|
Sonnenstrahlen erhitzten die kleine Hütte bei Westhever. Von draussen erklang das sanfte Schlagen der Wellen gegen die Pfeiler des Stegs.
Mürrisch schlug Thara ihr Fell beiseite und warf einen Blick durch das Fenster. Der Stand der Sonne verriet ihr, dass es bald dunkel werden würde.
Im Grunde verspürte sie nicht die geringste Lust aufzustehen. Die Kopfschmerzen von der letzten durchzechten Nacht und der Kummer über Arlans Weggang taten ihr übriges um ihr diesen Tag nicht attraktiv zu gestalten. Aber die Hitze, die sich im Laufe des Tages in der Hütte breit gemacht hatte war nicht auszuhalten.
Mit einem übel gelaunten Gesichtsausdruck macht sich die Blondine daran sich etwas anzuziehen und stapfte in Richtung der Taverne.
Ein beissender Biergeruch kam ihr entgegen, als sie die Tür der Taverne aufsties. Zu ihrer Verwunderung waren jede Menge Nortraven anwesend und brabbelten etwas von Kämpfen, Galadoniern und Wachturm bei Finsterwangen.
Die Gesprächsfetzen ignorierend stapfte die Piratin hinter den Tresen um den Kater mit Alkohol zu bekämpfen. Schnell füllte sich ihr Humpen mit der kostbaren Flüssigkeit, die sie zu gleich an den Mund führte. Das tat gut. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck machte sie es sich neben Hrolfi gemütlich.
"Um was gehts eigentlich?" fragte sie ihn bevor sie an dem Bier nippte.
"Wir kämpfen gegen die Galadonier!" entgegnete er trocken.
Mit Verwunderung in den Augen schaute sie ihn an "Heisst das, dass wir nun doch die Zahlung der Steuer verweigern?"
Hrolf entgegnete nichts. Doch die Frage wurde von den andern beantwortet, die sich emsig über die Geschehnisse des Tages unterhielten.
Ein paar Galadonier waren vors Dorf gekommen um 2 Berserker und noch 2 andere zum Kampfe zu fordern. Der Austragungsort sollte beim Finsterwangener Wachturm stattfinden. Beron hatte diese Herausforderung angenommen und der vereinbarte Termin war in nicht weniger als einem halben Grad.
Mit lautem Grölen und nortravische Schlachtenlieder singend, machten sich die gut 12 - 15 Nortraven auf den Weg zum Treffpunkt.
"Brandenstein hat heute Ausgang!" rief Thara belustigt als ihnen ein paar Mitglieder vom Bund der Tapferen über den Weg liefen. Ein lautes Lachen breitete sich unter den Nortraven aus, dass erst beim Wachturm wieder verhallte.
Im Ring warteten schon die Galadonier gehüllt in dunkele Roben. Mit zusammengekniffenen Augen verfolgten sie den Einmarsch der Nortraven. Mit sovielen hatten sie wahrlich nicht gerechnet.
Der mutmassliche Anführer der 4 begann sofort zu jammern wie unehrenhaft doch die Nortraven wären, weil sie so viele Zuschauer mitbrachten.
Nach einem längeren hin und her gelang es Beron den Galadonier zu überzeugen, dass die andern Nortraven nur zu sehen wollten wie ein Galadonier auf die Fresse bekommt.
Der erste Kampf fand zwischen Beron und dem Redner statt. Genaue Beobachter konnten erkennen, dass Beron nur mit seinem Gegenüber spielte und nicht seine volle Wucht in die Schläge legte. Der Kampf wog eine Weile hin und her, doch plötzlich gelang es dem Galadonier Berons Verteidigung zu durchbrechen und die Klinge der Axt fügte dem Berserker eine blutende Wunde am Arm zu. Verdutzt von dem gelungenen Angriff des Menschen stand Beron einen Moment regungslos da, dann griff er an, diesmal ohne Rücksicht zu nehmen. Doch seine Schläge wurden immer kraftloser.
"Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!" brüllte Kurga in den Ring und noch ehe er den Satz zu Ende gesprochen hatte taumelte Beron berohlich durch den Ring bis er schließlich umkippte. Er war tatsächlich eingeschlafen! Thara traute ihren Augen nicht. Da war doch Magie oder Gift im Spiel!
Im Nu warf der Galadonier seine Axt weg und griff nach Berons Säbel, welchen er dem Berserker an den Hals legte.
"VERSCHWINDET ALLE BIS AUF 3" krächzte er mit einem irren Glitzern in den Augen zu den Nortraven "oder ich schlitze eurem Freund die Kehle auf!"
Es vergingen einige Minuten bis die Nortraven die Lage begriffen. Es blieb ihnen nichts anderes übrig als den Befehl entgegen zu nehmen. Mit lautem Knurren stapften die Nortraven davon. Bis auf Kurga, Thara Folgjard und Hrolf.
Als die Nortraven ausser Sichtweite waren machte sich ein Rascheln in den Büschen bemerkbar. "EIN HINTERHALT!" brüllte Kurga, der als erstes die neue Lage ausgemacht hatte. Noch ehe seine Worte in Tharas Ohren verklungen waren, krochen dunkele Gestalten aus den Büschen, alle samt vermummt.
Die Axt festumklammert stellte sich Thara neben Kurga um den Vermummten den Eingang in den Ring zu versperren. Aber es waren einfach zu viele. 10, wenn nicht gar 20 hämisch grinsende Fratzen betrachteten die Nortraven.
"Waffen weg!" befahl der Galadonier im Ring, der inzwischen den Säbel von Berons Hals genommen hatte.
Widerwillig schmiss Thara ihre Axt den Männern vor die Füsse und die andern Nortraven taten das selbe.
Rasch wurden Pferde geholt, den Nortraven Fesseln angelegt, die Augen verbunden sowie Knebel in den Mund gesteckt. Thara und Folgjard wurden auf ein Pferd hochgehievt, während Kurga, Hrolf und Beron so abgeführt wurden.
Die 2 Entführer schäumten vor Wut, als das Pferd, auf dem die beiden Nortraven sassen, sich weigerte los zu gehen und sie verloren damit den Sichtkontakt zu den andern Männern. Nachdem es den Männern endlich gelang das Pferd in Bewegung zu setzen liefen sie eine Weile den Weg entlang und bogen dann in ein Waldstück ab. Mittlerweile war es stockfinstere Nacht und in der Ferne erklang das Heulen von Wölfen.
Auf einmal donnerte Thara ihre Füsse gegen den Bauch des Pferdes. Das Tier riss sich von seinem Führer los und jagte mit den beiden Nortraven auf dem Rücken durch den Wald. Geistesgegenwärtig gab einer der Entführer, der ebenfalls auf einem Pferd ritt, dem seinigen die Sporen und preschte ihnen nach. Ihm gelang es das Pferd einzuholen und den Weg abzuschneiden. Der Gaul, auf dem die Nortraven sassen, bäumte sich auf und die Hühnen prallten auf den Boden. Bei dem Sturz löste sich Tharas Augenverband. Da sie auf Folgjard, landete wurde ihr Aufprall abgebremst. Eilig richtete sie sich auf und rannte davon. Ihr gelang es den Verfolger im dunkelen Wald abzuschütteln.
Als sie sich in Sicherheit fühlte schnappte sie nach Luft und begann ihre Fesseln gegen einen Baum zu reiben. Es dauerte eine Weile und ihre Handgelenke begannen durch die Reibung mit dem Baum zu bluten, aber die Fesseln lösten sich.
Eilig machte sie sich auf den Weg nach Westhever, den Säbel, den die Männer ihr nicht abgenommen hatten, fest umklammert.
"HALT!" schrei eine dumpfe Stimme. Sie wandte sich um. Es war einer der Entführer. Er war allein. Sie umgriff ihre Waffe so fest, dass das Weiß in den Knöcheln hervor trat. Er beförderte einen Dolch ans Tageslicht und warf ihn nach der Blondine. Der Dolch streifte sie am linken Arm und riss ihr eine klaffende Wunde. Blut ran ihren Arm hinab und tropfte auf den Blätter bedeckten Waldboden. "Na warte Bürschchen!" Thara hob den Säbel an stürmte auf ihn los.
Der Kampf begann.
|