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Hellgrüne, frische Ranken krochen aus dem Boden, legten sich sanft, wie eine Umarmung, um sie, trieben augenblicklich zart duftende Blüten, während sie lächelnd empor sah zu der Elfe, an deren Stab die gleichen Blumen schillernd blühten...
Ein alter Mann, kichernd, drehte sich herum und so seinen Rücken zu ihr. "Dann zeig mal was du kannst." Sie griff zu seinen Taschen, vorsichtig öffnete sie sie, zog etwas Brot heraus. "Fertig!" Ein anerkennendes Nicken des Alten...
Eine Steinbrücke, halb fertig gebaut, die sich über einen heissen, brodelnden Lavafluss spannte. Unsicher sah sie hinab, fühlte die Hitze von unten her zu ihr aufsteigen, als eine kleine, grüne Klaue sich vor ihren Augen schob. Sie griff zu und kletterte so einem jungen Orken hinterher...
Kleine Rauchwolken stiegen auf in den klaren, wolkenlosen Himmel. Ein alter Mann, mit einem Schwein an seiner Seite, zog an seiner Pfeife, ehe ihr zu brummte: "Habe ich dir schon mal von den endophalischen Riesenwieseln erzählt?"
~*~
Aus vollem Halse gähnte das braunhaarige, wohl etwa achtjährige Mädchen auf und blinzelte müde in die Runde - die anderen um sie herum waren grösstenteils in ihrem Alter, einige wenige älter und der älteste unter ihnen war Danio mit seinen 14 Jahren und genau jener schaute sie ausgesprochen besorgt an.
"Willst du wirklich mitkommen, Marinia? Du siehst hundemüde aus."
"Ach, das geht schon. Hab nur wieder geträumt," murmelte das Mädchen und rieb sich den Rest des Schlafes aus ihren Augen.
Es war nichts Neues, dass sie wieder so intensiv geträumt hatte. Das, was sie jedoch dabei stets wurmte, war die Tatsache, dass diese Träume zwar einerseits so real wirkten, als wäre das alles schon mal passiert, andererseits konnte sie die Personen, die sie manchmal sogar ausgesprochen klar sah, einfach nicht zuordnen.
Woher kamen sie und welche Bedeutung mochten sie für sie haben?
Wussten sie mehr über ihre Vergangenheit, woher sie kam, wer sie wirklich war und wie sie wirklich heissen mochte?
"Also - hat jeder von euch verstanden, was er zu tun hat?" fragte Danio noch einmal in die Runde, sie wiederum nickte nur eilig.
Seit sich Danio ihrer angenommen hatte, war sie in seiner kleinen Bande, trieb sich mit ihnen durch die Gassen Venturias und schlief ebenso wie sie in einem alten, halb zerfallenen und sonst leerstehenden Haus im Armenviertel.
Heute war wieder eine Nacht, in der sie in ein Haus einbrechen wollten. Das Haus eines recht reichen Händlers, der wohl mit Waren aus fremden Ländern Handel trieb.
Marinia selber war das eher egal - es zählte bloss, dass sie genug fand, um so immer wieder dafür zu sorgen, dass sie genug zu Essen hatte. Leider war das nicht immer der Fall und manchmal gab es Tage, an dem sie für kaum einen Bissen hatte sorgen können.
Normalerweise schlug sie sich auch lieber mit Taschendiebstahl durch, so wie die restlichen Kinder dieser Bande, doch das war weitaus riskanter und zwei von ihnen hatte es erst kürzlich erwischt und sie waren einem Waisenhaus übergeben worden.
Dort wäre sie auch beinahe gelandet nach dem letzten Morsan - keiner hatte Platz für sie gehabt in dem kleinen Dorf, an dessen Strand sie angespült wurde im letzten Jahr.
"Kommst du oder willst du dich lieber noch etwas ausschlafen?"
Sie blinzelte und schaute auf zu Danio, der ihr zulächelte.
"Ich komme schon!" rief sie und eilte ihm und den anderen flink nach.
Draussen umfing sie der sanfte, kühle Wind und kurz schloss sie die Augen. Sie liebte schon immer den Wind, wenn er durch ihre Haare und über ihre Haut strich, wenn sie die Vögel beobachtete, die sich von ihm treiben lassen.
Wie geht es dir? Ich vermisse dich...
Rasch schlug sie die Augen auf und sah hinauf zu den Sternen. Irrte sie sich oder hatte da eben jemand zu ihr gesprochen?
Eilig sah sie sich um, während sie zusah, dass sie nicht den Anschluss an ihren Freunden verlor.
Sanft hatte die Stimme geklungen und war eindeutig der einer Frau gewesen.
Nein, es war wohl nur Einbildung...
Es dauerte eine Weile, ehe sie das Armen- und das darauf anschliessende, einfache Handwerkerviertel passiert und sich allmählich den reicheren Vierteln näherten.
In einer Allee stand es dann - ein Fachwerkhaus mit kleinem Garten und passenderweise einigen Ranken an der Häuserwand.
Mit einigen Handzeichen deutete Danio einige von ihnen Schmiere zu stehen, dann deutete er auf einen der Jungen, Marinia und sich selber, hinüber zu den Ranken und hinauf zu einem der Fenster.
Sie nickte und folgte beiden, indem sie über die Ranken und deren Holzgerüst, was die Pflanzen an der Wand hielt, hinaufkletterte.
Rasch war sie oben und gemeinsam mit Danio öffnete sie das Fenster leise, dann stiegen sie ein.
Das Zimmer war wiederum in Dunkelheit getaucht und die drei Kinder lauschten erstmal aufmerksam, während Danio eine sehr kleine Kerze entzündete.
Ein wuchtiger Schreibtisch, dahinter einige Bücherregale voll mit Büchern, dazu einige Schränke und allerlei Tand wie Buddelschiffe, eingerahmte Karten und ausgestopfte Fische sah man in diesem Raum.
Wieder kurze Handzeichen mit denen Danio zu verstehen gab, dass sie sich in diesem Raum umsehen sollte und er mit dem anderen das Haus weiter durchsuchen würde. Ein kurzes Nicken ihrerseits, dann schlich sie sich heran an den Schreibtisch, während die beiden sich leise durch eine Tür schlichen.
Leise zog Marinia eine Schublade nach der anderen auf. Ein wenig Geld fand sie, sonst meist nur Papiere und Schreibutensilien. Dann wandte sie sich den Regalen zu, zog einige Bücher raus und schaute sie sich nur flüchtig an. Gewiss, lesen konnte sie ein wenig, ebenso wie Schreiben, aber sonst interessierten sie die Bücher nicht weiter.
Rasch schlich sie weiter in dem Raum umher, besah sich die Buddelschiffe und nahm sich sogar eines davon mit, ehe sie stockte.
Vor ihr, an der Wand, hing ein Bild - eine Hafenszene mit vielen Schiffen, ein paar kleinen Häusern, einigen Menschen, Elfen und gar Zwergen... und darunter stand in Schmuckschrift geschrieben: "Brandenstein - Siebenwind"
Fassungslos sah sie das Bild an, kurz wirbelten in ihr Bilder durcheinander - mal sah sie sich angelnd an einem Stegrand hocken, mal sah sie Gesichter aus ihren Träumen... und dann wieder diesen Mann mit den braune Haaren, wie er ihr mit wehmütiger Miene zuwinkte... während sie auf einem Schiff stand, was sich langsam vom Hafen entfernte.
Tiefer und aufgeregter atmete sie ein, liess den Beutel mit dem Geld zu Boden fallen, stellte noch flugs das Buddelschiff ab und kletterte dann die Kommode rauf und griff, zerrte fast schon, an dem eingerahmten Bild, bis sie es endlich lösen konnte, doch da hörte sie schon den Lärm von unten im Haus, dazu Gekläffe, das laute Rufen ihres Namens...
Eilig wandte sie sich mit dem Bild um und flitzte zu dem offenen Fenster, kletterte dort rasch hinab, während aus einem der unteren Fenster die beiden anderen flüchteten.
Eilig zerstreute sich die Kinderbande in den Gassen, um die Spuren zu ihrem Treffpunkt zu verwischen.
Doch ihr war es fast egal, ob ihr jemand folgen würde - sie hatte nun etwas gefunden, was vielleicht ihr Schlüssel zu ihrer Vergangenheit war, die ihr bisher so verschlossen erschien.
Im Hafen hatte sie sich nun erstmal verkrochen, sah im Lichte der beiden hell scheinenden Monde hinab auf das Bild, was sie in ihren Händen hielt, während sie auf der Kaimauer hockte.
Wieder zog der Wind ein wenig stärker auf, strich sanft an ihr entlang, wie eine liebevolle Berührung.
Komm doch nach Hause, liebes Kind...
Und wieder diese Stimme.
Eilig sah sie sich erneut um, doch sie war alleine im Hafen.
War diese Stimme wirklich nur Einbildung? Sie klang so vertraut.
Wieder sah sie hinab auf das Bild.
Nach Hause... war das ihr Zuhause?
Siebenwind....
_________________ Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed. James Bond: And the second? Q: Always have an escape plan.
Zuletzt geändert von Kikia: 17.08.05, 03:18, insgesamt 1-mal geändert.
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