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„Das Leben bereitet uns nicht auf den Tod vor, der Tod bereitet uns für das Leben vor, das Leben nach dem Tode. Nur einmal noch die Liebkosung spüren, bevor der Gang vollbracht. Nur einmal noch spüren, bevor der Körper erschlafft. Dem Tode so nah und doch so fern. Einsamkeit! Frieden! Geborgenheit!“ Tagebuch des Aekoric de Var
Die traute Zweisamkeit, ein Traum ? Ist er überhaupt fähig zu lieben ? Oder sind es nur seine Triebe, die ihn leiten ?
Die Nacht kehrte wieder ein. Sein Schädel schmerzte, obwohl es sich alles taub von Drogen anfühlte. Seine Brust eingehüllt in Bandagen, die Blut durchtränkt sind. Er erinnert sich noch schemenhaft, schwarze Orken, Äxte, schwere Treffer an seinem Körper...
Er verzieht sein Gesicht kurz, als er mit der Hand über seinen Körper streicht. Die Frau, die bei ihm wachte, war weg. Es war wie ein Traum, als sie ihn berührte. Ein helles Licht sah er und schritt dahin zu. Auf einmal tauchte die Hand der Frau auf und flüsterte zu ihm: „Folge mir, folge mir, Liebes!“ Er griff nach Ihrer Hand, er war wohl selten so nah bei ihr, obwohl es nur ein Traum war. Ein Traum ? Es fühlte sich so real an.
Er verweilte noch so kurz auf diesem Eiland und dennoch erlebte er viel Leid, Eindrücke und Kummer. Seine Heimat war weit entfernt. Sein Herz auch. Seine Worte waren selten die Worte seines Herzens. Sie wirkten aufgesetzt, aber gut aufgesetzt, als ob er dieses schon Jahre geübt hat. Nur bei einer Frau schien er dieses der Wahrheit zu entsprechen. Es war nicht Liebe, es war einfach nur Leidenschaft, die ihn bei dieser Frau trieb. Eine Leidenschaft aus verschiedenen Gründen.
Die Acht standen ihm bei. Er dachte dies jedenfalls. Alle haben sein Schicksal mitbestimmt. Nicht er wollte auf dieses Eiland, nicht er wollte das dies alles so kommt. Die Götter wollten dies. Er dankte jeden einzelnen von Ihnen, jeden Tag.
„Das peitschen der Winde zieht über das Schiff, die Segel werden gerefft. Das Groß und das Fock halten die Wucht der Winde nicht stand. Die Wellen schlagen gegen den Rumpf, überspülen das Deck. Einige haben sich an den Masten festgebunden, damit sie den Sturm widerstehen. Die Seemänner steigen die Takelage hoch, versuchen die Segel einzuholen. Xan und Ventus scheinen sich auszutoben, ein Kampf um die Vorherrschaft am heutigen Tag zu fechten. Ich halte mich an der Reling fest, die Gischt schlägt mir ins Gesicht. Ich bete, dass ich diese Reise überstehe." Tagebuch des Aekoric de Var, kurz vor der Ankunft auf Siebenwind.
Er kann sich noch erinnern, was sein Vater ihm sagte. Zeige Höfflichkeit und Achtung vor dem Weibe. Jenes seien die Geschöpfe der Herrin, an denen Sie sich besonders viel Zeit nahm. Etwas schöneres seie nicht zu finden. Sein Vater trug ihm viele weise Worte auf, aber so viele es auch waren, er vergaß sie nach und nach. Rothenburg war seine Heimat und wird es auch immer bleiben. Eine Trostlosigkeit und Einsamkeit umschattete ihn. Wird Vitama ihn jemals erfassen ?
In Rothenburg jedenfalls tat sie es nicht. Nur die Lust am Leben. Frauen. Wein. Leben!
Das Leben schien anders hier zu werden. Freude war selten. Ein ewiger Kampf gegen das „Böse“, gegen den Verfluchten. Unruhe durch Orken, Vernichtung und Tod. Er vermisste die Zeit, seine unbeschwerte Zeit, in Rothenburg.
„Hass! Eine Eigenart der Menschen. Hass! Liebe! Geschenkt an die Menschen. Liebe! Oft liegen beide nah beieinander. Freude und Schmerz zerbrechen aneinander. Nur der Wille zum Leben sei stark, doch der Körper zu schwach. Wir sind nur Marionetten im Spiel, gelenkt von den Göttern so viel. Entfliehen will man dem, doch sei man mitten in dem. Befreiet mich davon und lasset mich leben, ich werde euch danken und immerdar anbeten.“ Eine krakelige Schrift unter dem Schreiben
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