreckigen Grün und Brauntönen schwammen in jenem Glas die Innereien einer wohl riesigen Spinne. Mit einem bedeutenden Blick reichte er es der jungen Mutter herrüber, der Mutter eines Balges, welches lästerlicher nicht geschaffen werden konnte. langsam nur trat sie vor und gab den Inhalt des Glases in das Gebräu.

"zu guter letzt bindt's Spinnenleib
und alles ins Gesicht dir treibt!
Pilz und Haar
Holunder und Rattenschmalz
bindt es gut zu Fluches Salz!" bellte er dann, als gäng es um sein Leben.

Langsam nur und unter dem Rühren, begleitet vom tiefen Choral der Formel, verfärbt sich der Inhalt des Kessels zu einem satten Schwarz. Ehe er den Stab zur Seite fallen liess und mit seinen händen beschwörerisch über dem Kessel streicht. Voller Zorn ertönte seine Stimme, bebend und auch wieder brechend, laut und unbeherrscht.

"Ich, Raban und die meinen, derer sieben, hier im tiefen Sumpfe verfluchen dich Mörder, Scherge des Bösen, du Pestbeule auf dem Antlitz Siebenwinds. Garst'ge Pickel solln dir im Gesichte stehn, kränklich deine Haut dir werden. Und eitrige Pusteln sollen dich entstellen für 3 mal 3 Götterläufe. Wisse, dieser Fluch kommt von mir, und nur ich werde dich davon erlösen.
FLUCH DIR, MÖRDER!" Zorn und Schmerz klangen in siener Stimme mit. Und einige unter den Anwesenden zuckten zusammen oder fixierten ihn mit ihren Blicken, als sei er ein Fremder gewesen.

Dichter schien sich der Nebel zusammenzuziehen und es schien Bewegung in ihn zu kommen. Sachte nur begann er sich im Uhrzeigersinn über den Boden zu bewegen. Langsam schraubte er sich hinauf, jener dunkle Nebel. Dabei ward der Sud immer geringer im Kessel, scheint fester zu werden, eine dunkle Schlacke. Immer schneller drehte sich der Strudel des Nebels um die Anwesenden und schraubte sich immer höher bis zu den Hüften. Langsam hob er die Arme und mit einem Lufthauch wirbelte er schneller weiter. Leicht zerrte er an Haaren und Kleidern, die in ihm flatterten. Unter donnerndem Wehen sahen sie alle zu dem rauchigen Nebel auf. Dann als Felas erste Strahlen über den Horizont lugten stürtzte der Nebel gen Himmel und stieg weiter auf.

Als dann er dann gänzlich verschwunden war, so lag im Kessel nur noch der dunkle kristalline Sud. Schnell ging Rabans Atem, schwer schluckte er und tief schöpfte er Luft, als er dann leiser weitersprach.
"Große Mutter, wir danken dir!" und leise murmelten sie allesamt ihren Dank der Mutter entgegen. Langsam legte die Rothaarige ihre unverletzte Hand auf die Schulter und mit einem Lächeln bedachte er sie und nickte. Etwas heller wurde seine Miene und auch seine Stimme wurde wieder wärmer.
"Möge mein Fluch sich über ihn legen und er sehen, welche Kraft du verheisst, heilige Mutter."

Langsam löste die Rothaarige den Kreis wieder auf und mit ihren salbenden Worten erhellten sich die Gesichter der Anwesenden. Mit jedem Schritt der Berobten trat die Umwelt wieder mehr in deren Bewußtsein. Langsam nur erhellte Felas Licht die kleine Runde. Erst sacht mit rötlichem Ton, dann immer heller werdend. Die Ammern saßen in den Zypressen und gaben sich ein morgendliches Wortgefecht. Mit jedem weiteren Wort trat die gemeinsame Kraft in den Hintergund und wich der eigenen Kraft und Macht, dem ursprünglichen Gefühl von einem jeden.

Alles schien wie vor dem Ritual. Leises Quaken der Frösche und das nervenraubende Summen der Mücken hier und da. Warm waren Felas Strahlen und fielen auf die Insel inmitten des Sumpfes. Tau lief die Gräser herab und der große schwarze Rabe auf dem Arm der Zypresse legte seinen Kopf ins Gefieder.
Langsam nickten sich alle zu und Raban löffelte den Inhalt des Kessels in das Glas, sich dann bei allen bedankend.
Die junge Mutter nahm wieder ihr Kind an die Brust und der Alte nickte brummend, dass das ein Fluch war, der sich gewaschen hätte.

Im Aufgehen Felas vernahm man von der Insel wohl noch dumpf allerlei Getratsche und Gelächter. Noch einige Zeit, noch eine Weile.

_________________
Yesterday is history,
tomorrow is a mystery,
but today is a gift.

That is why it is called the present.


Zuletzt geändert von Raban: 30.09.05, 14:48, insgesamt 1-mal geändert.

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