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Ein paar Tage später....
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Sie lag angespannt auf dem Rücken und starrte, nach Worten suchend, durch die Dunkelheit zur Decke empor. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und um den Rand der Bettdecke gekrallt.
„... irgendwann wirst du es sowieso erfahren...“
Ihre Stimme klang brüchig und zitternd. Wütend verkrampfte sich ihre rechte Hand noch etwas fester um die Decke. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe.
‚EINZIG WAHRER, wenn DIR auch nur ein klein wenig an DEINER unwürdigen Dienerin liegt, dann steh mir jetzt bei – und lass DEINE Kälte mein Schutzschild sein!’
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So hatte es begonnen....
Ein langes Gespräch war gefolgt, eines, dass sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gefüht hatte – und darüber hinaus.... Ein Gespräch über Vertrauen und Freundschaft, über Gefühle und den Umgang damit, über Lüge und Disziplin, ein Gespräch über Glaubensansichten und Interpretationen, die sie hatten aufhorchen lassen und sie zum Nachdenken anregten.....
Ein Gespräch, in dem ihre Gefühle aufgewirbelt wurden, eines, in dem sie das Schutzschild der Kälte verlor, in dem Erinnerungen auftauchten, die sie längst überwunden glaubte.... Erinnerungen, die sie überschwemmten und mitrissen, die sie hilflos und wütend machten....
Ein Gespräch, in dem sie ihre Vergangenheit, ihre Geschichte, ja, ihre Seele, offen dargelegt hatte.....
Langsam ballte sich ihre Hand zur Faust.
Und ein Gespräch, in dem sie gerade noch im letzten Moment den Irrtum erkannte, dem sie fast aufgesessen wäre.....
Wie genau war es eigentlich geschehen? .... Sie überlegte noch einmal, rief sich die Szene und die Worte noch einmal in Erinnerung und nickte dann erkennend. .... Natürlich, wie anders denn sonst?
.... sie hatte einen Fehler gemacht - und sofort war es wieder da gewesen, dieses harte Funkeln in seinen Augen – wie sie sich verengt und seine Gesichtszüge sich zu einer starren Maske verzogen hatten.....
Und wieder war sie geflohen .... in die tiefsten Tiefen ihres Selbst ..... So offen sie kurz zuvor gewesen war – zum ersten Mal in ihrem Leben – so hilflos, verletzlich und schwach... so schnell hatte sich der Panzer wieder um sie geschlossen, dichter und fester, als je zuvor.
Angewidert dachte sie an ihr Gefühlschaos zurück und schüttelte sich.
Und dann, noch viel bedeutsamer für ihre Erkenntnis, war der langanhaltende, tiefe Schmerz in seinem Blick gewesen, als er .... von ihrer Freundin sprach .... die Kälte dazwischen, ehe er......
Sie lächelte plötzlich kalt.
Ob er sich zu diesem sanften Blick hatte zwingen müssen??
Für einen Moment waren ihre Gedanken erstarrt gewesen, gebunden an ein Name, der gefallen war.... doch ihre Augen hatten jedes Detail in seiner Miene registriert, darum waren ihr seine Gefühlsregungen nicht verborgen geblieben..... Und als sie aus der Weite ihrer Gedankenwelt wieder auftauchte, langsam die Stille wahrnahm und die Tatsache, dass er offenbar auf etwas wartete – da hatte die Sanftheit in seinem Blick nicht mehr zu dem gepasst, was sie eben gerade erkannt hatte....
Oder doch: Es hatte sogar perfekt zu dem gepasst, was er zu Anfang gesagt hatte: „... was die Verschleierung tatsächlicher Verhältnisse angeht. Zu einem Teil also Lügen, wenn du so willst .....“
Ja, natürlich... Wie hätte er auch je an ihr interessiert sein können, wenn er ihre mächtige und gutaussehende Freundin kannte? Vielleicht hoffte er ja, über sie den Kontakt zu ihr zu finden??
Durch diese neue Ausrichtung der Tatsachen, die ihr Gefühls-Chaos in dem Gespräch so abrupt beendet hatte, war ihr Bewusstsein nur langsam und in eine völlig veränderte Welt zurückgekehrt... Und es hatte einen Moment gedauert, bis sie die eigenartige Wärme gespürt hatte.... Ihren Blick zu dieser Stelle hinwendend, hatte sie zwei Hände gesehen... und nach einem Augenblick der Orientierungslosigkeit hatte sie sie als die seine erkannt, die auf der ihren lag....
Bedeutungslos.....
Sie war nur noch Gedanke gewesen – alles andere gehörte nicht mehr zu ihr.... gehörte in eine andere Welt, in eine alte Welt, die nicht mehr existierte, und ihre Gedanken waren jetzt nicht auf Hände ausgerichtet.... nur noch ein Name war in ihrem Inneren....
.... ein bedeutungsschwerer Name.....
.... einer, der mit einem Ziel verbunden war......
Das Einzige, was zählte, war, diesen Weg jetzt nicht mehr zu verlassen.....
Und so hatte sie die einzige Frage gestellt, die in ihr brannte: wer sich hinter diesem Namen verberge – und wo sie diese Person kennen lernen könne.....
Zuletzt geändert von Kalinora: 24.03.02, 18:04, insgesamt 1-mal geändert.
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