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 Betreff des Beitrags: Ritual einer schwarzen Hexe
BeitragVerfasst: 15.08.02, 07:28 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 9.12.01, 07:48
Beiträge: 188
Bereits 8 Stunden ist Kitara schon unterwegs. Ausser Atem steht sie auf ihren Stab gestützt im Schutz eines hervorspringenden Felsens und schaut hinunter ins Tal. Alles wirkt grau und unwirklich. Weit entfernt hat die Landschaft jegliche Substanz verloren und löst sich auf im grau des Nebels. Tief atmet sie die kalte Bergluft ein. Die Finger sind blau und ihr weisses Haar ist mit einer noch weisseren Kruste überzogen. Das Wetter hat sich erheblich verschlechtert. Der Blick zum Himmel kündet von Sturm. Dunkle, schwarze Wolken bilden einen beindruckenden Kontrast zu den weissen Bergspitzen vor ihr. Es ist der Zorn der Mutter denkt Kitara. Den Kragen aufklappend um ein wenig Schutz vor dem beissend kalten Bergwind zu haben läuft sie langsamen Schrittes weiter. Nur langsam kommt sie vorwärts. Der Weg ist gefährlich, steil und abweisend. Wie wenn er sagen würde. "Kitara was willst du denn hier. Geh zurück. Das ist kein Ort für dich". Doch unbeirrt folgt sie Schritt um Schritt dem steilen Bergpfad. Ihrem Ziel entgegen.

Der Übergang vom grau des Tages zur Nacht ist fliessend. Der Wind hat zugenommen und blässt unerbittlich durch die spärlichen Kleider. Erschöpft, vom Unwetter gezeichnet steht Kitara vor einem hohen Felsen. Vorsichtig legt sie einen knorrigen Strauch, der direkt an der Felswand dem Wetter trotzt, auf die Seite. Dahinter ist ein feiner Spalt zu erkennen durch den Kitara sich hindurch zwängt. Die absolute Dunkelheit und das Heulen des Windes wirken abstossend und bedrohlich. Mit einer Handbewegung entzündet Kitara ein feines Licht aus Energie. Im bläulich schimmernden Schein ist eine kleine Höhle auszumachen. Ein mit Blättern ausgelegter Schlafplatz und eine Feuerstelle ist alles was der rund zwanzig mal zwanzig Fuss grosse Raum an Komfort zu bieten hat. Kitara zieht ihren Umhang ab und dichtet damit, so gut es geht, den Eingang zur Höhle ab. Kurze Zeit später flackert ein kleines, wärmendes Feuer und taucht die Höhle in ein beruhigendes, warmes Licht. Kitara sitzt vor dem Feuer und wärmt ihre durchfrorenen Finger. Ihre Gedanken reisen zurück zu der Zeit wo ihre Wandlung zur schwarzen Hexe stattfand. Damals hatte sie sich geschworen nie mehr an diesen Ort zurückzukehren. Jetzt sitzt sie wieder da, schuldbeladen in ihrem Stolz verletzt, verachtet von der Geweihten, belächelt von den Schwestern und verstossen von der Mutter. Ihr Blick wandert auf einen grünlichen Trank in ihrem offenen Ledersack direkt neben ihr am Boden. Ihre Hand zuckt leicht doch dann wendet sie ihren Blick schnell wieder dem Feuer zu um auf andere Gedanken zu kommen

Nachdem sie mit dem üblichen Ritualspruch einen Schutzkreis um sich gezogen hat entnimmt sie ihrer Ledertasche einen kleinen Dolch. Mit einem schnellen Stich in die Fingerkuppe des rechten Zeigfingers fügt sie sich eine kleine, blutende Verletzung zu. Das Blut lässt sie in eine mit Runen verzierte Schale tropfen, der sie noch Pulver von Blutmoos, eigener Speichel und etwas Mutter Erde zumischt. Mit dem Dolch mischt sie die Zutaten vorsichtig bis alles zu einem roten, festen Brei wird.
Das Feuer vor ihr hat an Stärke verloren. Die nur noch leicht züngelnden Flammen spiegeln sich in den dunklen Augen. Kitara hat sich ihrer Kleider entledigt. Seit zwei Stunden sitzt sie nun schon so am Feuer. Wie in Trance wippt ihr nackter Körper. Nur unterbrochen durch zeitweises nachlegen von dürren Ästen um dem Feuer etwas neue Nahrung zu geben. Ihre Lippen singen leise ein Lied.

Ich bin dir nah und doch so fern
Oh Mutter der Erde.
Die Kraft der Erde hat mich verlassen
ich bin allein, deiner nicht Wert.
Mutter erhöre mein Flehen und spüre meinen Schmerz.
Gib mir zurück was mich an dich bindet.

Mit der Spitze des Dolches ritzt sie ihre Zunge, bis sie den Geschmack frischen Blutes an ihrem Gaumen spürt.Mit dem Finger entnimmt sie eine kleinen Pfropfen des angerührten Breis und legt ihn sachte auf die Zunge. So verharrt sie eine ganze Weile.

Ich bin dir nah und doch so fern
Oh Mutter des Windes.
Die Kraft des Windes hat mich verlassen
ich bin allein, deiner nicht Wert.
Mutter erhöre mein Flehen und spüre meinen Schmerz.
Gib mir zurück was mich an dich bindet.

Vorsichtig entnimmt sie einen weiteren Pfropfen der kleinen Schale. Langsam erhebt sie sich vom Feuer und verlässt nackt wie sie ist die warme Höhle. Draussen erfasst der zum Orkan angeschwollene Wind ihren filigranen Körper mit aller Urgewalt. An drei Stellen des Körpers malt sie mit dem vorbereiteten Brei kleine Runenzeichen. An Stirn, oberhalb des Bauchnabels und am Rist der Füsse. So wie sie es einst von ihrer Mutter gelernt hatte. So verharrt sie einen ganzen Zyklus an der Kälte.

Zurück in der Höhle setzt sie sich wieder ans nur noch leicht glühende Feuer um bereits einige Momente später wieder in Trace zu versinken.

Ich bin dir nah und doch so fern
Oh Mutter des Feuers.
Die Kraft des Feuers hat mich verlassen
ich bin allein, deiner nicht Wert.
Mutter erhöre mein Flehen und spüre meinen Schmerz.
Gib mir zurück was mich an dich bindet.

Sie entnimmt dem Feuer ein noch glühendes Holzstück. Ohne einer Regung des Schmerzes malt sie damit ein Runenzeichen auf ihren Bauch. Der Geruch von verbranntem Fleisch macht sich in der Höhle breit. Mit dem Finger reibt sie einen weiteren Teil der Paste in die verbrannte Wunde.

Ich bin dir nah und doch so fern
Oh Mutter des Wassers.
Die Kraft des Wassers hat mich verlassen
ich bin allein, deiner nicht Wert.
Mutter erhöre mein Flehen und spüre meinen Schmerz.
Gib mir zurück was mich an dich bindet.

Mit beiden Händen nimmt sie die Schale mit dem Rest der Paste in die Hand. Aus einer Flasche leert Kitara etwas Wasser hinein und vermischt das Ganze zu einem dünnflüssigen Brei den sie langsam an ihren Mund führt und in vier kleinen Schlückchen, ausgerichet nach den vier Himmelsrichtungen austrinkt.

Völlig erschöpft legt sie sich nach dem Ritual auf den Boden und schläft sofort ein.


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 Betreff des Beitrags: Der Tag danach
BeitragVerfasst: 15.08.02, 10:59 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 9.12.01, 07:48
Beiträge: 188
Der Tag danach

Sie weiss nicht wie lange sie geschlafen hat. Noch immer ist ihr die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Vom Eingang her dringt ein feiner Lichtstrahl in die Höhle. Es scheint Tag zu sein. Es riecht nach verbranntem Holz. Kleider, Taschen, Phiolen, ein Dolch. Alles liegt wirr durcheinander auf dem Boden versteut. Unsicher fährt sich Kitara durchs stähnig, verkrustete Haar. Verunsichert und erstaunt schaut sie sich in der Höhle um. Welch ein Chaos habe ich da verursacht denkt sie. Vorsichtig untersucht sie ihren Körper. Ein zufriedenes Lächeln umspielt ihre Lippen nachdem sie ihren Bauch berührt. Schnell steht sie auf, muss aber feststellen, dass sie doch noch sehr schwach auf den Beinen ist. Genauso schnell hält sie sich an der Wand fest um nicht gleich wieder hinzufallen. "Huii! Pass auf alte Dame. Du bist wohl nicht mehr die Jüngste." Nachdem sie einige Momente ruhig dagestanden ist, merkt sie wie langsam frische Energie ihrem Körper wieder neue Kraft schenkt. Vorsichtig, noch immer an der Wand abstützend begiebt sie sich Richtung Lichtstrahl und damit zum Ausgang der Höhle. Als sie den Umhang vom Eingang entfernt muss sie die Augen zukneiffen, so stark blendet sie die bereits hoch am Himmel stehende Sonne. Es ist frisch und trotzdem spürt sie die Energie welche vom Licht allen Lebens ausgeht. Als sie einige wenige Momente später noch etwas unsicher ihm Freien steht, staunt sie nicht schlecht. Der Sturm der letzten Nacht hat sich verzogen und dem blau des Himmels Platz gemacht. Eine feine, frische, dünne Schneeschicht hüllt den Boden in einen Teppich von glitzernden und funkelnden Kristallen. Alles wirkt wie von Mutter Natur gezeichnet. Mit der Erinnerung der letzten Nacht und vom langen Ritual der Vergebung schaut sie prüfend auf ihren Bauch. Ausser einer kleinen Rötung welche die Form einer Rune aufweist ist nichts zu sehen. Auch ihre Zunge fühlt sich ganz normal an. Kein Anzeichen von einer ernsthaften Verletzung. Kitara schaut mit zugekniffenen Augen zum Himmel. Ihre Gedanken sind an die Mutter gerichtet. Die Mutter hat ihr vergeben. Sie hat gebüsst, sich von jeglicher Schuld befreit. Doch ihr ist bewusst: Silberhaar ist tot, doch ihre Aufgabe fängt hier erst an. Schnell eilte sie in die Höhle zurück um ihre Kleider und die Ledertasche zu holen. Mit dem Dolch schneidet sie sich eine kleine Strähne ihres weissen Haares ab, öffnet eine kleine Mulde in der Mutter Erde und legt das Büschel Haar hinein.

Ich bin dir nah und doch so fern
Oh Mutter.
Deine Kraft hat mich gestärkt
du gabst mit zurück was mich an dich bindet
Silberhaar gebe ich in deinen Schoss zurück
Doch sei dir gewiss.
Ihr Blut ist mein
Silberhaar wird ruhen doch Kitara wird sein.

Mutter ich verspreche dir.
Ich werde fortsetzen was Silberhaar begonnen.
Und irgend wann. Den Zeitpunkt weiss ich nicht,
werden die Schwestern und Brüder den Worten Silberhaars glauben schenken.

Sie geht zurück in die Höhle packt, ihre Sachen zusammen und verschliesst den Eingang wieder sorgfältig mit dem knorrigen Strauch. Dann macht sie sich zurück auf den Heimweg nicht ohne am nächsten Wildbach ein frisches Bad zu nehmen.


Zuletzt geändert von Kitara My: 15.08.02, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.

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