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 Betreff des Beitrags: Rubinaugen und Totenhaut
BeitragVerfasst: 2.05.02, 22:49 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 3.03.02, 12:14
Beiträge: 17
Seitdem ich Mutter, Stiefvater und Geschwister verließ, hielt ich mich nicht mehr lange in größeren Siedlungen auf. Denn je länger ich nicht Erde unter den Füssen spürte und mich im Grünen bewegte, desto größer wurde in mir ein Gefühl des Unbehagens. So suchte ich nur selten Dörfer und noch seltener Städte auf, um Tauschhandel für das Nötigste zu treiben und Neuigkeiten aus der Welt zu erfahren. Auch auf Siebenwind änderte ich dieses Verhalten nicht.

Da mein einziges Hemd mit Löchern überseht war, die ich auch beim besten Willen nicht mehr vernünftig mit Nadel und Faden ausbessern konnte, entschloss ich, Brandenstein zu besuchen, das in der Nähe meines Weges lag. Ich suchte das Gebäude des Handelsbundes auf und einigte mich schnell mit dem Händler Randar über einen Tausch, über den ich zu einem neuen Hemd kommen wollte.

Kurz vor dem besiegelnden Handschlag beschlich mich ein ungutes Gefühl: Mir war als krieche ein dunkler Nebel durch die geschlossene Tür des Hauses und greife nach meinem Herzen. Gerade als ich mich zwingen wollte, die düsteren Gedanken beiseite zu schieben, öffnete sich die Tür. Ich drehte meinen Kopf und wich unwillkürlich zurück.

„Eine lebendige Tote“, schoss es mir durch den Kopf, als ein Anflug von Panik sich meiner bemächtigte und mein Restverstand die Erscheinung mit bleich-weißer Haut, dunkler Kleidung und seltsamen Augen zu einem Eindruck zusammensetzte. „Ich...“, stammelte ich und deutete unruhig zur Tür. Schnell schob ich mich an dem Wesen vorbei und trat hinaus vor die Tür unter das große Vordach. Mit einer Mischung aus Angst, Neugierde und allem Mut, den ich aufbringen konnte, zwang ich mich, nicht schreiend alles beim Gehen Hinderliche von mir werfend in den Wald zu fliehen.

Stattdessen wankte ich bemüht langsam Richtung Brüstung am Ende des Tisches, den der Handelsbund vor dem Eingang des Hauses aufgestellt hatte. Ich drückte mich so an die Brüstung, dass ich die mittlerweile geschlossene Tür gut sehen konnte. „Ich muss Ruhe bewahren“, versuchte ich mich zu beruhigen. „Wende das Maß an, dass du an dir angewandet haben möchtest und bewerte die Anderen nach ihren Taten und nicht nach ihrem Aussehen“, dachte ich und klammerte mich an diesem Grundsatz fest, als ich wie gefesselt auf die Tür starrte.

Ein Mensch und ein Zwerg kamen die Treppe zum Vordach hoch. Der Zwerg setzte sich als sei nichts los mit dem Rücken zum Eingang auf einen Hocker, der Mensch trat durch die Tür in den Innenraum und schien nicht beeindruckt von der seltsamen Gestalt. Auch der Händler Randar ließ sich offenbar nicht beirren. „Bin nur ich gegen einen Beeinflussungszauber gefeit?“, fragte ich mich in Gedanken und entschloss, nun doch lieber schnell das Weite zu suchen.

Zu spät! Das Wesen trat aus dem Haus heraus und ging ein paar Schritte über das Vordach. Dann erblickte sie mich und kam etwas auf mich zu. Ich sah in ihre Augen. Sie waren rot wie Rubine, leer und beunruhigend. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Irgendetwas sagte sie wohl, doch ich hörte es nicht. Ich vernahm nur ein gefühlloses Dröhnen in meinen Ohren.

Ich drückte mich in die hinterste Ecke an die Wand, so weit weg wie möglich von ihr. Doch sie trat näher auf mich zu und hatte schon die Mitte des Tisches erreicht. Ich dachte an Flucht und drückte mich langsam an der Hauswand vorbei, um über die rettende Treppe zu entkommen. Wieder sprach sie wohl etwas, denn ich hörte erneut dieses Dröhnen. „Tevra hüte über mich“, sagte ich laut und zwang mich zur Ruhe. Wieder blickte ich sie an und überwand mich, auf ihre Worte zu achten. Und dann hörte ich sie: „Ihr Menschen lernt es nie. Weder heute noch gestern ... oder in 1000 Jahren“. Mit diesen Worten verließ sie das Vordach und verschwand.

Erleichtert atmete ich durch. Nach einer Weile sammelte ich meine Gedanken und schaute mich um. Der Zwerg war gegangen und wie ich später feststellte auch der Mensch im Laden: Ich hatte das vor Aufregung gar nicht bemerkt. Innerlich schüttelte ich mich. Was war nur mit mir geschehen? Hatte ich dem Bösem widerstanden? Oder war eine Prüfung meiner Grundsätze hier kläglich gescheitert?

Beklemmt verweilte ich etwas unter dem Vordach. Dieses Erlebnis, so wusste ich, würde mich noch einige Zeit begleiten.


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 Betreff des Beitrags: Gefühle und Stimmen
BeitragVerfasst: 6.05.02, 23:16 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 3.03.02, 12:14
Beiträge: 17
Für mich aufregende Erlebnisse in Brandenstein hatten mich sehr nachdenklich gemacht. So war ich froh in die Abgeschiedenheit der Wälder zurückzukehren, um zur Ruhe zu kommen und in Ruhe über das Geschehene nachzudenken. Der Schlaf am Abend unter dem Schutz der Bäume wollte nicht recht kommen, denn ständig gingen meine Gedanken zurück zu der Gestalt, die ich in Brandenstein getroffen hatte. Etwas schämte ich mich, mich nicht anders – mutiger und offener – verhalten zu haben. Die Ereignisse beschäftigten mich, unruhig wälzte ich mich hin und her. Irgendwann schlief ich dann doch noch ein.

In dieser Nacht träumte ich wieder, wie so oft auf Siebenwind: Ich sah Imrale – meine alte Lehrmeisterin - im Schlaf, die sich mit wütendem Blick vor mir aufrichtete und mir forsch in die Augen schaute. So als wollte sie mir sagen, dass ich mich an das erinnern sollte, was sie mich gelehrt hatte. Respekt vor Lebewesen. Den Blick in die Tiefe. Ich nahm ihre Hand und drückte sie. Tränen liefen über mein Gesicht. Ich öffnete die Augen. Und stellte fest, dass ich nicht nur im Schlaf geweint hatte.

Die darauf folgenden Tage zog ich mich tief in die Wälder zurück und wanderte viel umher. In mir reifte der feste Wille, meine Lehre aus den Ereignissen zu ziehen und mich künftig anders zu verhalten. Tag um Tag hellte sich meine Laune etwas auf, die Sonnenstrahlen vertrieben den grauen Schleier aus meinem Herzen, meine innere Beklemmtheit ersetzte ich durch Zuversicht. So genoss ich mein Leben und die Schönheit der Wälder, die ich im Süden durchstreifte.

Vorgestern strahlte die Sonne hell durch die Kronen der Bäume. Ich entfernte mich in südwestlicher Richtung von der Stadt, zu der keine Strasse führte, und hatte ein Lächeln auf den Lippen. Ich fühlte mich recht wohl an diesem Tag. Unachtsamkeit schlich sich ein. Deshalb bemerkte ich die Anderen erst, als ich die Stimmen hörte.

Ich blieb stehen und stellte den Wunsch zurück, auf die Fremden zuzutreten, um sie an meiner derzeitigen Laune teilhaben zu lassen. Lieber lauschte ich, denn meine Vorsicht wollte ich trotz Vorsätzen ja nicht aufgeben. „Der Betrachter und seine ganze Spezies ist willenlos“, sagte eine belehrende Stimme mit freundlichem Ton. Offenbar unterrichtete dort jemand einen Schüler. Gerade als ich mich fragte, was denn ein Betrachter sei, erhielt ich die Antwort. „Dadurch können wir diesen Dämon leicht rufen“, fuhr die Stimme fort.

Ich erschreckte mich. Dort waren Dämonenbeschwörer im Walde, ohne Zweifel böse Zauberer, vielleicht sogar Anhänger des Einen. Abgrundtiefe Angst paarte sich mit maßloser Wut, weil das Böse den Wald durch seine Anwesenheit entweihte. Schnell versteckte ich mich und eilte von Furcht und Wut getrieben so lautlos wie möglich davon. Stark war mein Wille, Hilfe zu holen, um sie aus dem Wald zu vertreiben. Doch alleine wagte ich nicht, mich der Gefahr zu stellen.

Als ich nach Stunden der verzweifelten Suche endlich Hilfe fand und ich mit einer Gruppe zurückkehrte, waren die Frevler verschwunden. Nachdem sich die Gruppe trennte, rastete ich und spürte erneut ein Gefühl der Beklemmtheit, das mit Angst durchsetzt war. Ich war nach Siebenwind gekommen um Freiheit und Gemeinschaft zu finden und fand Prüfungen, Magie und Gefahr. Was sollte ich daraus lernen? Und wie würde sich alles entwickeln? Unruhig zog ich umher und wagte es in der nächsten Nacht nicht, die Augen zu schließen.


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 Betreff des Beitrags: Irrungen
BeitragVerfasst: 14.05.02, 22:08 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 3.03.02, 12:14
Beiträge: 17
Am nächsten Abend legte ich mich früh zur Ruh, um den Schlaf nachzuholen, den ich in der Nacht zuvor versäumt hatte. Doch mein Schlaf war nicht so erholsam, wie er hätte sein müssen. Alpträume schreckten mich mehrmals hoch. Als die Nacht ihre Mitte erreicht hatte, beschloss ich wach zu bleiben und starrte gebannt in den Himmel bis der Morgen hereinbrach.

Der nächste Tag war anstrengend. Müde wankte ich durch den Wald. Mehrfach rastete ich und versuchte im Schutz von hohen Bäumen mit ausladendem Wurzelwerk zu schlafen. Meine Schlafpausen waren kurz. Mal nickte ich für eine Stunde ein, mal ruhte ich für eine Halbe.

Am Abend bereitete ich ein Lager und begann meine Gedanken zu sammeln und auf etwas Angenehmes zu lenken, um mich nicht mehr von dem Bösem beunruhigen zu lassen, welches ich im Wald belauscht hatte. Ich lächelte über die eigentümlichen Hobbits, die ich im Norden getroffen hatte, besann mich auf die helfenden Heiler zu Schieferbruch und erinnerte mich an meine bewegenden Begegnungen mit den tiefsinnigen Waldelfen. Doch immer wieder kehrten meine Gedanken zurück zu den Dingen, die ich aus meinen Kopf verbannen wollte, um endlich einen ruhigen Schlaf zu finden.

Es war vergebens. Auch diese Nacht erholte mich nicht, ebenso nicht die nächste und die darauf folgende. So stolperte ich übermüdet durch die Wälder im Süden, immer auf durchgehenden Schlaf hoffend, der mir meine Kraft zurückgeben sollte.

Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt längst überschritten, als ich fast in eine Gestalt rannte, die sich - den Rücken mir zugewandt - nach vorne gebeugt und in sich vertieft am Waldesgrund zu schaffen machte. „Wie vor kurzem“, schoss es mir in den Kopf. Hektisch aber so leise wie möglich versteckte ich mich hinter einem Stamm. Vorsichtig lugte ich aus meinem Versteck hervor und beobachtete die Person. Von der Statur her schloss ich auf einen Mann.

Was machte der Kerl da nur am Boden? Ich dachte an die komisch leuchtenden Sterne, die des Nachts mancherorts im Wald höllisch rot schimmerten. Pentagramme nannte sie einer, den ich getroffen hatte. Ich zog in Erwägung, dass der Mann ein solches Pentagramm herstellte. Dabei trat ich unvorsichtig mit meinem Fuß auf einen Zweig, der verräterisch knackte. Ich verfluchte mich innerlich und zog zügig meinen Kopf zurück.

„Hallo?“, hörte ich eine Stimme rufen. Ich antwortete nicht. Nach einigen Minuten traute ich mich erneut, nach dem Mann zu schauen. Er war wieder in seine Arbeit vertieft, aber hatte sich mir nun zugewandt. Verzweiflung stieg in mir hoch. Jetzt konnte ich nicht einfach gehen, denn die Gefahr war groß, dass er mich sehen würde. Schnell zog ich meinen Kopf wieder zurück.

Mit müdem und törichtem Kopf griff ich kurz entschlossen nach einem Stein am Boden und versuchte ihn zwischen den Stämmen so weit wie möglich von mir fort zu werfen, um verschwinden zu können, wenn die Aufmerksamkeit des Mannes abgelenkt war. Der Stein schlug mit einem dumpfen Knall an einen Stamm nicht weit von mir. „Ich dummer Mensch“, dachte ich über mich. Denn der Mann geriet in Aufregung, aber nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte.

„Hallo? Ist da wer?“, rief er laut und stapfte auf einmal wild umher und dann direkt auf mich zu. „Ich werde kämpfen“, entschloss ich und griff zu meinem Bogen. Mit allem Mut, den ich aufbringen konnte, drohte ich laut: „Flieht, ihr unseliger Diener des Einen. Oder ihr werdet meinen Pfeil zu spüren bekommen“. Der Mann schrie laut und wechselte dann wohl die Richtung, denn seine Schritte entfernten sich von mir. So schnell ich konnte spannte ich meinen Bogen, griff nach einem Pfeil und sprang hinter dem Baum hervor, um zu sehen, was vor sich ging.

Mein Gegner lag einige Schritte von mir rücklings auf dem Boden und sah ziemlich wehrlos aus. Möglicherweise war er bei seiner Flucht an einen dicken Ast gestoßen. Mit gespanntem Bogen trat ich auf ihn zu. „Ein Elf!“, erschütterte es mich, als ich vorsichtig auf den Mann blickte. Innerlich verunsichert aber doch mit böser Stimme fragte ich ihn: „Seid ihr ein Diener des Einen?“. Der Elf schüttelte den Kopf und antwortete ängstlich, dass er kein Anhänger des Einen sei. Entsetzen breitete sich in mir aus. „Kann das sein?“, wog ich für mich ab und überlegte, ob er log. „Nein“, entschied ich dann, „ein Diener des Einen würde seinen Herrn bestimmt niemals verleugnen“.

„Was habe ich nur getan?“, fragte ich mich und fühlte mich innerlich leer. Und dann brach alle Müdigkeit, die ich in den letzten Tagen angehäuft hatte, über mich herein. Mir wurde schwarz vor Augen und ich knickte zusammen.

Als ich wieder zu mir kam, beugte sich der Elf zu mir herüber und reichte mir Wasser. Ich erzählte ihm, was mir geschehen war. Ich schämte mich sehr und bat um Verzeihung, denn schließlich hatte ich ihn überfallen und war sogar bereit gewesen, Gewalt gegen ihn anzuwenden. Überrascht stellte ich fest, dass er keinen Gram sondern Sorge um mich spürte. Und meine Scham wuchs weiter.

Der Elf stützte mich auf und brachte mich abgestützt zu einer Hütte im Wald, in der Frauen leben sollten, die sich um mich kümmern und mir Sicherheit geben sollten, um endlich wieder schlafen zu können. Wir erreichten die Hütte im Dunkeln. Niemand war da. So führte er mich in den Garten und bat mich, mich an die Hauswand zu setzen. In seinen Armen schließlich schlief ich ein.

Und ich schlief!

...

Als ich weit nach Mittag aufwachte lehnte ich an einem Baum im Garten. Jemand hatte mich mit einer Robe zugedeckt. Wer das getan hatte und wie ich zu dem Baum gekommen war, wusste ich nicht. Zaghaft erhob ich mich und klopfte an die Tür der Hütte. Niemand öffnete. Ein bis zwei Stunden wartete ich, aber blieb allein. Dann brach ich auf.


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