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 Betreff des Beitrags: Frostbrand
BeitragVerfasst: 6.11.02, 13:48 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

Registriert: 18.02.02, 21:51
Beiträge: 183
„Frostbrand“


Ein weiteres Jahr auf Siebenwind neigte sich seinem Ende zu. Der Morsan stand ins Haus und bis zum Dunkeltief ward es nicht mehr weit. Seid einigen Tagen wurde der kalte herbstliche Regen immer seltener und letztlich flogen nicht nur in den hohen Gefilden der Berghänge, sondern auch im Brockental, die Schneeflocken dicht und ungestüm zu Boden. Rasch bedeckte der Schnee die Strassen und Dächer und tauchten alles rundherum in einen seidig weißen Glanz. Die Bäume hatten lange schon Ihre Blätter verloren und standen knöchrig und schneebedeckt weit vor den Toren des Tales, die abgeholzten Flächen lagen einer Mondlandschaft gleich vor den schweren Mauern da, ab und an sah man einen zu hoch abgeschlagenen Baumstumpf durch die Schneedecke ragen.


Und wieder einmal stapfte er durch die Kälte des Winteranbruchs, durch die im Dunkel liegenden, weitestgehend von Schnee befreiten Gassen des wunderschönen Tales, das friedlich unter dem frisch gefallenen Schnee dazuliegen schien.

Die Zettel am Brette würden wieder schwerer zu lesen sein. dachte sich der rotbärtige Dwarschim, dessen Knollennase röter leuchtete als sonst und dessen Wangen deutlich gerötet waren. Insgesamt bot er gewiss den Anblick eines roten runden Gemüses, eng umschlungen von Robe, Weste und Umhang als er auf das Nachrichtenbrett im Brockental zustapfte.

Brummend las er die Zettel, die am Brette hingen und wischte sich immer wieder die Schneeflocken vom Haar und aus dem Bart, die seitlich heran flogen und ihn bedrängten wie eine verrückt gewordene Schar Harpien. Vor zwei Tagen war es ja noch amüsant gewesen, dachte sich der Rotbätige. Doch seid dem war die Kälte immer schlimmer geworden und er fluchte immer öfters über seine Dummheit, keinen Ofen in seiner Wohnung gebaut zu haben, der ihm nun gewiss durch ein prasselndes Feuer hätte Wärme spenden können.

Wie dem auch sei! brummte er in seinen Bart hinein, der schon wieder eine riesige und kaum enden wollende Schar an Schneeflocken in sich trug, die sich in seinen engen Locken des flauschigen Bartgebildes sammelten und ihn schwer werden ließen vor Nässe.

Wie ich es hasse, wenn sie schmelzen und ihn so *er schüttelte sich angeekelt* nass machen.

Er strich sich erneut einige Male durch den Bart, scheinbar immerfort im Kampfe gegen diese kleinen Angreifer, die seinen Bart immerfort bedrängten. Als seine Hand zum gewiss hundertsten Male den Bart hinabstreiften, während er in der Kälte da stand und die Zettel musterte, stellte er entsetzt fest, dass an einigen pikanten Stellen seines mächtigen Bartes bereits der Frost angesetzt hatte.

Schlimmer noch! Grosse Klumpen aus glitzerndem Eis hatten sich tief unten gen der Bartspitze gebildet und schillerten nun im Restlicht. Er zog seinen Bart hoch und faltete ihn schützend so gut es ging und betrachtete die Eisklumpen. Bellum hilf! kam es aus seinem gefrorenen Barte hervor. Vor den Klumpen in der Spitze hatten sich gar rechte Eisplatten gebildet, gut eine Elle den Bart hinab. Nein nein nein! dachte er bei sich. Das konnte einfach nicht wahr sein. Nicht dass es sich hierbei um kostbares, wenn auch gefrorenes Met oder wenigstens Bier handelte - nein - schlimmer konnte es nicht mehr kommen: Wasser hatte sich in seinem Barte gesammelt und ward gefroren!

Man musste kein belesener Dwarschim sein, der sich mit „Magister der Bartanatomie“ oder sonstigen Titeln schmückte um die tiefe Pein nachvollziehen zu können die in diesem Momente in den kleinen dunklen Augen des Rotbärtigen lag. Keine Waffe der Welt, keine arkadongeweihte Klinge konnte ihm in diesem Moment der furchtbaren Pein hilfreich zur Seite stehen. Selbst sein, in der ihn ergreifenden Furcht gesprochenes Gebet konnte nichts mehr an seinem Schicksal ändern: Sein Bart ward angefroren!



Oh Arkadon! Herr der Flammen und der Glut,

Edler Vater der Feuer in den Herzen Deines Volkes.

Lasse meinen Bart nicht dahinsiechen in den Griffen der Kälte,

Befreie mein Herz von der Pein, die es ergriffen.

Schenke mir die Weisheit, was zu tun und recht und ehrbar zu handeln.




Er hielt ihn schützend in Händen, sein Heiligstes. Das Zeichen seiner langen Reise auf der Suche nach Recht und Ehrbarkeit, seines stetigen Weges, der ihn letztlich zu den Ahnen führen sollte.
Sie werden mich an meinem Barte messen! Dachte er - und bange ward sein Herz.

Er entriss sich der Trance, die ihn gefangen hielt. Schnell trugen ihn seine Schritte den Weg hinunter, immer in Richtung Osten und dann nach Süden und wieder nach Osten. Er durchschritt die Wohnmine, wie er es schon hundert Male tat.

Nach schier unendlich erscheinender Zeit fanden seine Schritte ein jähes Ende, als er in seiner Wohnung angelangt ward und vor einer der glühenden Kohlepfannen auf den Boden sackte. Er reckte achtsam unter leisem Gebetsgemurmel seinen gefrorenen Bart auf Höhe der wunderbar glühenden Kohlen und langsam begann sich eine große Pfütze unter ihm zu bilden. Er hockte gewiss Stunden dort und wärmte sich uns seinem Bart langsam auf.

Lange Zeit muss sein Murmeln und nachdenkliches Brummen aus den Wohnminen zu hören gewesen sein. Erst als sein nachdenkliches Brummen durch das Grummeln seines Magens übertönt wurde erhob er sich an den Tisch und nahm eine Mahlzeit ein und tränkte beflissen seinen armen, gedemütigten Bart in einer doppelten Portion Met. Das hat er sich redlich verdient. dachte er von düsteren Gedanken geplagt.

Als er so dasaß und seinen Bart mit Met pfelgte kam ihm wohl der Einfall. Man mag geteilter Meinung sein, wie so oft wenn ein Einfall sich in den Kopf des Denkenden brennt, aber er ward sich sicher Arkadon habe eine Zeile seines Gebetes erhört: Schenke mir die Weisheit, was zu tun und recht und ehrbar zu handeln.

Er erhob sich schnell und begann zu kramen. Das würde es sein. Nimmermehr sollte auch nur ein Zoll seines prachtvollen Bartes dem Vereisen hingegeben werden! Nimmermehr. Andere zugegebenermaßen unangenehme Gedanken machten seine Hände flink - Frostbrand. - und ließen sie geschickt einige Töpfe anheben, andere Eisenteile herumwerfen - kurzum regelrechtes Chaos in seiner Wohnung anrichten. Frostbrand. Hallte es immer wieder ihn antreibend durch seinen Geist.


Das Ergebnis seiner Arbeit sollte erst später und mit Hilfe einiger fähiger Dwarschim-Handwerker errichtet werden, aber es ist mit aller Gewissheit zu sagen, dass dies wohl die Geburtsstunde des Bartwärmers ward…


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