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 Betreff des Beitrags: Verwirrung
BeitragVerfasst: 14.03.02, 11:39 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 9.12.01, 21:42
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Was war nur in sie gefahren?!


Sie hatte versagt!


Ein unkontrolliertes Zittern durchlief ihren Körper. Erinnerungsbilder überfluteten ihre Gedanken, und ihr Magen verkrampfte sich in Angst, Ekel und Abscheu. Sie schlang die Robe enger um sich und verkroch sich bebend darin, die Beine zum Kinn und die Kapuze tief über das Gesicht gezogen.


Fliehen – nur weg, weit weg – unsichtbar werden, sich in nichts auflösen, verschwinden – einfach nicht mehr existieren....!


Der Boden war hart. Sie verfluchte die Empfindung, zeigte sie doch so deutlich die Verweichlichung, die bei ihr begonnen hatte. Und bald sollte ein Bett.....

Ein Geräusch liess sie erstarren. Mit angehaltenem Atem lauschte sie in die Dunkelheit des Raumes, horchte angespannt zur Treppe hin... Nichts rührte sich, alles blieb ruhig... .... Oder?!? .... ....

Sie wagte es mehrere Minuten nicht, sich zu bewegen. Ihr Herz schlug bis zum Halse, pochte laut und hart in ihrer Brust und trieb ihr den kalten Schweiss auf die Haut.

Wer weiss, über welche Kräfte er verfügte?! Vielleicht konnte er sich unsichtbar und unhörbar an sie heranschleichen?! Sie mit seiner Magie in Bann schlagen und....


Sein Gesicht erschien auf der dunklen Leinwand ihrer geschlossenen Augenlider. Ganz kurz glitt sein Lächeln darüber, doch dann glomm das böse Funkeln seiner Augen auf, ..... verschwamm .... , andere Augen, in rasender Schnelligkeit wechselnd, ... stinkender Atem, brutale Hände, Schmerz....


Sie zuckte zusammen und die unwillkürliche Bewegung riss sie in die Wirklichkeit zurück. Wieder das bekannte Erstarren des Körpers, das Lauschen.....


Sie verfluchte sich.


Warum hatte sie sich überhaupt darauf eingelassen?!


Sie zwang ihre Gedanken zur Ruhe, verliess ihren verkrampften Körper, zwang ihre ganze Konzentration in ihren Geist und versenkte ihn in ein tiefes Gebet....


Leere.

Dunkelheit.

Ruhe.


Es war so einfach. Die jahrelange Übung zeigte schnell Wirkung. Bald war sie nur noch Gedanke, frei, vom Körper getrennt, ungebunden, unbelastet, unsichtbar....

Und dann fühlte sie mit einem Male den Quell der Kraft, zu dem ihr das Gebet Zugang verschaffte... Und diese Kraft schoss empor, riss sie mit sich... Etwas Mächtiges, Riesiges, weitete ihren inneren Kerker, dehnte sie aus, nahm sie in sich auf und füllte gleichzeitig die Leere in ihr.....


Sie fühlte die Präsenz des Göttlichen in sich....


Ein überwältigendes Gefühl!


Und sie wusste wieder, wohin sie gehörte, wem sie gehörte, wem ihr Leben geweiht war, wer und worin der einzige Sinn und Zweck ihres Lebens bestand....


Sie hatte alles, was sie brauchte, alles worauf es ankam. Was wollte sie mehr? Wie konnte sie auch nur EINEN Gedanken an einen MENSCHEN verschwenden?!


Reue und Scham, aber auch Ärger und Wut suchten sich ihren Weg zu ihrem Herzen – doch da war nichts mehr.... Kein Weg, kein Herz, kein Gefühl.....


NICHTS hatte Platz neben IHM.


Wie hatte sie das nur vergessen können?!




Am nächsten Morgen erwachte sie und empfand ihren Körper im ersten Moment wieder als die Last, die sie notgedrungen durch das Leben schleppen musste. Doch der heutige Tag hatte einen ganz bestimmten Höhepunkt, auf den sie sich wirklich freute, und für den sie diesen Körper brauchen würde, um ihn erleben zu dürfen. Er war Gefäss und Werkzeug in einem, das sie IHM zur Verfügung stellen wollte. Und heute würde .....


Sie warf einen Blick zum Himmel hinauf, schlüpfte rasch in ihre Robe und machte sich auf den Weg. Sie hatte noch ein paar Besorgungen zu erledigen, um ihren Auftrag erledigen zu können. Doch die Ausführung würde warten müssen...

Sie wusste wieder, wo die Prioritäten lagen. Und diese Sicherheit liess sie zügig voranschreiten.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.03.02, 18:03 
Festlandbewohner
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Ein paar Tage später....

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Sie lag angespannt auf dem Rücken und starrte, nach Worten suchend, durch die Dunkelheit zur Decke empor. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und um den Rand der Bettdecke gekrallt.

„... irgendwann wirst du es sowieso erfahren...“

Ihre Stimme klang brüchig und zitternd. Wütend verkrampfte sich ihre rechte Hand noch etwas fester um die Decke. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe.

‚EINZIG WAHRER, wenn DIR auch nur ein klein wenig an DEINER unwürdigen Dienerin liegt, dann steh mir jetzt bei – und lass DEINE Kälte mein Schutzschild sein!’
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So hatte es begonnen....

Ein langes Gespräch war gefolgt, eines, dass sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gefüht hatte – und darüber hinaus.... Ein Gespräch über Vertrauen und Freundschaft, über Gefühle und den Umgang damit, über Lüge und Disziplin, ein Gespräch über Glaubensansichten und Interpretationen, die sie hatten aufhorchen lassen und sie zum Nachdenken anregten.....
Ein Gespräch, in dem ihre Gefühle aufgewirbelt wurden, eines, in dem sie das Schutzschild der Kälte verlor, in dem Erinnerungen auftauchten, die sie längst überwunden glaubte.... Erinnerungen, die sie überschwemmten und mitrissen, die sie hilflos und wütend machten....
Ein Gespräch, in dem sie ihre Vergangenheit, ihre Geschichte, ja, ihre Seele, offen dargelegt hatte.....

Langsam ballte sich ihre Hand zur Faust.

Und ein Gespräch, in dem sie gerade noch im letzten Moment den Irrtum erkannte, dem sie fast aufgesessen wäre.....

Wie genau war es eigentlich geschehen? .... Sie überlegte noch einmal, rief sich die Szene und die Worte noch einmal in Erinnerung und nickte dann erkennend. .... Natürlich, wie anders denn sonst?

.... sie hatte einen Fehler gemacht - und sofort war es wieder da gewesen, dieses harte Funkeln in seinen Augen – wie sie sich verengt und seine Gesichtszüge sich zu einer starren Maske verzogen hatten.....
Und wieder war sie geflohen .... in die tiefsten Tiefen ihres Selbst ..... So offen sie kurz zuvor gewesen war – zum ersten Mal in ihrem Leben – so hilflos, verletzlich und schwach... so schnell hatte sich der Panzer wieder um sie geschlossen, dichter und fester, als je zuvor.

Angewidert dachte sie an ihr Gefühlschaos zurück und schüttelte sich.

Und dann, noch viel bedeutsamer für ihre Erkenntnis, war der langanhaltende, tiefe Schmerz in seinem Blick gewesen, als er .... von ihrer Freundin sprach .... die Kälte dazwischen, ehe er......

Sie lächelte plötzlich kalt.

Ob er sich zu diesem sanften Blick hatte zwingen müssen??


Für einen Moment waren ihre Gedanken erstarrt gewesen, gebunden an ein Name, der gefallen war.... doch ihre Augen hatten jedes Detail in seiner Miene registriert, darum waren ihr seine Gefühlsregungen nicht verborgen geblieben..... Und als sie aus der Weite ihrer Gedankenwelt wieder auftauchte, langsam die Stille wahrnahm und die Tatsache, dass er offenbar auf etwas wartete – da hatte die Sanftheit in seinem Blick nicht mehr zu dem gepasst, was sie eben gerade erkannt hatte....

Oder doch: Es hatte sogar perfekt zu dem gepasst, was er zu Anfang gesagt hatte: „... was die Verschleierung tatsächlicher Verhältnisse angeht. Zu einem Teil also Lügen, wenn du so willst .....“

Ja, natürlich... Wie hätte er auch je an ihr interessiert sein können, wenn er ihre mächtige und gutaussehende Freundin kannte? Vielleicht hoffte er ja, über sie den Kontakt zu ihr zu finden??

Durch diese neue Ausrichtung der Tatsachen, die ihr Gefühls-Chaos in dem Gespräch so abrupt beendet hatte, war ihr Bewusstsein nur langsam und in eine völlig veränderte Welt zurückgekehrt... Und es hatte einen Moment gedauert, bis sie die eigenartige Wärme gespürt hatte.... Ihren Blick zu dieser Stelle hinwendend, hatte sie zwei Hände gesehen... und nach einem Augenblick der Orientierungslosigkeit hatte sie sie als die seine erkannt, die auf der ihren lag....

Bedeutungslos.....

Sie war nur noch Gedanke gewesen – alles andere gehörte nicht mehr zu ihr.... gehörte in eine andere Welt, in eine alte Welt, die nicht mehr existierte, und ihre Gedanken waren jetzt nicht auf Hände ausgerichtet.... nur noch ein Name war in ihrem Inneren....

.... ein bedeutungsschwerer Name.....

.... einer, der mit einem Ziel verbunden war......

Das Einzige, was zählte, war, diesen Weg jetzt nicht mehr zu verlassen.....


Und so hatte sie die einzige Frage gestellt, die in ihr brannte: wer sich hinter diesem Namen verberge – und wo sie diese Person kennen lernen könne.....


Zuletzt geändert von Kalinora: 24.03.02, 18:04, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 14.06.02, 22:03 
Festlandbewohner
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Beiträge: 47
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Bedeutungsvolles wird bedeutungslos, Schwäche wird zu Stärke, und wenn Träume wahr werden, wird die Wahrheit zum Traum....

Sie hatte die Herausforderung angenommen - und war daran gewachsen, wie er es ihr gesagt hatte. Alles war anders gekommen, als sie es je vermutet hätte.
Heute war ein Leben ohne ihn kaum mehr vorstellbar.... Und doch wussten sie beide, dass es jederzeit zu Ende sein konnte.

Nicht viel hätte gefehlt, und es wäre schon geschehen! Noch immer verkrampften sich ihre Hände zu Fäusten, wenn sie an die Verräterin dachte. Doch die Wut richtete sich vor allem gegen sich selbst. Sie war IHR unterstellt gewesen, SIE hatte gefehlt... wieder einmal.... SIE hatte auf Freundlichkeit und Respekt gebaut, statt auf Angst.... SIE hatte Loyalität erwartet, statt klar und unmissverständlich die Konsequenzen eines Fehltrittes anzudrohen - und sie dann auch durch zu setzen....
Dieser Verrat hätte sie nicht härter treffen können!

Doch hatte er seine gute Seite, wie alles, was geschieht. Die Wege ihres Herrn waren verschlungen, und oft sieht man erst auf den zweiten Blick, was er einem zeigen wollte.... Einmal mehr war ihr dadurch nämlich die Bedeutung der Liebe bewusst geworden und wie die Fehlgläubigen sie mit den Füssen traten.... Keine Ahnung hatten sie! Gar keine! Doch was war anderes zu erwarten - die Heuchlerin blendete sie alle.

SIE konnte ihrer Liebe vertrauen. Das spürte sie immer und immer wieder.

Leise hebt Kalinora den Kopf, ihren Geliebten lächelnd betrachtend. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde er aufwachen, wie immer. Und sie würden in einen neuen Tag hinein gehen, gemeinsam, oder jeder auf seinem eigenen Weg, um den Abend dann wieder gemeinsam zu verbringen, und zwischen ihren Zärtlichkeiten die Erlebnisse aus zu tauschen....
Eine leichte Röte überzieht ihre Wangen und sie schmunzelt leicht. Ja - er hatte es geschafft, selbst die Bedeutungen der Vergangenheit mit neuen, schönen Erinnerungen zu überdecken, Erinnerungen, die wieder und wieder Wirklichkeit wurden...

Bedeutungsvolles wird bedeutungslos, Schwäche wird zu Stärke, und wenn Träume wirklich werden, wird die Wirklichkeit zum Traum....


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