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Mit einem Klirren zerschlug das Glas auf dem Boden, während schwarzbraune, verdorrte Pflanzenschlingen, gespickt mit stechenden Dornen, sich um den Körper der Frau wanden. Zitternd - soweit ihrem Körper das noch erlaubt war - hing sie darin fest, brauchte nicht selbst zu stehen, wurde von ihnen aufrecht gehalten. Schmerzhaft krochen die Dornen über ihre Haut, hinterließen weiße und rote Spuren und ließen sie wünschen, sie hätte sich einen anderen Kerl ausgesucht. Und dieses widerwärtige Lächeln. Dagegen war seine Hexerei fast harmlos, dieses Lächeln ließ sie wahnsinnig werden, sie wünschte sich, es ihm aus seiner schlecht rasierten Visage zu schlagen und ihm die Schneidezähne eigenhändig zu entfernen. Dazu kam sie nicht mehr. Den Körper der jungen Frau, die in den Gassen dafür bekannt war, dass sie eines der weniger ungefährlicheren Freudenmädchen war, fand man einige Morgen darauf. Sie war förmlich zu Brei geschlagen worden, ihr Körper hing verquollen und über und über vernarbt in dem Laken, welches mit einem Wolkenhimmel bemalt war, in dessen Vordergrund eine halb entblößte Frau dem, der auf dem Bett lag, verführerisch und naiv entgegenlächelte. Erst als eines der Freudenmädchen mit dem Kopf darangestoßen war, hatte man das merkwürdig weiche Gewicht bemerkt, das auf dem Laken unter der Decke lag. Alle Wunden an ihrem Körper waren von Brandnarben verschlossen worden, der Körper sorgfältig von allem ausgetretenen Blut gereinigt. Einige rote Striemen zogen sich über Rücken, Nacken und Brust. Ihre Augen waren das einzige, was er unberührt gelassen hatte - weit aufgerissen und mit blauen Pupillen.
Er betrachtete mit verengten Augen die Scherben, die sich in seine Handfläche gebohrt hatten. Wie blöd musste er sein! Über die eigenen Greifpflanzen gestolpert, als er mit ihr fertig gewesen war. Mit verzerrtem Gesicht zog er die Scherbe aus dem Fleisch, ein Stoß von Schmerz floss durch seinen Körper und betäubte auf seine ganz eigene Weise. Blut quoll aus der geöffneten Wunde, die sich, kaum noch spürbar, unter seinem Willen und Flüstern verschloss.
Als er die Hand versorgt hatte und sich wieder einigermaßen wach fühlte, schwankten seine Gedanken zurück. Sie hatte rote Haare, war nicht zierlich, fast grob gewesen. Sie hatte dieses spottvolle Lächeln auf den Lippen gehabt, bevor er an sie herangetreten war. Sie hatte sich binnen Augenblick gewandelt, zu seinem Missfallen. Je professioneller sie vorging, desto weniger ähnelte sie ihr. Der Spott ging in Unterwürfigkeit unter, sie zog den Bauch ein, kaschierte und heuchelte. Sie enttäuschte ihn. Als sie sich als eine einfache Diebin entpuppte, als ihr Schlag auf seinen Hinterkopf die gewünschte Wirkung verfehlte, schaltete die Wut hinter der Enttäuschung sich ein und ließ sie büßen.
Er sann darüber nach, ob er ihr oder ihren anderen Kerlen ähnliches antun würde, wenn er zurück käme. Sie hatte selten versucht, irgendetwas zu verheimlichen, wenn sie wusste, dass es ihm zu Schaffen machen würde. Ein etwas verzerrtes Lächeln stahl sich auf seine blassen Lippen, dass die vorbeistreichende Bedienung falsch interpretierte und erwiderte. Er sah ihr schweigend zu, als sie ihm ein unbestelltes Glas Obstbrand zuschob. Leises Flüstern - Zimmer Vier, mein Schöner. Er nickte nur, während sie hinter den Vorhängen verschwand, und verließ nach einigen Augenblicken die Taverne in richtung Hafen.
Der Wind schlug ihm die Haare durchs Gesicht und ein Hauch von Wut flackerte in seinem Inneren auf. Nein, ewig würde er nicht fortbleiben. Frauen blieben nicht ewig reif, sie faulten vor sich hin und wurden widerlich. Ewig wollte er nicht warten. Aber er würde sich Zeit geben, sich zu erholen. Und er würde ihr Zeit geben, Zorn zu vergessen und ihm hörig zu werden. Ein Lächeln kindlicher Vorfreude.
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