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Die dritte Hellzykle des siebten Tages auf See. Es ist Morsan und stockfinster, meine Kräfte schwinden. Mir ist kalt. Weit sind wir nicht gekommen, die Winde des Ventus tragen uns zwar weit und schnell, aber die Mannschaft ist wie ein Brett zwischen meinen Beinen. Meine Zunge fühlt sich an wie ein Stein der in einen tiefen Brunnen gefallen ist. Mein Aussehen muss grausam verunstaltet sein. Die Männer nehmen Abstand von mir.
"He ihr da, was soll das? Lasst die Segel oben!", rief der weißhaarige Flammenweber dann erbost, "Fürchtet ihr euch? Ängstigt euch die Dunkelheit? Bah, bei dem Astreyon, besinnt euch!"
Dann merkte er nur wie er von etwas gestreift wurde, etwas altem, fremden, ein Kälteschauer ließ seinen Körper erbeben. Was war das? Und wieder durchstreifte ihn etwas, dann hörte er schartige Klingen aus den Scheiden gleiten. Der Kampf begann. Wohl schien der Flammenweber einfach wankend auf dem Schiff stehen zu bleiben, dann wendet er sich langsam ab und geht unter Deck. Welch ein grausames Spiel des Schicksals. Als er in seiner kleinen Kajüte angekommen war, schlug er ein altes zerfleddertes Notizbuch auf, welches seine ehemaligen Arbeitskollegen aus der Lehensverwaltung unschwer wieder erkennen würden. Er beginnt die Seite vorzulesen, eine bestimmte Stelle wird deutlich über das ganze Schiff zu vernehmen sein und durch die Winde des Ventus weiter getragen werden.
"Tag für Tag bringt der Eine mit seinen Schergen Dunkelheit über die Völker. Mein Herr bringt das Licht in die Dunkelheit. Nur wenn das Licht da ist, dann wird es Leben geben. Das Licht des Ignis bedeutet. Kein Leben ohne Ignis. Denn sein Licht wird kommen und aufgehen in der Dunkelheit von Tare. Die Heidenvölker werden zu diesem Licht ziehen und die Wahrheit schauen. Könige werden sich um dieses Licht versammeln. Die dunkle Schicht des Odems des Einen wird wie eine gärende Wunde aus dem Körper hinaus gebrannt werden. Die Herzen werden erbeben unter der Schönheit der Elemente. Sie standen dort vor mir und sagten: "Dein Herr hat kein Element. Unser Gottkönig ist Herr über das Feuer und die Flamme". Ich antworte: "Ich trauere um euch, denn ihr dient einer Lüge und die Flamme des Herren wird euch in seinem Schein erleuchten". Lasst uns beten."
Aus der dritten Perspektive mag man dann nach sieben weiteren Tagen sehen wie die verbrannten Überreste eines Schiffes an die Küste von Siebenwind gespült werden. Sollte ein Fischer sein Netz auswerfen, wird er vielleicht eine Planke oder einen Stiefel der alten Besatzung wieder finden. Des Weiteren wird man vermutlich in Vandria, der Heimat des Schiffes, laute Klagerufe der Angehörigen der Besatzung hören. Sie werden wissen, wann ihre Männer gefallen und durch Xan's Wogen beerdigt sind. Welch Wahnsinn nur trieb sie hinaus? In die Zeit der Finsternis, in die Zeit des Verderbens?
Nur wenige werden in sieben Tagen ein kleines Ruderboot mit wenigen Überlebenden aus den dichten Nebeln des hellen Morgens hinaus treten sehen. Namentlich Fe, Robin, Karn. Sie sind auf ihrer ersten Reise gescheitert. Mein Schiff, die Discordia, ist gesunken, die gleichen Gestade fühle ich unter meinen Fingern. Welch Zaudern, welch Narretei ficht mich an? Getrieben von seinem Fanatimus, seiner Aufopferung wankt der Flammenweber dann wieder die Küste hinauf, schleppt sich mühsam hinauf und lässt die Tiere grasen.
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