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12. Triar 13 n. Hilgorad
Einige Zeit später, wieder war es dunkel, saß sie unter dem Baum, der schon einmal gegen die Dunkelheit geholfen hatte. Sie saß dort, gegen den Stamm gelehnt, die Augen geschlossen und hoffte darauf, dass sie etwas sehen würde, was ihr helfen könnte, Nifiel zu finden, dachte darüber nach was am Tag zuvor geschehen war, warum sie so wütend und zornig darüber war, wie es vorher noch nie der Fall war. Sie konnte ihre Freunde nicht beschützen selbst wenn sie wollte, das hatte ihr der Mensch gezeigt. Machtlos war sie, wenn jemand ihre Freunde verletzen wollte. Wütend, weil sie zu schwach war…
Der einsetzende Regen fiel ihr ins Gesicht, auf die Arme, den Bauch, die Beine. So kühl, beruhigend, regelmäßig, löschte den Zorn über ihre Unfähigkeit, als wenn es nur ein Strohfeuer gewesen war. Es war geschehen, es nutzte nichts sich selbst zu verfluchen, stattdessen musste sie ihre Freundin suchen gehen, nur wo? Dieser kleine Setzling konnte nicht helfen, er hatte wohl noch nicht wieder die Kraft. Aber die Mutter würde die Kraft besitzen, vielleicht, wenn sie Glück hatte, war eine von denen dort, die ihr helfen konnten.
Sie brauchte nicht weit zu laufen und Glück hatte sie. „Sccchhhht du…“ zischte sie von hinter einem Baum hinweg, gerade laut genug damit die Frau es hörte. „Ich muß in die Höhle…“ Die Frau konnte es nicht glauben, aber gab dann doch nach. Zu ihrem erneuten Glück war sie nicht das erste Mal hier, im Gegenteil…
Sie mochte die Höhle nicht. Gut, dass sie nicht so tief war und das, was sich dort verbarg, war das leichte Frösteln auf ihren Armen wert, denn der Anblick des Baumes in der Kammer versetzte sie Mal um Mal ins Stocken. Tief beeindruckt und mit einer Ehrfurcht vor der Aura, die dieser Baum ausstrahlte, trat sie nah an ihn heran. Zuerst nur die Fingerkuppen, dann die ganze Hand legte sie auf die Rinde und schloss die Augen. Vor ihr pulsierten Schwarz und Weiß durcheinander als gäbe es keine Ordnung, doch war es nicht unangenehm, denn sie schienen in einem feinen Gleichgewicht zu sein. Darauf konzentrierte sie sich…
Sie wusste nicht, wie lange es war, wie sie so da stand, vielleicht nur Minuten, vielleicht eine ganze Phase, da roch sie etwas weit entfernt und lief schnell auf allen Vieren dorthin, die Nase weiter auf der Fährte. Der Geruch kam ihr so bekannt vor, es war die Spur derjenigen, die sie suchte. Durch den Wald trieb es sie. Sie achtete nicht auf die Gegend. Sie lief, wich den Bäumen aus. Konnte nichts mehr sehen und verschwand im Schwarz.
Die Hand löste sich langsam von der Rinde und ging zu der Frau, die die ganze Zeit hinter ihr gewartet hatte. „Und? Hast du etwas gesehen?“ Sie schüttelte enttäuscht den Kopf und erzählte, was sie gesehen hatte: „… es kam mir so vor, als wenn jemand es verhindern wolle, dass man sie findet. Vielleicht ist dieser Mensch einfach zu stark.“
Enttäuscht bei ihrer besten Chance nichts gefunden zu haben, verabschiedete sie sich wieder, aber kaum war eine Möglichkeit erloschen, kam ihr schon die nächste in den Sinn. Zielstrebig machte sie sich auf nach Westen an der Küste entlang.
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