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Während das Schiff langsam auf das offene Meer zusegelte folgte Lyrius Telrunya langsam dem Kapitän in seine Kajüte. Er war trotz allem auf der Hut, ein gesuchter Mann lebte nie in völliger Sicherheit. Trotz allem hatte er einen Plan den er nicht so einfach aufgeben würde. Seine Gedanken überschlugen sich als er die Kabine betrat. Den Kapitän nicht aus dem Auge lassend schloss Lyrius die Türe und verschränkte die Arme vor dem Brustkorb. Was konnte der alte Seemann von ihm wollen? Am Anfang schien es ein ganz normales Gespräch, der Kapitän schien sich etwas für ihn zu interessieren. Es wurde Wein eingeschenkt und sie unterhielten sich während der Matrose vor der Türe der Kabine wache hielt um jederzeit eingreifen zu können. Langsam wurde Lyrius die Unterhaltung etwas unangenehm und er lies seinen Blick durch die kleine jedoch gemütlich eingerichtete Kabine des Kapitäns schweifen. Einige ausgerolle Karten lagen auf einem Abstelltisch, eine Kerze brannte am Tisch an dem sie saßen. Der Kapitän sprach immer weiter immer weiter, während der Gesuchte nur halbherzige Antworten gab. Ich war wohl vorhin wieder zu übermütig? Ist der Alte misstrauisch geworden?...Ich sollte von jetzt an vorsichtig sein und bald meinen Plan umsetzen und für eine schnelle Rückkehr sorgen....
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Langsam lief das Schiff weiter hinaus auf offene See und Lyrius beobachtete wie Brandenstein selbst auch immer kleiner wurde. Der Kapitän hingegen lauerte bereits darauf, dass sie gemeinsam die Kabine verliesen und der Nordmann den Verbrecher in den Lagerraum einsperren konnte. Der alte Seemann beobachtete die Bewegungen des Gesuchten. Während das Gespräch eher im ruhigen Ton stattfand überlegte er angestrengt. Der soll 2000 Dukaten wert sein? Wie soll der Schwächling es geschafft haben noch nicht gefasst worden zu sein? Er hat doch nichtmal eine Waffe bei sich.
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Lyrius stand langsam auf und gähnte, er spürte den leicht angespannten Blick des Kapitäns auf sich und musste grinsen. Wie immer wenn er ein unbehagliches Gefühl bekam, einfach grinsen was ihm ein selbstbewussten Auftreten verschaffte. Die Insel ist schon ganz schön weit entfernt...ich muss mich beeilen. Langsam schritt er zu den Fenstern in der Kabine. Es waren zwar nicht besonders große Fenster, aber ein nicht allzu breiter Mann hätte jederzeit durchschlüpfen können. Ob ich es hier wohl schaffe? Ich hab das ungute Gefühl, dass mich der Alte beobachtet....
"Herr Kapitän...kann man die Fenster öffnen? Ich habe das Gefühl ich werde langsam seekrank"
Der alte Seemann schien kurz zu überlegen und stand dann auf, mit einigen kurzen Bewegungen öffnete er den festen Verschluss der Fenster, die dazu dienten, dass kein Seewasser bei hohen Wellengang eintreten konnte.
Lyrius beobachtete ihn dabei ruhig, der Kapitän schien kurz abgelenkt und langsam wanderte zu der Weinflasche.Das Gespräch ist beendet, ich werde mich heute noch auf den Heimweg machen alter Mann. Wieder musste er grinsen und holte mit der Flasche aus.
Der Kapitän drehte sich wieder um und hob sofort abwehrend die Hände, doch die Weinflasche in der Hand des Verbrechers war schneller und zerschellte an seinem Kopf. Der alte Seemann ging bewusstlos mit einer Schnittwunde am Kopf zu Boden. Von draußen hörte man sofort das Poltern eines Mannes.
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Während Lyrius sich durch das Fenster drückte merkte er nicht wie jemand hinter ihm mit einer Waffe ausholte, er spürte etwas scharfes an seiner Hand entlanggleiten und schrie laut auf. Gleich darauf ein lautes Platschen im Wasser. Der Körper des Verbrechers war einige Momente verschwunden bis er wieder auftauchte. Das Einzige was von ihm zurückblieb war sein Ringfinger der linken Hand, der nun am Boden der Kabine lag.
Der Nordmann suchte eilig den Schiffskoch auf der auch etwas von Medizin verstand und den Kapitän versorgen sollte. Doch der Verbrecher schien ihnen entkommen. Man konnte nur annehmen, dass er zurück zur Insel geschwommen ist und doch war es ein weites Stück.
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Schnaufend schwamm Lyrius in Richtung Brandensteinerhafen. Sein Atem ging schwer und trotzdem bewegte er sich immer weiter über das eiskalte Wasser. Diese Kälte...ich darf nicht aufhören zu schwimmen...ich muss weiter...schneller....verdammte Scheiße ist das kalt....
Im Gedanken vor sich weiterfluchend schwamm er dahin, der Schmerz in seiner linken Hand war bereits durch die Kälte untergegangen.
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Mit letzter Kraft klammerte Lyrius sich an die Leiter im Hafenbecken Brandensteins und zog sich hoch, sein Atem ging schwer und er musste husten. Die Gedanken waren verschwommen bis er eine warme Decke am Körper spürte. Zwischen einigen Fässern saß er mit einer alten lumpigen Decke neben einem alten runzeligen Seemann, der ihn wohl nicht erkannte. Leise sprach er zu ihm in der schlampigen Seemanns sprache: "Na hat dik dat Meerwassa wiedejr ausgespuckt mejn Jong?." So sprach der Alte weiter und flößte ihm aus einer alten Blechtasse billigen Rum ein, der wie Feuer die Kehle hinunterrann. Die Unterhaltung ging eine Weile bis Lyrius benommen meinte er will sich etwas hinlegen. Der alte Seemann führte ihn bis zum Brandensteiner Hospitz, wo Lyrius sich in eines der leeren Betten legte und einschlief.
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