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 Betreff des Beitrags: Das Lied der Stille
BeitragVerfasst: 10.03.02, 13:08 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.12.01, 03:04
Beiträge: 2431
In tiefer Meditation versunken sass sie in SEINEN Hallen. Ihr Körper verharrte regungslos vor dem Altar ihres HERRN, während ihr Geist frei durch die Traumwelt schwebte und ihre Seele im Lied der Stille aufging. Der Schnee war geschmolzen und der Boden bereit, die von ihr einbalsamierten Körper aufzunehmen. Viel war geschehen, viel Leid hatte sie gesehen. Und wenn es auch ihre Seele nicht berühren konnte, so schien es doch ihrer Hülle geschadet zu haben. Manchmal spürte sie dieses Stechen in der Brust und dann musste sie sich setzten um nicht zu fallen. War es das Alter? Seit ihrer Geburt waren 13 Jahre vergangen, doch ihr Körper war 30 Jahre älter. MORSAN, ihr geliebter HERR, hatte gnädig auf ihr Opfer geblickt und ihre Bitte gewährt. Was war aus ihrem Elfenfreund geworden? Lange, lange hatte sie ihn nicht gesehen. Und da war auch noch ihre Schwester Tzara.....
Hingebungsvoll lauschte sie dem Lied der Stille, versuchte den Willen des HERRN zu ergründen. Erflehte demütig einen Hinweis, wie sie ihren Freunden und den Hilfesuchenden beistehen konnte in der wirklichen Welt, die ihr so fremd war. Denn sie war allein. Nur eine Geweihte des MORSANS für diese Insel, die so voller Gewalt, so voller Schmerz war....
Und wie immer fand sie Trost in der Nähe ihres HERRN. Sanft lächelnd öffnet sie ihr Augen. Erhob sich leise um, die geweihten Kräuter in den Schalen zu entzünden. Schmerz, wie ein glühendes Eisen fuhr ihr durch die Brust, lies sie vor seinem Altar zusammen brechen und mühsam nach Luft ringen. Ihr linker Arm fühlte sich ganz taub an. Lange Zeit lag sie regungslos da. Atmete ein und wieder aus bis die Schwäche verging.
Wie gerne würde sie zu IHM gehen. Doch sie hatte in seinen irdischen Hallen ihre Aufgabe noch nicht erfüllt. Leicht schwankend erhob sie sich. Sie würde wieder durch Rohehafen wander, sehen ob sie gebraucht wurde, ob sie dienen durfte. Sie würde wohl einen Stab brauchen....
Leise verlies sie die heiligen Hallen. Fühlte wie die Blicke gleichgültig über sie hinweggingen. Sie lächelte sanft. Wie weise doch ihr HERR war! Denn eine Diener MORSANS ist nichts.... Nur der Dienst ist wichtig.
Erschöpft setzte sie sich auf die Bank am Markt. Fühlte den lebensspenden Regen VITAMAS auf ihrem Gesicht und betrachtete leise seufzend das rege Treiben auf dem Marktplatz.
Die Kinder der VIER, ihre Namen seien gepriesen, sind so liebenswert, so wunderlich sie sind. Wie sind sie klug und doch zugleich, wie blind!


Zuletzt geändert von DEZZ: 10.03.02, 13:09, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 4.05.02, 02:17 
Altratler
Altratler

Registriert: 9.12.01, 03:04
Beiträge: 2431
Langsam trug sie Mandrakor zurück zum Tempel. Ein leichter, sanft wiegender Trab. Als ob er um ihre Erschöpfung wüsste. Sie war so müde. So unendlich müde.
Hart trommelten die Hufe auf die Mamorbrücke, nur dieses Geräusch in der so willkommenen Stille. Ein mühsames Ringen nach Luft. Gleich würde sie Ruhe finden in SEINEM Schrein. Im Lied der Stille aufgehen.
Ihre Gedanken weilten beim Ketzer im Kerker des Turms.
So gierig nach Leben, so hungrig nach der Macht greifend. Und doch.... so suchend. Sie hatte ihm zugehört. In stiller Verzeiflung ahnte sie erneute Flammen, die menschliches Fleisch verzehrten. Wenn sie ihn doch nur retten könnte! Doch in den Augen der jungen Magier, die ihn stellten und einkerkerten las sie das Urteil. Auch bei dem jungen Magier der Grauen Garde, dem sie ihr geweihtes Amulett umgelegt hatte. Ihr Amulett, das Geschenk Morsans. Er war so voller Furcht und Schmerz gewesen. Sein Blut genommen um einen Platz zu schänden für ein dunkles Ritual. Sanft schlossen sich ihre schlanken Finger um das geweihte Symbol. Sie hatte ihm Morsans Segen zuteil werden lassen. Keine Geweihte legt jemals ihr Amluett ab. Man bettet sie damit zu ruhe. Aber es musste sein. Um dem verzweifelten Kind der Vier Tröstung zu schenken.
Nun lag es wieder um ihren Hals. Sie fand wieder die Ruhe, Morsans sanfte Tröstung, die sie ohne es so
entbehrt hatte.
Immer weiter trug sie Mandrakor. Sanft, geduldig ohne ihre Hilfe den Tempel entgegen. Ihre Gedanken kreisten um die dunklen Paladine, den Angriff von dem man ihr berichtet. Die Flugblätter mit ihren finsteren, verführerischen Lügen. Tiefe Trauer überkam sie. Sah in ihrem Geist das gequälte Gesicht des letzen Paladins.
Ihre Worte hallten in ihr wieder: .....lasst mich das Zünglein an der Waage sein. So viel Leid. So viel Schmerz und Hass. So falsch, so unendlich falsch. Ein weiteres Antlitz im Strom der Bilder, die durch ihren Geist
schwebten. Tzara, geliebte Schwester. Ein flimmerndes Halsband. Eins Opfer und eine so grosse Gefahr.....
Immer weiter trug sie Mandrakor. Vorbei am Hochelfenviertel, vorbei an der Herberge....
Sie dachte an den Marktplatz, die zuckenden Blitze aus dem Nichts. Und jenen unseeligen Streit mit ihren kleine Brüdern und Schwestern, die die Herren der Elemente verehrten. So falsch, so unsinnig. Missverständnise in einer lärmenden Welt, die sie nie verstanden hatte....
Mandrakor trug sie weiter. Vorbei am enstehenden Geweihtenhaus und am Hof, in dem sie noch immer die Flammen sah, auch wenn man jede Spur des Scheiterhaufens schon lange getilgt hatte. Ihre Gedanken eilten zu der Urne mit der Asche des reuigen Ketzers. Sie musste ihm noch die Riten gewähren. In aller Stille. Aber nicht auf jenem Morsanacker, wo noch immer die erhobenen Hüllen der Verstorbenen ruhelos umherirrten.....
Soviel, so unendlich viel zu tun. Und ein so unvollkommenes Gefäss. Sie war nur 13 Jahre alt......
Mandrakor blieb stehen. Hielt brav still, als sie ungschickt aus dem Sattel rutscht und sich für einen Moment festhalten musst um nicht zu fallen. Ihr Stab währe nun eine Hilfe gewesen, doch er war beim Ritual der Reinigung für die dunkle Kriegerin ihn ihrer Hand zerbrochen....
Müde hob sie den Blick zu den Türen des Tempels.
Sah verhüllte Gestalten, Rüstungen aus menschlichen Knochen, rot glühende Augen. Und in ihrer Mitte ihren geliebten Bruder Donarius. Langsam ging sie auf sie zu.
Ein unvollkomenes Gefäss. Aber das einzige was zu Verfügung stand. Wipsernde Stimme senkten sich in ihren Geist. Störten ihre Harmonie, ihre Ruhe. Schmerzten. Donarius.... Schritt für Schritt ging sie weiter. Betrachtet mit stiller Verwunderung diese Geschöpfe ihres Herrn. Sah Donnarius Angst. Sie selbst kannte keine. Waren es doch Geschöpfe ihres Herrn, so fremd sie auch waren. Sie trat hinzu. Ein Befehl schneidend wie Stahl drangt durch ihren Geist.
ZURÜCK!
Doch ihre Füsse hatten bereits die Stufen des Tempels berührt und ihre Hand schloss sich um ihr Amulett. Das Lied der Stille hies sie willkommen. Spendete Trost und Stärke. Sie konnte nicht gehen. Nicht Donarius diesen fremden Geschöpfen überlassen. Nicht hier....
In Gedanken formte sie immer wieder:" mein Haus....
mein Bruder... nicht gehen.....Frieden..."
Doch wurde sie verstanden? Besorgt blickte sie zu ihrem Bruder. So viele dieser Geschöpfe. Auf den Stufen des Tempels. Ihres Tempels. Sie bat um Donarius. Umsonst. Immer der Befehl:
ZURÜCK!
Sie wurde weggezerrt. Spürte den Schmerz an ihren Arm. Und ging dann wieder langsam zurück. Hilflos sah sie zu diesen Geschöpfen, so fremd, so sonderbar, so unwirklich.
Sie wünschten ihnen keine Leid. Spürte weder Furcht noch Zorn. Nichts Verderbtes ging von ihnen aus. Aber Donarius.... Sie wirkten so bedrohlich. "Frieden......" flehte sie im Geist. Sie war zu unvollkommen um sie zu erreichen. Langsam ging sie in den Schrein ihres Herrn. Verbeugte sich tief vor seinem Altar. Ergiff ehrfurchtsvoll das Buch der Seelen, die höchsten Insignie Morsans. Küsste es demütig und trug es zum Eingang. Sie würden nun verstehen.....
Sie hörte ihre Stimme....
brach ihr schweigen. Es war für Morsan, für Donarius.
Sie sprach in SEINEN Namen, sprach das kein Leid geschehen sollte. Das die Geschöpfe gehen sollten.....
in Frieden.
Sie sah den Pfeil nicht kommen. Spürte nur den plötzlichen Schmerz. So scharf, so wirklich. Fühlte Blut ihre Ordenskleidung tränken. So falsch, so unendlich falsch...
Wankend ging sie auf die verschwimmenden Gestalten zu. Das heilige Buch erhoben. Ihre Beine knickten unter ihr weg. Dunkelheit umfing sie. Das Lied der Stille hiess sie willkomen. War so klar, so überwältigend wie niemals zuvor.
Sie war ein unvollkommenes Gefäß. Sie war erst 13 Jahre alt.......


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BeitragVerfasst: 4.05.02, 02:44 
Ehrenbürger
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Beiträge: 673
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*steht auf und applaudiert wortlos*


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BeitragVerfasst: 15.06.02, 14:12 
Altratler
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Sie tauchte den weichen Schwamm erneut in das mit Duftöl versetzte Wasser. Führte ihn dann sanft über die leblosen Glieder des aufgebahrten Körpers. Ihre Lippen formten stumm den Segen des Übergangs und erneut öffnete sich ihrem Geist den Weg zu den Hallen ihres Herrn.
Sie hatte ihn beschritten mit freudigen Herzen. Der Pfeil des Morsanskindes war tief in sie eingedrungen und ihr geschwächte Hülle war mit einen leisen Seufzen zusammengebrochen. Doch sie selbst hatte auf ihren Körper niedergeblickt, zugesehen wie sich ihr Bruder Donarius weinend über ihn beugte und ihren Namen rief. Begriff er denn nicht, das sie nun frei war? Ihre Erfüllung entgegen schritt? Sanft wollte sie ihm Trost zusprechen, doch sein Geist war für sie in seinem Kummer unerreichbar. Noch hob und senkte sich die Brust ihrer sterblichen Hülle. Sie fühlte die Unruhe, den Schmerz ihrer Geschwister. Hörte die Gebete und fühlte wie die Verbindung zu der Hülle, die sie 13 Jahre getragen hatte, schwächer wurde. Und sie fühlte Galtor nahen, hörte in ihrem Geist den Widerhall seiner Schwingen, wie sie es so oft getan hatte. Noch einmal verströmte sie all ihre Liebe und Zuneigung, in der Hoffnung sie könnten sie erspüren. Dann wandte sie sich um. Morsanskinder griffen nach ihrem Geist, wollten sie zurückhalten. Sie verstanden nicht. Sie waren so fremd und so fazinierend. Sie fühlte keinen Zorn. Die Hülle war bedeutungslos. Langsam wanderte sie den verschlungen Pfad weiter. Sie brauchte keine Führung, sie kannte den Weg zu IHM. Die Myten heilten ihre Hülle, doch sie war bereits nahe am Tor der Seelen. Lächelnd erblickte sie den Wächter.........
Sie lies den Schwamm mit gleichmässigen Bewegungen über den Körper des Verstorbenen gleiten.
ER hatte sie zurück befohlen. Hatte ihr den Frieden versagt und sie hatte das Tor nocheinmal durchquert. Sie hatte die Hallen betreten, gesehen...
Wieder tauchte sie den Schwamm ein.
Demut und Gehorsam. Sie war zurückgekommen. Zurück in ihren Körper. Hatte zu den bleichen Gesichtern der Morsanskinder aufgeblickt, die ihre Hülle wiederhergestellt hatten. Erneut die Berührung in ihrem Geist verspürt. So fremd und doch so vertraut.
Sie blieb allein zurück. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie hatte seinen Frieden gespürt......
Demut und Gehorsam. DEIN Wille geschehe.....
Am nächsten Tag trat die Verlorene zu ihr. Erflehte das Ritual der Reinigung, um Gnade finden zu können
vor den Augen der Viere.....
Und sie beichtete.....
Mit ruhiger Hand legte sie den Schwam beiseite. Kurz legte sie ihre Hand auf die Falten ihres Ordensgewandes, die das Pergament bargen.
Leise trat sie an den Altar und überliess sich dem Lied der Stille. Blut war im Tempel vergossen worden und Blut hatte das Buch der Seelen benetzt. Ein Zeichen. Die Dämmerung brach herein......


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BeitragVerfasst: 26.06.02, 01:03 
Altratler
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Lange hatte sie auf den kühlen Steinfliesen vor seinem Altar gekniet. Sie war so müde, so leer.....
Und das Pergament mit den Namen, das sie in einer Falte ihres Ordenskleides bei sich trug, lag ihr schwer auf der Seele. Sie hatte gewusst, dass sie damit einen Krieg entfesseln konnte und sich und die ihren zu Zielscheiben der Rache würde. Und doch hatte sie nach langem Überlegen einzelne Gruppen ausgeschickt, um die Verlorenen zu suchen.
Hatte ihr Herr sie darum zurückgeschickt?
Soviel war passiert..... Tzara.....
Unruhe griff nach ihr, machte ihre Seele schwer, hielt sie in ihrem Körper gefangen. Sie lauschte dem Lied, sehnte sich so nach der Erfüllung, nach seinen Hallen.....
Ihre Augen öffneten sich. Ihr Blick fiel auf die besudelte Insignie. Die Seiten des Buchs der Seelen waren durchtränkt mit ihrem Blut, vergossen auf den Stufen des Tempels, vergossen durch die Kinder ihres Herrn.
Und sie verstand.........
Sie wusste nun wohin ihr Weg sie führen würde und sie danken Morsan aus tiefsten Herzen für die Einsicht.
Die Nacht hüllte sie ein wie ein schützender Mantel und Mandrakor trug sie sicher durch die dichten Wälder einem steinernen Tor und einem ungewissen Schicksal entgegen.


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