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Als er an diesem Morgen seine Schritte zum Turm lenkt und schließlich um die Ecke biegt, bleibt er wie angewurzelt stehen. Eine Zeit lang dauert es, bis sein Gehirn das Bild vor ihm verarbeitet hat.
Direkt vor seinen Füssen liegen die verkohlten Überreste einer Gestalt. Die Haut hat sich in großen Fetzen von den Muskeln gelöst und flattert ein wenig im Wind. Lippenlos grinst die Leiche ihn an. Zu einer bizarren Maske ist das ganze Gesicht geworden. Irgendjemand hat auf eines der Augen einen Edelstein gelegt, der ihn matt und grün anfunkelt. Schliesslich fällt sein Blick auf eine andere Person, die dort ebenfalls liegt.
Er steigt über den verkohlten Leichnam hinweg und geht darauf zu. Es ist Brin. Ein leichtes Gefühl der Trauer steigt in ihm auf. Er hatte zwar nie sonderlich viel mit Brin zu tun gehabt, er war kein Freund von vielen Worten gewesen, aber er wusste genau, dass dieser ein Auge auf die nette Akoluthin geworfen hatte… wie war doch gleich ihr Name? Er hatte ihn gemocht.
Stumm sieht er auf die Leiche hinab. „Armer Kerl, das hast du nicht verdient.“ Eine klaffende Wunde ist an Brins Hals zu sehen. Er wendet sich ab und macht sich auf den Weg zum Morsantempel.
Wenig später steht er wieder vor den beiden Leichen. Niemand war da gewesen, den er hätte bitten können ein Gebet für die beiden zu sprechen. Die Krypta und der Tempel waren leer. Er geht zu Brin und sieht auf dessen leblosen Körper hinab.
Eigentlich war er es gewohnt, dass Menschen starben. Sie taten dauernd irgendetwas, das dazu führen konnte, dass sie ihr Leben frühzeitig beendeten. Sie lebten doch sowieso nur ein paar Jahre. Er hatte schon so viele von ihnen sterben sehen. Es gab jedoch ein paar Menschen, die für ihn anders waren….
Er bückt sich zu Brin hinab und verbindet sorgsam dessen Halswunde. Nachdem er damit fertig ist, nimmt er einen seiner Arme und zieht ihn sich auf die Schultern. Mühsam gelingt es ihm, die Tür zum Turm zu öffnen und Brin hinein zu tragen. Niemand ist da, alle schlafen noch.
Vorsichtig legt er Brin auf den Boden. Er breitet ruhig Brins Umhang aus und legt diesen dann darauf. Eine Zeitlang sieht er noch auf ihn herab und wendet sich dann ab.
Irgendetwas zieht in seinem Bauch, als er hinausgeht.
Im Versuch das leblose Gesicht Brins zu vergessen, geht er auf die zweite Leiche zu. Er bückt sich daneben und greift nach deren Hand. Wie verkohltes Papier knistert es, als er zupackt. Er zerdrückt das Handgelenk bis auf die Knochen. Vorsichtig lässt er den Arm wieder los, er würde unmöglich den Körper hineintragen können.
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