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Das Schiff hat endlich angelegt. Draußen regnet und stürmt es immernoch, kein schönes Wetter für ein Vitamahoch, aber ich habe schon unangenehmeres Wetter erlebt. Das Schiff hatte am Hafen von Tiefenbach angelegt, leider nicht in Brandenstein wohin mich mein Freund rief. Ich habe mir einige Stunden lang Tiefenbach angesehen, eine recht einfache Hafenstadt, mit einer kleinen Garnison. In Tiefenbach traf ich den ersten Bewohner von Siebenwind, ein hochgewachsener Galadonier auf einem Pferd. Er beschimpfte mich mit Spitzohr und zog eine Axt um zu bedrohen, es scheint viele Elfen auf Siebenwind zu geben die auf solche Provokation hereinfallen, dass er diese simple Masche an mir probierte. Ich fragte in einem Gasthaus nach dem Weg nach Brandenstein. Das Gasthaus selbst lag am Ufer und hat einen Wunderschönen Ausblick auf die Bucht vor Tiefenbach, ich muss dort unbedingt mal wieder hin. Der Weg nach Brandenstein sei nur über die Hauptstadt Siebenwinds, Rohehafen, sicher, versicherte mir die Wirtin.
Nach einem kurzem Fußmarsch über eine große, steinerne, Brücke und durch ein kleines Waldstück kam ich an die Stadtgrenze Rohehafens. Ich war überrascht, habe ich doch nicht solch Prachtbauten auf Siebenwind erwartet. Der Weg nach Rohehafen führt über eine große Marmorbrücke auf der mindestens Zwei Reiter neben einander reiten können. Dann kommt man an einem Fey Viertel vorbei, zur linken hand eine Prächtige Schwimmhalle zur rechten Hand einige Wohnhäuser und ein Säulensaal, bis man auf die breit angelegte Hauptstrasse gelangt. Von dort aus winden sich enge Gassen und Pfade zu den unterschiedlichsten und prächtigsten Marmor Häusern die ich eine lange Zeit lang gesehen habe. Sie erinnerten mich fast an die Prunkbauten von Kanath. Wenn man sich durch die engen Gassen windet kommt man irgendwann ins Zentrum der Hauptstadt, einem kleinen Marktplatz vor einem Bankgebäude. Auf diesem Marktplatz tummeln allerlei Leute, Menschen, Elfen, Zwerge und rechte viele Halblinge, prozentual sogar mehr als in Draconis, schätze ich, was mich etwas stutzig machte, sind die vom kleinen Volke doch nicht gerade für ihre Fremdenliebe bekannt, aber vielleicht war es auch nur der Feiertag.
Doch bevor ich Rohehafen betrat viel mit etwas drastisches ins Auge. Vor den Stadttoren standen Schilde, dass in Rohehafen das Kriegsrecht gelte, wegen einem Verdacht von Krimineller Aktivität. Was hat das zu bedeuten? Ein paar klein kriminelle aus einer Diebesgilde, die sich in hohe Posten vorgeschwindelt haben? Und dafür das Kriegsrecht ausrufen? Das wirkt doch sehr drastisch, unter diesen Umständen würde in Draconis das Kriegsrecht immer gelten.
In Rohehafen traf ich einige interessante Leute. Auf dem Marktplatz machte ich mich mit zwei Fey bekannt, Llandon einem Kesselflicker, ein freundlicher Fey und Lathis der leider viel faszinierte war dem Marktschreier ein paar Reagenzien abzukaufen als sich weiter mit uns zu unterhalten. Während der Dunkelphase, bei der man sich wegen des Kriegsrechtes in Häusern aufzuhalten hat, sprach ich mit einer jungen Menschenfrau namens Miriam, eine Bardin des Ritterhofes zu Schieferbruch. Ich sang einige Lieder, und sie schien recht begeistert, dabei waren es nur sinnlose Limericks, aber ich denke ich kann hier eine Freundin finden. Doch leider konnte ich nicht so genau auf mein Gespräch mit Miriam achten weil ich ein laut geführtes Gespräch vom Marktplatz belauschte. Dort redeten zwei Fey und lachten scheint es mir über die Biundai, die Menschen. In der herablassenden art wie ich es leider von vielen Jungen Fey kenne, spotteten sie über die Biundai, überlegten sich ob sie die Menschen mit dem Gebrauch der Elfensprache hereinlegen sollten. Ich erkannte mein jüngeres Selbst in diesen Fey, und versuchte sie mit einem Scherz auf ihr Arrogantes Tun hinzuweisen. Eine kleine Anekdote brachte ich, ich sagte „Wisst ihr wie die Fey’Simil, die Elfen des Waldes, uns Fey der Städte manchmal nennen? Sie nennen uns Fey’Biundai weil wir doch so sehr sind wie die Menschen.“ Ich dreht mich um und ging, in der Zuversicht, dass sie vielleicht verstanden hätten. Aber ich musste zusammenzucken als einer der beiden Fey mir laut hinter herief: „Wenn ein Biundai das zu mir sagen würde, dann würde ich ...“, doch da hörte ich schon nicht mehr zu.
Schade ist es das viele junge Fey es nicht verstehen, das gerade die Toleranz und die Akzeptanz des anders seins ist, die uns Fey gegeben ist und uns weitergehen lässt. Denn wer nicht über sich selbst und seien Fehler lachen kann, ist nicht besser als das was man mit Abscheu als „stinkende Biundai“ bezeichnet, die Biundai die angeblich ja sogar „die Ratten in die Städte gebracht haben“. Ach wüsstet ihr jungen Fey nur, das lange vor den Biundai wir Fey Städte gebaut haben, in denen es Ratten genau wie in jeder Stadt.
Ich kleide mich wie ein Biundai, ich ziehe mich an wie ein Biundai, ich habe sogar eine kurzen Haarschnitt wie ein Biundai, und doch bin ich ganz anders. Denn ich achte alles Leben, ich toleriere jedes Anderssein bin offen für alles Neue, und bewahre in meinen Liedern und Texten doch das Alte. Die Zeit und mein Alter haben mir gezeigt das es das ist was uns Fey von den Biundai unterscheidet und nicht das wir über wir Fey hochnäsig auf die anderen Rassen hinunter schauen und uns über ihre Unfähigkeit und Minderwertigkeit lustig machen.
Traurig war ich, als ich später wieder auf Lathis traf, den der Reagenziensammler vom Marktplatz, und er mir sagte: „Jarail du bist viel eher ein Biundai als ein Elf, trägst kurze Haare und sprichst ihre Wörter“. Schade das er meine Anekdote nicht verstanden hat, denn wenn das was ich bin ein Biundai ist, dann bin ich auch gerne ein Fey’Biundai, denn die Fey die über sich selbst und den Vergleich mit den Biundai nicht lachen können sind kaum anders als eben diese.
Morgen werde ich nach Brandenstein aufbrechen.
Zuletzt geändert von Jarail du Soleil: 4.04.02, 17:22, insgesamt 1-mal geändert.
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