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Vor dem Tore stand der Gardist, allein, sein Hoffen und Bangen galt den Kameraden im Lager, welches nicht weit entfernt war, nicht das ihnen etwas passierte, sondern ihm, der hier vor dem Tore stand und dass wenn er um Hilfe rüfe, diese, seine Kameraden, rechtzeitig hier wären, dass einzig war es worum sich seine Gedanken drehten.
...knackte da Holz, arbeitete es nur oder machte sich auf der anderen Seite jemand daran zu schaffen, diese Ungewissheit trug ihm schwer ab, er wollte auch nicht nachsehen gehen, fest drückte er seinen Körper gegen den Baum, wie als wollte er mit ihm verschmelzen.
Das Geäst über ihn wog leicht im Wind, war es Wind oder war es der Atem, einer dieser Monster die oben auf dem Wehrgang der Mauern Finsterwangens offen flanierten?
...er zog den Kragen enger und wickelte sich in seinen Umhang ein. Ein Wolf heulte gar nicht weit von hier, sie kommen nun öfters, denn hier werden sie satt, Fleisch liegt genug rum, das von gefallenen Menschen.
Und da waren sie wieder, diese Hilferufe der Frau, von droben, der Burg, von dumpfen Stössen unterbrochen, als ob man diese Frau schlüge, diese Schreie...immer wieder mal erstarben die Schreie unter einem Glucksen, er hörte sowas einst bei einem Gefangenen, dem sein eigenes Blut in den Rachen floss, der Gardist konnte sich genau vorstellen, wie sie zugerichtet war, doch seine Vorgesetzten, die Geweihten und die Magier haben behauptet es sei nur eine Illusion...
Er schaute hoch zu dem Berg, der die Trümmer der Burg barg, hoch zu dem Wimmern und Wehklagen, was nun wieder anschwoll zu einem tausendfachen Choral.
"Morsan behüte mich, lass diese Nacht endlich vorbei sein!" sprach er wispernd vor sich her.
Und dann erhob sich eine Stimme in seinem Kopfe oder war sie neben seinem Ohr, sie war dicht, sehr dicht....
"Willst du sie sterben lassen? Haben dich die hohen Herren nicht oft belogen? Sie wird sterben wenn du ihr nicht hilfst?" so sprach die Stimme leise aber stetig.
Er begann zu weinen, schaute zwischen Tor und Lager hin und her, der Lagerfeuerschein war gut zu sehen. Und wieder erhob sich die Frauenstimme, dass ihm das Blut in den Adern gefror. Er gedachte seiner eigenen Frau, seiner eigenen Kinder, gedachte er wirklich ihrer aus freien Stücken oder wurde ihm auch dies eingegeben, er wusste es nicht mehr, er war müde und erschöpft, hin und hergerissen, dann sah er die Bilder dieser jungen Frau, in Ketten geschlagen, blutüberströmt, ihren zerschundenen Leib und Verrenkungen des Körpers, die auf natürlichen Wege niemals möglich wären.
Dann stiess er sich gebrochen mit dem Fuss vom Baum ab, ging zum Tor, vorbei an den schwach glimmenden Runen, die die Geweihten zum Banne gelegt hatten, sie glimmten nur noch, der Gardist bemerkte dies wohl, aber hatte keine Kraft mehr es zu verarbeiten...
...er sties das Tor auf, nahm seine Hellebarde und ging leicht gebeugt auf den Berg zu...
...er sah die Schatten hinter sich nicht, die sich zusammenballten, die nach ihm griffen, die nach seinem Blute lechzten...
Er erreichte den Platz in Finsterwangen, dann wurde es dunkel um ihn, aber das Schlagen ledriger Flügel, wie man es ihm berichtete, welches man höhre im Moment des Todes...
es blieb aus.
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"Es wird der Diamant an sich selbst nur erkannt. Denken lernst du im Denken, das Wahre erkennst du am Wahren. Liebe nur, wenn du schon liebst, nichts durch die bloße Kritik." Ludwig Feuerbach
Zuletzt geändert von Donarius: 11.08.02, 12:59, insgesamt 1-mal geändert.
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