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Die Ereignisse der letzten Tage waren nicht spurlos an Famir vorbeigegangen. Die Einsätze waren noch das Angenehmste in dieser Zeit. Nach vier Tagen ohne Schlaf fühlte sich jeder Regentropfen an, wie ein Schlag von einem Orken und jeder Befehl brannte in seinem Ohr, wie ein Schmiedehammer, der auf den Amboß geschlagen wurde. Aber all diese Blessuren nahm er nur zu gern auf sich, um einer viel schlimmeren Strafe zu entgehen.
Nun, da der neue Befehl von Sire Kantrin in Kraft trat und die Feste Seeberg geschlossen war, da hatte er kaum eine Wahl, als sich in seine Koje zu legen. So tat Famir es auch, doch er kämpfte mit aller Kraft gegen den Schlaf an, der sich seiner wie eine unaufhaltsame Welle bemächtigen wollte. Immer wieder sanken seine Augen zu und in diesen Augenblicken zuckte er zwanghaft mit seinem ganzen Körper auf. Es war ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte, das wollte Famir aber nicht wahrnehmen. So beschäftigte er sich mit den Worten von Heeron und Galethien. Er selbst hatte gelernt, was es hiess Freunde zu haben. Er selbst hatte das erste Mal in seinem Leben wirkliche Gefühle erlebt, das erste Mal geschmeckt, wie eine Hirschkeule frisch geröstet schmeckt. Er selbst hatte das erste Mal in seinem Leben den Rausch des Bieres empfunden, den Vitama so hochpreist. All die Tugenden und Gaben, die ihm seine Lebzeiten verwährt blieben.
Doch war das "Wirklich" oder nur ein Versuch der Täuschung ihm Gegenüber. Hatte er seinen - Freunden vielleicht zu viel verraten, alsdass sie ihn verraten würden? Zweifel, ob der allumfassenden Gnade, die sich auf ihn zu legen schien, kam in ihm auf. Aber bevor er seine Zweifel wirklich durchdacht hatte ummantelte ihn die Dunkelheit des Schlafes.
Ruhe konnte man das nicht nennen, denn wie in Trance redete Famir fast die ganze Nacht sehr leise Unverständliches vor sich her. Unnatürlich viel Schweiß stieß sein Körper aus. Er krümte sich im Schlaf, wie vor Schmerzen. Welches Leid und welche Pein ihn in seinen Träumen gefangen hielten, das konnte nur er selbst wissen. So lag er bis kurz vor dem Apell in seiner Koje, verkrampft und vollkommen durchgeschwitzt und sich fast wie vor Schmerz wendend.
Dann erwachte er, ein rastloser Schrei durch die Baracke, aus einer trockenen und erschöpften Kehle!
_________________ "If we don't believe in freedom of expression for people we despise, we don't believe in it at all", Noam Chomsky
Zuletzt geändert von eJor: 28.04.05, 23:54, insgesamt 1-mal geändert.
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