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Mit einem Faden an den Ketten befestigt, hängt ein Kleid am Pranger auf dem Markt in Brandenstein... Ein Kleid das von der Größe her einem kleinen Mädchen zu gehören scheint. Mit blutroter Farbe steht auf diesem ein Gedicht geschrieben:
In dunkler Nacht ward ich erwacht, hört' deine Schreie, hört' dein Leid. Bilder schneiden meinen Geist, seh wie du dich davon befreist... Schmeck' bitt're Süße auf der Zunge, spür' das Stechen meiner Lunge, ausgezehrt vom lauten Ruf, dich hat geholt, was dich einst schuf. Verfluchtes Kraut, was dich einst raffte, was das Ende für dich schaffte, ist alles was als Trost mir bleibt, wo wir auf ewig sind entzweit. Warum hast du das Gift genommen? Warum sollt' es dein Ende sein? Warum war ich zu spät gekommen? Warum ließt du mich hier allein? Ein Brennen fährt in mir hinab, die Kraft des Lebens mir entweicht, meine Glieder werden schlapp, und doch zum sterben es nicht reicht. Ich seh' Vergang'nen welke Blüten, spür' alte Freude nur als Schmerz, niemehr wird Liebe in mir wüten, nichts erfüllt nun mehr mein Herz... Titel, Länder, gäb' ich her, dich nur einmal noch zu küssen, mein Herz, es ist so endlos schwer, werd ohne Lieb' nun leben müssen... Mein Fleisch nach deiner Nähe schreit, doch dieser Wunsch bleibt unerfüllt, von jetzt bis in die Ewigkeit, auch wenn es noch so danach brüllt. Ich sehe deine junge Haut, ich höre deine kindlich' Stimm', ich hasse jen' verfluchte Kraut! Ich hasse es, es ist so schlimm... Ich weiß noch wie ich dich einst sah', es ist nochgarnicht lange her, du Kind von jenem Bauernpaar, dein' Hand zu haben war nicht schwer... Ich gab dein' Eltern nur vom Gold, als Dank sie gaben dich zu mir, es war das was ich immer wollt', erlaubten unsere Liebe dir... Ich war doch immer gut zu dir? So selten hob ich meine Hand, warum bist du nun fort von mir? Du hast doch auch die Lieb' gekannt... Wie soll es denn nun weiter gehen? Wie soll ich Freuen ohne dich? Ich kann nurnoch das Dunkel sehen, dachtest du denn nie an mich? Wo ist das Kraut, ich braucht noch mehr, sonst kann ich keine Ruhe finden, es macht schon meinen Leib so schwer, spür' mein' Verstand dem Geist entschwinden...
Zuletzt geändert von Lynx: 20.12.04, 03:27, insgesamt 1-mal geändert.
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