Siebenwindhomepage   Siebenwindforen  
Aktuelle Zeit: 1.05.26, 05:42

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Reminiszenz
BeitragVerfasst: 12.09.05, 15:51 
Ehrenbürger
Ehrenbürger
Benutzeravatar

Registriert: 8.01.04, 15:37
Beiträge: 978
Wieviele Monde ist es nun her, dass ich hier ankam? Gut 6 will ich meinen. Der Astrael hatte eben erst begonnen und es herrschte eine schwülstige Hitze. Das diese Hitze noch getopt werden konnte, sollte ich erst einen Mond später erfahren. Alles war so neu. Die schöne neue Welt, die alle Völker vereinte. Ein utopischer Gedanke. Wie können Nortraven und Galadonier je in friedlicher Ko-Existenz leben? Wie können Elfen und Zwerge gemeinsam an einem Verhandlungstisch platz nehmen? Das abstoßende Verhalten und Aussehen der Orken ließ meine Unsympathie gegenüber diesem Volk noch zusätzlich wachsen. Dies sollte nun meine Heimat werden. Eine Insel voller Träume, die niemals ganz aufgehen werden. Dafür gab es hier zuviele, unterschiedliche Mentalitäten. Als erstes besuchte ich Brandenstein. Gezwungernermaßen, hier kam man schließlich an. Die Stadt hatte schon bei meiner Ankunft etwas vertrautes. Die gewaltigen Mauern erinnerten mich an mein zu Hause. Savaro war auch ein solches Bollwerk und gab einem so ein sicheres Gefühl. Die Geschichten um Brandenstein waren legendär. Die einzige Stadt, die den großen Anstrum der dunklen Diener überstand. Durch diese stolzen Gassen flanierte ich nun und betrachte alles mit dem Enthusiasmus eines Neugebornen, dass gerade erst die neue Welt kennen lernt. An meine erste Begegnung erinnere ich mich nicht mehr. Es war denke ich ein Elf. Er reagierte unfreundlich auf meine Fragen und wies mich auf sehr süffisante Art ab. Ich sollte mich an meines gleichen halten und ihn nicht mit holen Frasen enervieren. Gut, also ließ ich ihn. Mir kam schon viel über die Arroganz des stolzen Elfengeschlechts zu Ohren. Diese Erfahrung prägte mich, da ich seit dem die Elfen für großmäulig, aber tatenlos halte. Man sieht kaum etwas von ihnen und wenn doch meist nichts positives. Das ich später heraus fand, dass es drei unterschiedliche Elfenrassen gab, änderte an meiner Ansicht nicht viel. Der Mysthizismus der Waldelfen zwang mir Respekt ab, auch wenn ich nie einen von diesem Volk sah. Auch die Auenelfen waren mir unbekannt und ich lernte sie nie näher kennen. Mein erstes streben auf der neuen Insel galt der Anmeldung an der hiesigen Akademie. Dies war ein guter Anlaufpunkt um sich zu beweisen. Ich fragte mich durch, traf aber überwiegend Leute die wie ich erst seit kurzem hier verweilten. Sie alle wussten nichts von der Schulungsstätte der Krieger. Erst ein großgewachsener Mann, mit wildblondem Haar konnte mir auskunft geben. Diese Person sollte mein bestreben in Richtung Ritterschaft noch bestärken. Das er von khalandrischem Blut war, sah man diesem hochgewachsenen, maskulinen Edelmann an. Er gewährte mir eine Führung und geleitete mich nach Seeberg. Die Feste kam mir stets klobig vor. Ihre Architektur war auf Nutzen ausgelegt. Die Schönheit der Burg Savaro ging ihr ab. Nirgends gab es Statuen bekannter Helden oder Götter. Nur ein Bellumsschrein war ein Licht am dunklen Horizont. Auf dem Weg hier her sprach ich lange mit dem Khalandrier über meine Ambitionen und meine Träume. Er hingegen hielt sich bedeckt und machte nur Andeutungen, die mich annehmen ließen er nahm schon an mancher Schlacht teil. Auf dem Exerzierplatz waren schon diverse Rekruten und Anwärter angetreten und standen stramm in Reih und Glied. Als der blonde Khalandrier vor die versammelte Mannschaft trat, wurde mir bewusst, dass er nicht einfach nur ein einfacher Krieger mit großer Erfahrung war. Er war ein Kommandant, der Autorität ausstrahlte und diese kanalisieren konnte, was ihn in einem heroischen Licht erstrahlen ließ. Als er sich dann vorstellte verkrampfte ich mich. Sir Agranor Ehlestan. Ich hatte so unverblümt und leichthin mit einem Ritter gesprochen. Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich wesentlich zurückhaltender gewesen. Im nachhinein betrachtet nehme ich an das war ihm bewusst. Genau deswegen hielt er sich so bedeckt. Er war interessiert an meinen Ansichten. Ich beobachtete still den Unterricht, der nur aus Grundlagen bestand. Aktiv nahm ich noch nicht teil. Fast einen ganzen Zyklus lang diskutierte der Ritter mit den Rekruten über das für und wider bestimmert Durchsuchungsarten und die damit verbundenen Gefahren, die man sich stets vor Augen halten sollte. Nachdem der Unterricht beendet war, entließ er die versammelte Mannschaft und schenkte mir wieder seine Aufmerksamkeit. Im Kommandantenraum zu Seeberg setzten wir uns an den Schreibtisch und unterhielten uns sehr lange. Nun erfuhr ich auch mehr über den Menschen hinter dieser autoritären Fasade. Die tragische Geschichte einer Liebe die an Angamon scheiterte. Das Leben eines Kriegsherren der nur im Kampf sein Heil fand. Und die Ansichten eines Mannes der Lebensmüde war und der sich sehnte nach dem letzten Kampf, der ihm den Eintritt in Morsans Hallen gewährte. Bis zu diesem Tag dachte ich die meisten Ritter wären galadonischer Herkunft. Sir Ehlestan war aber halber Khalandrier, was eine Ausnahme war. Ich erinnerte mich an den Knappen meines Bruders; Ein sehr engagierter Endophali. An diesem Abend erlaubte er mir auch sein Haus zu nutzen, unter der Bedingung, dass ich es pflegen soll, solange er sich ins Ödland zurück zog, um über seine weitere Existenz nachzudenken. Das Vertrauen welches er mir entgegen brachte ehrte mich und ich nahm dieses Privileg und die damit verbundenen Vorteile nur allzu gerne an. Damals wusste ich nicht, dass ich ihn nie wieder sehen würde, sonst hätte ich mich herzlicher von ihm verabschiedet. Wenige Wochen später erfuhr ich, dass er während eines Duells zu Tode kam.

Fortsetzung folgt

_________________
"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


Avatar in voller Größe


Zuletzt geändert von Shaila: 12.09.05, 15:51, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.09.05, 03:33 
Ehrenbürger
Ehrenbürger
Benutzeravatar

Registriert: 8.01.04, 15:37
Beiträge: 978
Mir ging es gut. Ich hatte ein Dach über dem Kopf und noch genug Gold um eine Weile ohne Arbeit zu überleben. Mein ganzes Leben lang war ich genügsam gewesen. Mir reichte einfaches Brot und Wasser, Wein war verschwendung, außerdem hatte ich diese unselige Angewohnheit schnell betrunken zu werden. Mein erster Tag an der Akademie stand an. Nach dem ersten Raport den ich gesehen hatte, überschwemmte mich ein Gefühl der Euphorie. Seit ich von zu Hause weggegangen war, hatte ich mein Training vernachlässigt. Die Akademie bot mir die Gelegenheit neues Wissen zu sammeln und altes zu erneuern. Als ich auf den Exserzierplatz kam, stand dort schon eine stolze Reihe aus Rekruten und Anwärterin. Der Lehrmeister war noch nicht da. Jemand wies mich zum Ende der Reihe. Am Abend zuvor hatte ich meine Kettenrüstung auf Hochglanz poliert. Jemand hatte mir gesagt, dass nur Eisenkette für die Schüler erlaubt war. Dank meiner Aufregung zappelte ich ziemlich herum. Dadurch fing ich mir böse Blicke der Veteranen ein. Die Tür der Kommandatur schwang auf und ein Mann mittleren Alters trat heraus. Als erstes fiel wohl sein gepflegter Bart auf. Ich vermutete, dass er ihn jeden Tag zwei Stunden vor einem Spiegel pflegte und ihn dann eine weitere Stunde begeistert betrachtete. Statt einem Gruß wurden wir umgehend dazu verdonnert Liegestützen zu machen. Ich war daran schuld, weil ich nicht still stehen konnte, aus Nervosität. So verbrachten wir die Unterrichtsstunde hauptsächlich am Boden und gingen körperlicher Betätigung nach. Der Ausbilder gab uns dabei schlimme Namen und führte uns vor Augen wie wertlos wir doch sind. Die Akademie in Savaro war da anderst gewesen. Dort hatte man eine Schelte bekommen wenn man sich falsch benahm und es wurde normal Unterricht gehalten, es war erlaubt Fragen zu stellen und man musste nicht die ganze Zeit Erde schlucken. Dieses Ausbildungskonzept gefiel mir besser, außerdem verletzten die Beleidigungen meinen Stolz. So also fühlte es sich an Soldat zu sein. Wie froh war ich nicht diesen Weg zu gehen, sondern den der Ritterschaft. Als Ranis das Ende des Unterrichts verkündete, waren sämtliche Schüler mit Dreck beschmutzt und vollgeschwitzt. Am nahen Lagerfeuer setzte ich mich und sofort wurde ich ausgefragt und man stellte sich mir vor. Hier lernte ich Caeden, Galethien, Heeron, Amaris, Famir und Horan kennen. Sie waren alle sehr nett zu mir, obwohl ich Schuld daran war, dass sie nun aussahen, als wären sie eben durch ein Moor marschiert. Damals war ich noch ein halbes Kind und hatte mich erst einmal ernsthaft meines Lebens erwehren müssen. Ich war mehr die kleine Schwester auf die man aufpasste, nicht der Kampfgefährte, der seinen Kameraden Rückendeckung geben konnte.

Am zweiten Tag hatte ich schon erste Eindrücke von den anderen bekommen können. Galethien war eine gute Kriegerin, neigte jedoch zu Zynismus. Sie hatte einst abgelehnt, als sie gefragt wurde, ob sie Knappen werden möchte. Diese Entscheidung konnte ich nicht verstehen. Ich fand es war die höchste Ehre die ein Krieger erhalten konnte. Caeden war da anderst. Ein geläuterter Söldner, der nun ganz neue Ambitionen hatte. Genau wie ich überlegte er ob er nicht in den Dienst der Ritterschaft treten sollte. So ging es vielen der Schüler. Heeron, Famir und Horan waren da keine Ausnahme. Es war schön so viele ambitionierte Krieger zu sehen, die dem König auf lebzeiten dienen wollten. Der Unterricht an diesem Tag war sehr aufschlussreich. Rolosin Vadebor gestaltete die Unterweisung anderst als Ranis. Bellum sei Dank. Er stellte fragen und ließ uns antworten. Wer sich jedoch falsch betrug, durfte genauso Staub schlucken wie es bei Ranis der Fall war. Schon damals verband mich etwas mit Rolosin. Wir sprachen viel nach dem Unterricht, redeten über unsere Herkunft und unseren Wertegang. Ich war erfreut einen anderen Savaronier hier zu sehen. Wir stellten sogar fest, dass wir die selben Leute in Burg Savaro kannten und uns nur durch Zufall nie über den Weg gelaufen waren. Dieses kleine Stück Heimat verband mich mit ihm. Es verbannte das Heimweh, welches ich nach den ersten Tagen auf der Insel bekommen hatte.

So zog die Zeit ins Land. Ich lernte viel an der Akademie. Schwertkunde, Drill und Formation, Manöverdienst und wie die Fächer sonst noch hießen. Von einer unbedeutenden Kriegerin hatte ich mich zur Anwärterin gemausert. Wie stolz war ich damals auf meine neue Schärpe gewesen. Dieses schlichte Ding mit dem Wappen der Akademie. An jenem Tag, am Anfang des Astrael hatten wir Manöverdienst. Üblich war es, dass die Ranghöchsten das Kommando übernahmen, Lehrmeister Midas erwischte mich aber kalt als er mir die Befehlsgewalt übertrug. Wir sollten eine Brücke verteidigen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Ich war grenzenlos überfordert. Von Taktik und vom Fallenstellen hatte ich keine Ahnung. Mein Wissen reichte gerade dazu aus jemanden zum patroullieren über die Brücke zu verdonnern. Dann setzte auch noch ein starker Regenschauer ein, mir war kalt und ich wollte nur noch heim. Die Idee gräben auszuheben war wahnwitzig gewesen. Einer der Rekruten hatte kopfschüttelnd mit seinem Schild ein kleines Loch gegraben, dass nicht mal als Stolperfalle genutzt werden konnte. Das Resultat all dessen war, dass ich in Tränen ausbrach und aufgab. Midas brach die Übung ab und Rolosin fiel es zu mich zu trösten. An dieser Niederlage hatte ich noch Monate lang zu knabbern. Ich zog Lehren darauß die ich niemals vergessen werde. So gesehen konnte man diese Niederlage als späten Sieg bezeichnen.

_________________
"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


Avatar in voller Größe


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de