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 Betreff des Beitrags: Fern ab in Drakonis
BeitragVerfasst: 23.06.02, 19:28 
Festlandbewohner
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Früh erwachte Donarius diesen Morgen, durch den feinen Geruch von Rosenöl, es war das Wasser, das die Geweihten schon bei Sonnenaufgang in sein Zimmer brachten zusammen mit dem Ornat, das für diesen Tag bestimmt war, reichhaltigen Stickereien die in bescheidenen Silber auf dem blauen Samt aufgebracht waren. Aber ein wahres Feuerwerk an geometrischen Formen und mathematischen Gesetzmäßigkeiten enthielten, wenn man sie nur zu lesen vermochte, die Zahl Pi war dargelegt, wie auch die Grundlagen der Trigonometrie und vieles mehr, was aber den einfachen Besuchern der heutigen Messe auf immer verschlossen bleiben mag.
Langsam schlug er seine Augen auf und blickte zum Ostfenster seine Kemenate im Ordenshaus des Astraelorden zu Drakonis und blickte zur aufgehenden Sonne, ihr glühend roter Ball löste sich gerade von Tare und beschrieb nun die vollkommenste aller geometrischen Formen, die eines Kreises, unwillkürlich musste Donarius obdessen lächeln.
Er fühlte sich wahrlich ausgeruht, obwohl er bis tief in die Nacht noch über den ihm gegebenen Texten gebrütet hat. Astrael hat wahrlich seinen Schlaf bewacht und heute war er bereit für sein tun die Anerkennung zu erhalten.
Schnell erhob er sich aus dem Bett und voller Elan wollte er zur Waschschüssel eilen, doch da verlangte die verstrichene Lebenszeit ihren Tribut, er konnte nicht mehr so schnell, seine Knie schmerzten, seine Hüfte war steif und sein rechtes, ihm einzig verbliebene, Auge war noch etwas trüb, schnell wandte er sich wieder dem eingeübten vorsichtig schlurfend-tastenden Gang zu, voller Mühsal und Qual verrichtete er seine Morgentoilette, obwohl man es ihm des öfteren anbot ihm einen Leibdiener zur Seite zu stellen um ihm zu helfen, hat er dies immer wieder abgelehnt, wollte er doch in diesen Momenten der Schwäche lieber allein vorm Herren Astrael sein, als noch andere Menschen in seinem Umfeld zu ertragen.
Nachdem die Morgentoilette erledigt war, schlurfte er hinüber zu dem Kleiderständer, lange strich er mit den faltig-zittrigen Händen über den Stoff, nahm die Stickereien schmunzelnd in Augenschein, dann zog er sie über und mussterte sich kurz in dem Silberspiegel der neben dem Waschtisch stand, dann ergriff er mit der Rechten seinen Stab, mit der linken Hand nahm er sein Buch auf und ging zur Tür, den Gang hinunter, strauchelte und stolperte fast mehr die Treppe hinunter und ging aus dem Hauptportal hinüber zum Tempel des Astrael.
Dort angekommen, verneigte er sich vor dem Altar so tief er noch konnte, schlurfte vorsichtig, jedes unnötige Geräusch vermeidend, er atmete sogar langsamer um mit seinem schnarrenden Atemgeräuschen nicht die heilige Ruhe, die in diesem Raume lag zu stören, zur ersten Reihe der Bänke. Dort setzte er sich hin und verbrachte die letzten beiden Stunden tief ins Gebet versunken. Wenn jemand vorbeikam und ihn dort sitzen sah, hätte er sich wohl über den reich gewandeten und verzückt lächelnden, alten Mann mit nur einem Auge dort in der ersten Reihe gewundert.
Eine halbe Stunde vor der 8. Stunde des Tages, welch ungemeine Harmonie liegt doch in dieser Zahl, zweimal die vier ist in ihr enthalten und sie ist nicht durch fünf teilbar, kamen die ersten Geweihten und Messdiener, sie brachten zusätzliche Leuchter und das Chrissam und die Bücher für die Zeremonie, sowie einen reichverzierten Stuhl richteten sie auf der Empore aus, der Platz des Erzpraetors.
Dann wurden die Portale des Tempels den Zuschauern geöffnet, die da kamen waren wenige, aber in Anbetracht der frühen Stunde und der Dauer der Zeremonie erkläglich viele.
Je zwei Geweihte bezogen rechts und links der Empore Position dann öffneten zwei Novizen das Portal rechts der Empore und ihre Erhabenheit der Erzpraetor trat ein und schritt in gemessenen und wohlgesetzten Schritten auf die Empore zu, nickte dabei Donarius lächelnd zu und nahm dann Platz auf dem ihm bereiteten Stuhl. Dann begann die Zeremonie, die obligatorischen Gebete gefolgt von den Nennungen der Tugenden und der Pflichten, darauf die Verfehlungen und Sünden die einen Menschen auszeichnen beziehungsweise zu einem Schandmal machen.
Dann erhob sich der Erzpraetor von seinem Stuhle schritt nach vorne und hieß Donarius ihn zu treten, dieser folgte gehorsamst dieser Anweisung, nur Menschen die ihn lange kannten, würden bemerken das jenes eben gerade ein Zittern aus Nervosität und nicht des Alters wegen ist. Zitternd überreichte er dem Erzpraetor das Pergament mit seiner Lösung der ihm gestellten Frage, denn so war es Tradition im Ordo Astraeli, das die Fähigkeit zur Einsicht, gemessen an dem Vermögen Probleme zu erörtern, die Voraussetzung für die erhabenen Ämter im Orden waren, nun war es am Erzpraetor, seine Lösung für angemessen zu bewerten.
Lächelnd zog ihre Erhabenheit sich wieder zurück zu ihrem Stuhl, entrollte das pergament und studierte es mit strengem Blick, während dieser Zeit kauerte Donarius tief vor der Empore und erwartet das Urteil des Erzpraetors.
Nach etlichen Minuten nickt er dem links von Donarius stehenden Geweihten zu, worauf sich dieser verneigt und vom Podeste nicht weit weg das, reich mit Steinen edelster Herkunft, verzierte Tiegelchen holte und dem sich nun erhebenden Erzpraetor reichte. Dieser nahm es in die linke Hand trat auf Donarius zu und bat ihn sich hinzuknien, was dieser schwerfällig tat und man mag sagen, mit großen Kinderaugen auf den Erzpraetor sah.
Dann erhob der Erzpaetor das Wort:


„Nach dem Urteil Astraels
nach den Worten der Heiligen
befinden wir euch für würdig,
Donarius Derrvus,
fortan die Ordensprovinz Siebenwind,
als gleichberechtigte und mit allen Rechten versehende,
zu führen und vor Astrael zu vertreten,
hiermit erheben wir euch in den Stand eines
Erzgeweihten des Ordo Astraeli
vor dem Auge des Weisen Astrael
und zur Kündigung gegenüber dem Volk der Gläubigen!
Erhebt euch bitte“


Mit einem fröhlichen Gesicht erhebt sich Donarius, reibt kurz seine blau angelaufenen Knie unter der Robe gegeneinander und schaut dann erwartungsvoll zum Erzpraetor, im selben Moment setzt das Gesangsquartett ein um einen Hymnus gen Himmel zu erheben. Der Raum füllt ich mit den Gerüchen allerlei Blüten und Räucherwerk, fast berauscht empfängt die Salbung durch den Erzpraetor.
Dann setzen die Gebete und Loblieder dem Herren Astrael zu Ehren wieder ein und der Raum ist zusätzlich zu den Gerüchen von einer Polyphonie der Stimmen erfüllt. Langsam, langsam verdichten sich Gerüche und Geräusche zu einer wahren Wolke um Donarius Kopf und dann ist Stille kein Wort berührt sein Ohr mehr, kein Geruch belästigt seine Nase und kein Geschmack netzt seine Zunge.
Waren es Stunden oder nur Minuten oder gar Tage? Donarius weiss es nicht, er wacht in dem Krankenzimmer auf , ein junger Novize betreut ihn, berichtet ihm das er zusammenbrach, während der Messe, man müsse halt seinem Alter Respekt zollen und sollte ihm solche Anstrengungen ersparen. Donarius lächelt ihn an, denn er weiß, um das was wirklich geschah, als er den weltlichen Sinnen entschwand und seine Seele entfleuchte um die Herrlichkeit Astraels zu schauen.
Mit einem schelmischen Lächeln gab er dem Novizen recht und entschlummerte nochmals um sich der Strapazen zu erholen.

_________________
"Es wird der Diamant an sich selbst nur erkannt.
Denken lernst du im Denken, das Wahre erkennst du am Wahren.
Liebe nur, wenn du schon liebst, nichts durch die bloße Kritik."
Ludwig Feuerbach


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