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 Betreff des Beitrags: Ravins Wasser
BeitragVerfasst: 27.09.05, 00:56 
Altratler
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Die Flossfahrt

„Brombeer, bist du sicher, dass das ne’ gute Idee ist?“ Toms rechter Fuss setzt sich auf das morsche Holz des viereckigen Flosses, ein Knarren erfüllt die Luft und lässt einige Rotkehlchen aus dem tief hängenden Geäst der nahen Flussweide in alle Winde empor steigen. „Hab ich schon jemals was gebaut, was nicht gehalten hat, Tom? Vertrau mir, Taugenichts!“ „..und was war mit dem Baumhaus vor eurem Hof, du fühlst die Ohrfeige deines Paps bestimmt noch, nicht wahr?“ Marie ‚Brombeer’ Liss war wohl das einzige Mädchen in der weitesten Umgebung von Lichtenfeld mit welchem man Kröten aus Sumpflöchern befreien und die Anatomie eines Grashüpfers bis aufs Innerste erkunden konnte. Stämmig, wohlgenährt könnte man ihre rundliche, an eine Beere erinnernde Statur beschreiben, Grund genug für einige Dörfler ihr Gemeinheiten, entzogen aus der untersten aller Schubladen, an den Kopf zu werfen, ausser Acht lassend, dass sich mit ihren schlagenden und missgelaunten Eltern schon genügend Probleme auf die breiten Schultern der Jugendlichen lasteten. Die linke von Toms mit Staub beschmutzten Fussohlen berührt das raue, splitternde Holz. „Du weißt doch wie ich zu Wasser stehe, Beerchen, also sei bitte vorsichtig, ja?“ „Kapitän Beerchen, wenn ich bitten darf. Machen sie es sich bequem, Tom Minz.“ Jedem anderen Jüngling in seinem Alter hätte der Anblick von Marie mit dem langen Steuerstab in der Hand wohl Angst und Schrecken durch den Körper gejagt, doch kannte er sie schon lange und wusste um ihre Sorgen und Ängste wie sie um die seinen. Vertrauensvoll setzte er sich in die Mitte des klappernden Wassergefährts, winkelte die Beine an und umschloss jene mit den langen Armen. Einen Ruck, dem Abstossen des langen Holzstabes auf dem sandigen Flussboden, später trieb das Floss auch schon auf dem von einer sanften Strömung angetriebenen Ravin. Toms Glieder entspannen sich, langsam streckt sich sein Körper, während er sich hinlegt, mit einem flinken Griff den bereits angekauten Strohhalm aus der ausgefransten Hosentasche zieht und ihn sich in den rechten Mundwinkel schiebt. Wie er solche Momente liebte in denen die Zeit wie die Landschaft zu seiner linken und rechten an ihm vorbei floss. Fela steht erhaben am blauen, mit wenigen weissen Wolkenfetzen bespickten, Himmel und das Ravinsmurmeln, wie die Ansässigen das stetige Geräusch des Wassers zu beschreiben wussten, wird vom leisen mehr oder minder melodiösen Gepfeife Beerchens übertüncht. Die vorbei fliessende Landschaft bietet ein traumhaftes Bild. Hinter den wuchernden Schilfgräsern und in die Höhe geschossenen, weissstämmigen Birken, den trauernden Weiden erstreckt sich die weite, saftiggrüne Auenlandschaft Lichtenfelds. Tom legt seinen Kopf zur Seite, überkreuzt die Beine. „Das Dorf!“ Zu müd’ sein Arm um ihn in Richtung der Häusergruppe, in der Langsamkeit der Flussströmung an ihnen vorbei wandernd, zu einem Zeigen empor zu strecken. Marie folgt dem Deut, weiter die wirrsten Seemannsklänge pfeifenderweise über ihre Lippen entlassend. Die kleine Häuseransammlung, in etwa eine Tagesreise von Lichtenfeld entfernt, ist geprägt von weissem Mauerwerk und malerischen Palisadenzäunen. Fachwerk im Jargon der Fachmänner. Meist frisch gestrichen. Das Gebäude der Viere überragt die meisten andern, das kupferrote Ziegeldach scheint im Tageslicht gar zu leuchten. Wie oft er in letzter Zeit schon dort war, Theresas wegen. Seid sie sich dieser Ketzerin verschrieben hat, veränderte sie sich stetig. Es machte ihm Angst. So schien es sein Bruderherz Theo nicht weiter zu scheren, den Dorfprediger Grieswald, seines Zeichens alternder Astraeli, dafür umso mehr zu interessieren. Wie oft er ihm schon einzubläuen versuchte, dass eine Xan-Dienerin in Toms Familie, nicht geduldet werden könne und wir mit Akzeptanz das Ansehen unserer verstorbenen Eltern, Morsan behüte sie, besudeln würden. Den rechten Weg sollten wir ihr weisen. Gestand der Geweihte damit sein Scheitern ein? Musste er deshalb den Jüngsten der Minz auf seine eigene Schwester ansetzen? Tom wechselt den Halm in die andere Mundecke, schliesst die Augen. Heute war nicht der Tag um sich über irgendetwas Sorgen zu machen, selten war es der Fall, dass es dazu überhaupt der richtige Zeitpunkt gewesen wäre. Der Wind streift streichelnd über sein Gesicht, lässt die kärglichen blonden Stoppeln an seinem Kinn, das einzige Zeichen anfänglicher Männlichkeit, mit Stolz getragen, tänzeln. Das kurz darauf folgende Knarren war lauter denn die anderen zuvor, schnell ging alles, zu schnell als dass er noch rechtzeitig seine Lider emporschlagen konnte. Das Wasser in all seiner Kühle und Sanftheit legt sich um seinen Körper wie Theresa früher, in fernen vergangenen Tagen, die alte Wolffelldecke um ihm gelegt hatte, wärmend seine kindlichen Glieder. Tom schlägt um sich, versucht sich von all den Wassermassen, ihn in die Tiefe zerrend, zu befreien. Vergebens. Und so lässt er sich treiben, schwerelos, sorglos, lässt das erfrischende Nass seine Lungen fluten wie es jenes einst mit ihrem Haus, ihren Eltern getan hatte. Schwärze und Stille.

Es war eine Nacht vor vielen, vielen Jahresläufen, der Schleier des ewigen Regens, welcher das Flussbett bis zum zerbersten füllte und dafür verantwortlich war, dass das Haus in welchem die drei Geschwister bislang zusammen mit ihren Eltern lebten, nichts weiter als eine von der Überflutung zurückgelassene Ruine darstellte, legte sich wie der Vorhang einer ausverkauften Theatervorstellung. Ravins Rache würden einige der Lästermäuler aus der Umgebung jenes verheissungsvolle Unglück später nennen. Das Kinderbettchen trieb in all dem Getümmel aus zersplitterndem Holz und ertrunkenen Erinnerungen dahin. Toms kleine Hand greift empor zum schwarzen, mit Sternen übersäten Himmel. Er hatte aufgehört zu weinen, schon lange, bevor das Gebälk des Hauses unter ihm und seinen Geschwistern nachgab. Beruhigend leuchten die Punkte am endlosen Himmelsteppich und lassen den kleinen Jungen einschlafen. Nach all dem Getöse, den Schreien, kehrt Friede ein.

Die kräftige Hand legt sich um des jungen Minz' Handgelenk, reisst ihn aus dem Wasser, wie auch aus seinen unangebrachten Tagträumen. „Die Schifffahrtsgesellschaft Beerchen lässt nicht zu, dass ihre Gäste das zeitliche Segnen.“ Während der Knabe all das Wasser aushustete, welches sich auf garstige Art und Weise seinem Körper bemächtigte, schleifte ihn Marie mit einigen gekonnten, kräftigen Schwimmzügen an Land. Platschend wie ein toter Fisch fällt der Jüngling ins mit Gras durchsetzte Kies. „Erinnere mich daran.. dass.. dass ich niemals wieder auf.. etwas steige oder klettere, dass du gebaut hast, Brombeer.“ Ein vergnügtes Kichern entrinnt ihrer Kehle, während sie sich mühselig auf die vollschlanken Beine kämpft, ehe die Stimme erneut erklingt, etwas weiter entfernt. „Sag mal Tom, hast du hier nicht einmal gewohnt?“ Er dreht sich ruckartig zur Seite, erneut ein berstendes, markerschütterndes Husten. Marie setzt sich auf einen der überwucherten vier Grundpfosten eines einstigen Gebäudes. „Ja, hier stand unser Haus, bis zur Überschwemmung.“ „Ein ganz schönes Fleckchen, ehrlich.“ „Können wir gehen?“ Wortlos richtet sich Tom auf, gebückt seine Haltung, die glatt geschliffenen Steine des weitläufigen Kieselsandstrandes unter seinen Füssen spürend. Regelmässig, pochend wie eine Trommel unter geübten Händen, tropft das Wasser aus seinen durchnässten Kleidern, die Kordeln des Hemdleins hängen wirr über seinen Schultern. Sie stützt ihn. "Und was machen wir morgen?"


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BeitragVerfasst: 27.09.05, 01:18 
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Flegeljahre einer Xan-Dienerin

Sie lag, alle viere von sich gestreckt, auf der Blumenwiese. Ein Schmetterling flog direkt über ihr Gesicht und streifte gerade noch im Flug ihre Nasenspitze ehe er weiter zur nächsten Blume tänzelte. Leicht kräuselte sie den Nasenrücken auf und öffnete sacht blinzelnd die Augenlider. Es gab doch nichts Schöneres als einfach so da zu liegen und die Seele baumeln zu lassen. Leise konnte man das Läuten der Glocken der Kapelle herüber wehen hören. Es war schon kurz vor Anbruch des Dunkelzyklus und sie sollte so langsam wirklich aufbrechen, damit sie wieder daheim war, noch ehe die Dunkelheit das Licht Felas zur Gänze verschluckte. Sie drückte sich ins Sitzen auf und sah über die bunt blühende Ebene zum Dorf hinab. Nur ein paar wenige Häuser waren dort gebaut worden, vielleicht 30, kaum mehr als dies. Die weiß getünchten Fachwerkhäuser hoben sich deutlich vor dem grün der Wiesen ab. Noch ein ganzes Stück weiter hinter dem Dorf, mit Sicherheit ein oder zwei Tagesmärsche entfernt, wurden schon die ersten Ausläufer des Klauenberges sichtbar. Es war etwas was ein Städter wohl als ländliche Idylle bezeichnen würde. Die Menschen in dem Ort lebten zum größten Teil von der Viehzucht und den Dingen welche sich aus Schafwolle oder Kuhleder herstellen ließen. Zwei mal im Monat wurden die Sachen auf einen Karren geladen und Richtung Lichtenfeld transportiert um sie dort auf dem Markt zu verkaufen. Sie selbst war noch nie dort gewesen, hatte niemals eine größere Ansammlung von Häusern gesehen als ihr Dorf, aber sie war ja auch noch jung, gerade einmal sechs Vitama zählte sie.

Sie sprang auf ihre kurzen Beine und rannte hinab zum Dorf. Vor dem Haus, welches das von ihren Eltern war, stand ihre Mutter bereits und sah die Straße hinauf, immer wieder nach Theresa Ausschau haltend. Die kleine sollte eigentlich nicht aus dem Dorf gehen und das wusste sie genau, aber, die Wiesen und die kleinen Schafe welche dort weideten ließen einfach keine andere Reaktion zu als hinaus zu rennen und dort die Seele baumeln zu lassen. Sie sprang ihrer Mutter in die Arme und drückte sich fest an sie. Im freudigen Plapperton erzählte sie von dem Schmetterling, welcher sich auf ihre Nase gesetzt hatte. Anne konnte ihrer Tochter einfach nicht böse sein, auch wenn sie immer wieder tat wonach ihr war. Sie gab der Kleinen einen Kuss auf die Stirn und schob sie dann ins Innere des kleinen Hauses, wo das Essen bereits dampfend und gut riechend auf dem Tisch stand. Ihr Vater kam gerade aus dem Nachbarzimmer und stubbelte der Kleinen über die ohne hin schon verwuschelte Frisur, ehe er sich zu Tisch setzte und das Dankgebet an Vitama sprach um sich dann gänzlich den Köstlichkeiten hinzugeben, welche seine Frau aus Fleisch und Gemüse gezaubert hatte.

Die Tage zogen ins Land und eine Frage drängte sich nach und nach weiter in Vordergrund des kleinen Horizontes des Mädchens. Warum wurde Mamas bauch eigentlich mit jedem Tag dicker? Die Antwort auf die Frage war, dass ihre Mama ein weiteres Kind bekommen würde. Theresa wusste nicht so genau, wie das Kind da hinein kommen sollte, aber ihre Mama würde sie schließlich auch nicht belügen. Einmal legte sie die Hand auf den kugelrunden Bauch ihrer Mutter und verspürte mit erstaunen einen leichten Tritt gegen ihre Hand. Schnell zog sie die Hand wieder zurück und sah verblüfft zu ihrer Mutter hinauf. Es bewegte sich tatsächlich etwas darin und bald schon, so sagte ihre Mutter es zumindest, würde das Kind da raus kommen. Noch als Theresa darüber nachdachte ob der Bauch sich vielleicht einfach so öffnen würde um das neue Kind zum Vorschein zu bringen, krümmte sich ihre Mutter unter schmerzen und sie wurde von ihrem Vater in ihr Zimmer geschoben. Plötzlich war Aufruhr in dem kleinen Haus, Frauen war gekommen und gingen mit ihrer Mama ins Schlafzimmer und ihr Papa lief nervös auf und ab in der Wohnstube herum. Irgendwer musste ihrer Mama schrecklich wehtun, denn sie schrie immer wieder, aber Theresa durfte nicht zu ihr, wurde immer wieder hinausgeschickt. Als sie dann Stunden später doch noch zu ihrer Mama durfte, lag da ein kleines Bündel in deren Arm, ein neues Kind, ein Junge, ihr Bruder.

Am Anfang war es seltsam, dass da noch ein Kind war, dass sie nicht mehr alleine war mit ihren Eltern, und irgendwie störte es sie doch hin und wieder. Sie mochte diesen kleinen Jungen nicht sonderlich, denn er bekam viel mehr Aufmerksamkeit als sie. Immer mal wieder schubste sie den Kleinen, kaum dass er laufen konnte und wenn sie irgendwas angestellt hatte, schob sie es ganz automatisch auf Theo, was nicht immer zum gewünschten Erfolg führte. Als Theo drei geworden war, zog die Familie um, raus aus dem Dorf, weiter Richtung Fluss. Es war einfach einfacher für Albert, das Oberhaupt der Familie, denn er war Fischer und so schlug er auch noch zwei Fliegen mit einer Klappe, denn was Theresa da noch nicht wusste, war, dass es bald noch einen dritten Sprössling der Minz geben sollte. Das haus war größer als das alte, wenn auch nicht weniger hübsch anzusehen. Die Wiesen umgaben es großflächig und der Fluß war direkt vor der Tür.

Die Idee an den Fluss zu ziehen, war für ihren Vater vielleicht die richtige Entscheidung gewesen, aber ihre Mutter hatte sich mehr als einmal gewünscht im Dorf geblieben zu sein und zwar regelmäßig, wenn ihre Tochter triefend nass und völlig mit Match verdreckt in der Tür stand. Was hatte Theresa sich nicht alles einfallen lassen um ihre Mutter zu beschwichtigen. Einmal hatte sie sogar erzählt, dass ein Ork vorbei gekommen wäre und sie ins Wasser geschubst hatte und das nur um nicht die Wahrheit sagen zu müssen. Die Wahrheit war nämlich die gewesen, dass sie auf einem umgestürzten Baum am herumkletterte, dessen Ende ins Wasser ragte und wie es nunmal so ist, die Rinde war vom Wasser glitschig und sie rutschte aus.

Als Tom geboren wurde, zählte Theresa bereits 11 Götterläufe, und irgendwie legte sich die Eifersucht ihrem Bruder gegenüber fast völlig. Sie war viel zu neugierig auf den kleinen Tom, wollte ihn wickeln und füttern, wollte zusehen wie er gebadet wurde und feuerte ihn an als er langsam laufen lernte. Kleinere Streitereien blieben trotz Familienzusammenhalt zwischen den beiden Ältesten nie aus, es war alles so wie es sich unter Geschwistern gehörte. Das Leben bot viel Abwechslung und Spaß. Kaum ein schlechter Gedanke trübte jene unbeschwerten Kindertage.

Mit jedem Jahr mehr, wurde Theresa erwachsener und als 15 Jahre zählte, verliebte sie sich zum ersten Mal in einen Jungen. Peter war ein Jahr älter als sie selbst, hatte kurze schwarze Haare und das wohl anziehenste Lächeln, welches ihr jemals begegnet war. Warum war er ihr eigentlich vorher nie aufgefallen? Er war doch schon immer da gewesen, wohnte schon sein Lebtag in dem kleinen Dorf. Immer wieder wurde sie in dieser Zeit gescholten von ihren Eltern, weil sie ständig die Zeit vergaß. Fast jeden Abend kam sie zu spät nach Hause, einfach weil sie ihn nicht verlassen wollte. DAS war die Liebe, die große einzige Liebe wie Vitama sie verhieß. Sie würde auf immer und Ewig mit ihm zusammen sein, ihn heiraten und Kinder bekommen, dessen war sie sich ganz sicher. Die große Liebe dauerte genau drei Monate, dann erwischte sie Peter, wie er mit Helena im Heuschober seiner Eltern, Küsse austauschte. Man hätte dabei sein müssen, das Geschrei und Gezeter, konnte man bestimmt noch bis zur Hauptstadt hören. Und der Abdruck ihrer Hand auf seiner Wange, war noch zwei Tage lang zu sehen gewesen.

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BeitragVerfasst: 20.10.05, 15:04 
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Zusammengekauert saß sie in einer Ecke des Zimmers und blickte in die Dunkelheit. Sie war so feige und irgendwie konnte sie den Worten Damien Rias nicht glauben, dass sie diese Feigheit irgendwann überwinden konnte. Es brauchte nur jemand leise hinter sie zu treten und sie ansprechen, schon schrack sie zusammen. Dass sie überhaupt aus der Stadt rausgegangen war, ganz allein, dass war schon fast über ihre Kraft gegangen, aber wenigstens das hatte sie geschafft. Im Nachhinein hätte sie sich aber jetzt schon fast gewünscht, sie wäre in Falkensee geblieben, da hätte sie wenigstens nichts von diesem Wesen vor den Toren gehört. Sie hatte wie ein verschreckter Hase im Inneren gesessen und hatte nur den Geräuschen und Rufen gelauscht. Irgendwann war es ruhig geworden, aber sie hatte der Ruhe nicht wirklich über den Weg getraut, noch immer saß sie steif am Tisch nur langsam war das Leben in sie zurückgekehrt und sie hatte sich bis zum Gatter vorgewagt. Als die Eingangstüren aufschlugen schrag sie wieder zurück. Kam da jenes Wesen, welches für den Aufruhr verantwortlich war? Sie hielt den Atem an und starrte zur Tür hinüber. Als sich die Augen an das einfallende Licht gewöhnt hat erkannte sie zwei Flammenweber, einer davon Damien Rias.

Füße waschen, dass war es was sie konnte. Es machte ihr nichts aus und es fühlte sich normal an. Ob es wohl immer so bleiben würde? Vielleicht war die Idee nach Siebenwind zu gehen, doch nicht die Beste gewesen. Es hatte bisher auch nichts, rein gar nichts gebracht. Sie hatte Tom seit Tagen nicht einmal mehr ansatzweise gesehen. Sie wusste wirklich nicht, ob sie die Verhältnisse hier auf dieser Insel wirklich überstehen konnte.

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Fischer, leih mir deine Rute

Tu dies! Lass jenes und überhaupt, fass nichts an! Endlos schienen sich die hohen Regal, über und über angehäuft mit dicken wie dünnen Büchern, in die Länge zu ziehen. Warme Erd-, Grüntöne, der rezente Geruch gebundenen Leders in der Luft füllten die engen Gänge zwischen den hohen Möbelstücken. Eigentlich, nüchtern betrachtet, war die Dame in Rot ganz nett für eine Erwachsene und eine Beamtin noch mit dazu, hört man von jenen, dass sie doch noch verstaubter seien als so manche Bibliothek. Nun, da sie in einem der weissen Gänge verschwunden ist um einen Magister, was immer dies auch sein mag, zu suchen, blieb ihm nach den bohrenden Fragen, löchernd eine mehrschüssige Salve in seine Geduld, die Zeit um durchzuatmen, seine Gedanken zu sammeln.
Was sind Magier? Gelehrte, deren staubige Nasenspitzen stets davon zeugen sich zu lange über ein Buch gelehnt zu haben? Ist es ein alter Fischer vor einem schneeweissen, hoch gewachsenen Turmgebäude, der, trotz der Gabe der Magie geduldig auf das Anbeissen seiner Beute wartet? Oder nur ein Elf, der nichts zu verstehen scheint und dessen Blick alleine schon genüge um den Wirrwarr in seinem Kopf Ausdruck zu verleihen? Tom fasst sich mit der Rechten an seinen Kopf und wischt sich mit der linken Hand über die Nasenspitze. Wie wenig doch all die Missetaten der Vergangenheit wiegen, wenn man in einem Saal sitzt, der so reich an Wissen ist. Würden diese Kleinigkeiten, Brombeerchen als Kleinigkeit zu bezeichnen sei nun schon leicht untertrieben, in Vergessenheit geraten, wenn Neues seine Gedanken flutet, neue Erlebnisse die alten als Kinderabenteuer in Verruf bringen? Niemals.
Tom stösst sich mit einem Ruck aus dem tiefroten Armsessel, setzt seine Hand zuvorderst an das geschliffene, verzierte Buchenholzregal. Neckend, provozierend wandern seine Finger über die Rücken der verbotenen Bücher, mit ihren Kuppen die trockene, lederne Beschaffenheit erfühlend. Tu dies! Lass jenes und überhaupt, fass die Bücher nicht an! Lässig lehnt sich der Jüngling gegen die weisse Wand, kratzt sich durch die spärlichen blonden Stoppeln an seinem Kinn, öffnet den dicken Band einer unwichtigen Pflanzenkunde-Reihe und schmökert darin. Er war zuhause.


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BeitragVerfasst: 27.10.05, 23:32 
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Die Ewigkeit des Wassers

Die Hand rutscht ins Kühle Klar,
Von jenem zärtlich liebkost,
Vergessen alles was dereinst war,
Schenkt es ihm lang ersehnten Trost.

Gebrochen ward sein junges Herz,
Als erlosch seiner Liebe Leben.
Zurück blieb nur der bittre Schmerz,
Kein Mensch der ihm Halt könnt geben.

Nach ihrem Tod saß er so oft dort,
Vor ihm das gepries'ne Nass,
Viele Erinnerungen bescherte ihm der Ort,
Stunden voller Frohsinn und Spaß.

Fast alles hatte er mir ihr verloren,
Und als die Trauer ihn übermannte,
Hat er seinem Leben abgeschworen,
Und da war der Fluss, der alt bekannte.

Seine Schritte führten in dessen Mitte,
Er hoffte, dass Xan ihm den Frevel verzeiht,
Er starb mit diesen Worten, jener Bitte,
Und war auch noch im Tode der Xan geweiht.

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Zuletzt geändert von Isodora: 27.10.05, 23:35, insgesamt 1-mal geändert.

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