Eine kleine Kiste, in der du, wenn du sie öffnest, folgendes findest:
Ein dünnes Büchlein, eine Anfängerhandschrift, viele Fehler und Tintenkleckse.
Anbei die etwas unfertig wirkende Zeichnung einer komplizierten, schönen Spieluhr; eine zweite mit einem Schiffsmodelle und ein Raum mit zwei Betten, Laternen an einer Schnur und Spielzeug, das angedeutet auf dem Boden verstreut ist.
Außerdem finden sich zwei Tagebücher - das Erste und das Zweite von "Justus Rinnes", zwei Liebesbriefe aus der Hand von "Ewald Teebaum" und zwei Schatzkarten.
Die eine zeigt einen Ort an der Landzunge ungefähr westlich von Brandenstein, wo offenbar vor Jahrzehnten einmal ein Anwesen gestanden hat, das andere zeigt einen Ort am Schlachtenpass, der aus Brandenstein herausführt.
Bücher, Briefe, Karten sind vergilbt, vom Atem der Zeit nicht verschont geblieben, aber liebevoll gereinigt und geordnet in jenem Kästchen, zusammen mit den von ungeübter, aber talentierter Hand gefertigten Bildern und dem Büchlein, das den Titel trägt:
"Herr Teebaums Paradies"
Alles hat angefangen mit einer Wildsau.
Diese wollte nämlich das Mädchen Mia, die Heldin dieser kleinen Geschichte, anfressen. Ihr Hund Brunorias, den wir alle Bruno nennen, hat seine Freundin beschützt.
Leider hat ihn die Wildsau dabei verletzt und so landeten Hund und Mädchen im Hospiz.
Nun begab es sich, das ein bloßfüßiger Fremder erschien und dem Hund eine Geschichte erzählte - woraufhin das Tier munter aufsprang und wieder herumtollte, als wäre nichts geschehen.
So kam sie zu mir in die Taverne und erzählte davon: das der Fremde ein Engele wäre und so plötzlich wie er aufgetaucht ist auch wieder verschwand..
Und noch während wir den Beschützer Bruno feierten klopfte es das erste mal dreimal an der Tür.
Verwunderlich, denn die Türen der Seeschlange sind eigentlich nie verschlossen!
Ich öffnete und da stand der Fremde, mit samt einer kleinen kuscheligen Katze mit strahlend grünen Augen. Voll Staunen flüsterte Mia: das ist er! Das ist das Engele!
So brachten wir dem Engele und seiner Schnurrlikatz eine Schale Milch und bedankten uns für die Hilfe, denn der Bruno der bedeutet uns viel und wenn es ihm gut geht, gehts uns auch gut.
Dann fing der Fremde an zu erzählen: ob wir auf Schatzsuche gehen wollten!
Den größten Schatz der Welt galt es zu finden und da waren Mia und ich sofort Feuer und Flamme!
Was stellt ihr euch darunter vor?
Eine Kiste mit Krapfen!
Eine große Eisenhütte!
Die Ideen sprudelten aus Mia nur so heraus und ich konnte es auch kaum mehr erwarten, als der Fremde samt seiner schönen Katze wieder ging - und in der Dunkelheit der Brandensteiner Nacht verschwand.
Eine Weile gab es nur ein Thema: das Engele und seine Katze!
Bis plötzlich ein Käfer über Mias Arm krabbelte, so ein großer schwarzer, dicker Käfer. Sie wollt ihn raustun, aber er fiel zu Boden wo Bruno der alles frisst was sich bewegt und kleiner ist als er ihm sofort nachjagte. An der Theke entlang, unter den Tischen und Bänken durch in das Seilgewirr, das Bolko hinterlassen hatte, und dann hinein in das aufgehängte Fischernetz an der Wand.
Was für eine Hatz!
Und da, da rief Mia plötzlich da ist ein Stein locker guck mal Rias schau und dann hatte sie den Stein auch schon herausgeholt, aber der Bruno war schneller, der steckte seine Schnauze rein und schwupp hatte er das Geheimnis der Mauer gefressen.
Dann hat er sich auch noch verschluckt, der alte Gierschlund!
Also hieß es mal wieder Brunoschütteln bis er alles wieder ausgespuckt hat, leider auch seine Lobmahlzeit die er für den Kampf mit der Wildsau bekommen hatte.
Na das war vielleicht eine Sauerei!
Aber da fanden wir dann auch den Mauerschatz, ein in Leder gewickeltes Päckchen..
Ich hab es sauber gemacht und aufgeschnitten und es hat wunderbar nach Kräutern geduftet. Und da drin fanden wir den ersten Schnipsel des Bildes, eine Notiz:
"Im Bankfach von Raul Schultz" und eine wunderschöne kleine Kette mit einem Anhänger, auf dem eine Katze draufgemacht war. Die Katze hatte wunderschöne grüne Augen.
Da mein Herr, Sire Kantrin, da war, konnten wir gleich einmal bei Hilamos vorbei sehen und ihn fragen, ob er denn einen Raul Schultz kennen würd, und ich hab Mia dann auch die Kette angelegt - wie für sie gemacht!
Aber der Hilamos der hat ewig gesucht und leider gar nichts gefunden, darum sind wir dann nach Falkensee, also der Caeden und ich, um dort die Frau Hilamos zu fragen, aber die hat auch nichts gefunden. Schade!
So schien das Abenteuer schon wieder vorbei, doch da täuschten wir uns! Und wie wir falsch gelegen haben!
Am nächsten Tag in der Akademie zu Seeberg klopfte es plötzlich aus einem eigentlich leeren Zimmer. Mein Herr und ich untersuchten den Raum, als ich plötzlich eine Stimme hörte, die mir vertraut erschien und auch sehr nett und freundlich klang.Zacharias, sagte sie, was sei dein Paradies?
Sie wusste um meine Träume, die Stimme, aber das ist meine Sache, verzeih lieber Leser, wenn ich das für mich behalte!
Dann war wieder Stille und sehr viel später ritt ich nach Falkensee, um dort Sire Lavid zu suchen. Ich fand jedoch Vater Wim, dem ich von jenem Erlebnis erzählte und er sprach, das bereits vielen Leuten derartiges widerfahren sei: es klopfte, und eine Stimme fragte die Menschen, was ihre Träume, Paradiese seien. Er warnte auch davor: es sei nicht klug, sich in Träumen zu verlieren oder nach zu großem zu streben.Allerdings frag ich mich, ob es nicht doch richtig ist, stets nach dem Bestmöglichen zu suchen, sich stetig zu verbessern, um den Göttern näher zu sein?
Wie dem auch sei, die Schnurrlikatz erschien und stromerte umher, ließ sich von mir und Lucius streicheln und verwöhnen eh sie wieder davonstreunte. Was für wunderschöne grüne Augen!
Und wieder schien es als wäre alles vorbei, doch am nächsten Morgen wollte ich Mia besuchen, da stand Hilamos bei ihr und gemahnte sie, den Fund des blinden Fachs das ins leere gelaufen sei Sire Kantrin zu bringen.
Ein blindes Fach, das lief? Mysteriös!
Zumal es nicht einmal Beine hatte.
Alt und verstaubt war das Kistchen, das wir beide nun mit klopfendem Herzen untersuchten.
Darin fanden wir eine Menge gammliges Obst, aber auch ein altes, verstaubtes Tagebuch und einen weiteren Fetzen des Bildes, die Mia sorgsam verwahrte.
Mit einiger Mühe und zahlreichen Zuhörern las ich aus dem Tagebuch von Justus Rimmes vor, nachdem daraus ein golner kleiner Schlüssel gefallen war. Beinah in den Apfelmustopf!
(Lieber leser, was in jenem Buch stand dürft ihr selbst lesen, es liegt mit in dieser Kiste!)
Wir erfuhren nun also das jene Geschichte, auf deren Spuren wir wandelten, im ersten Jahr nach Hilgorad begonnen hatte, mit einer Reise in das neue Land, Siebenwind.
Auch steht in jenem Buch die erste Erwähnung der Menschen, um die es in dieser Geschichte vornehmlich geht, doch dazu später mehr!
Außerdem berichtet das Buch vom Feuersturm, der das Anwesen der Klingenbaums vernichtet hat - wo dieses stand, könnt ihr, werter Leser, auf der ersten der beiden Karten ablesen.
Ich habe die ersten Kapitel des Buches bestimmt 10 mal vorgelesen, da beständig neue neugierige, interessierte kamen und gingen und ja jeder das ganze hören wollte.
Mirian klaute mir schließlich sogar das Buch und las es, während ich Bolko zu erklären versuchte wie man mit Mädchen umging. Was für eine Katastrophe!
Tja, und wieder verliefen alle Spuren im Sand, auch die barfüßigen, und wir rätselten den halben Abend vergnügt herum, was denn nun sein könnte.
Später dann sind wir mit Mia auf eine Zwergenhochzeit und noch während Mia im Gewühl zu graulieren versuchte erklang ein schriller Pfiff, der durch das Tal der Kesselklamm gellte. Nanu? dachte ich, als mich mein Herr nachsehen schickte, doch da kam der barfüßige Fremde mit der dicken Nase und auch sein Kätzchen, das sich kuschelnd mit dem Ritter beschäftigte, während der Fremde zu mir sagte:
Es ist soweit! Sucht euch ein Gefolge, du und deine kleine Freundin, und erwartet uns am großen Tor Brandensteins! Dann werden wir auf Schatzsuche gehen.
Dann lief das Schnurrlikatzi zu ihm und gemeinsam verschwanden sie - nach einmal hin und wegschauen waren sie auch wieder verschwunden.
Rätselhaft und geheimnisvoll!
Ich bat meinen Herrn um etwas Freizeit und als er es erlaubte schnappte ich mir Mia und ab gings nach Brandenstein!
Dort gabelte ich Caeden auf und Lilian, und Mia brüllte ein paar Leute zusammen, einen Herrn Seelenruh und den anderen weiß ich nicht mehr. Dann warteten wir am Tor.
Dort stieß mein Herr noch dazu und weil er gute Laune hatte schloss er sich uns an, und so war es also eine große Gruppe, die dem Fremden als er erschien schileßlich nachlief.
Der Wald war friedlich wie selten, kein verrückter Wolf oder eine bösartige Ziege, im Gegenteil, nichtmal die Vögel flogen vor uns davon. Ein Reh lief uns sogar nach!
Schließlich erreichten wir in der Nähe des kleinen Sees wo jenes Baumhaus steht, am Gebirge das Brandenstein einschließt, eine Stelle, wo der Fremde nur mehr sagte: grabt!
Das taten wir dann auch und buddelten schlussendlich ein weiteres Lederbündel aus. Wieder war der Fremde verschwunden, doch in dem Bündel fand sich eine Landkarte - jene, die das Anwesen der Klingenbaums anzeigte!
Eifrig umrundeten wir Brandenstein und nach einigem Gesuche fanden wir dann schließlich jene Stelle, von der man einen wunderbaren Blick auf die Stadt, aber auch auf das unendliche Meer hatte.. herrlich!Doch die Neugierde trieb uns weiter und so buddelten wir uns wieder durch die weiche Erde bis wir auf Holzplanken stießen.. altes, morsches Holz!
Rasch war dieses Hindernis beseitigt und ein blick in das Loch enthüllte eine Treppe.
Wie es sich für tapfere Ritter gehörte, trat mein Herr zuerst hinab, um nachzusehen ob Getier darin lauerte oder die Treppe stand hielt - was einen gepanzerten Ritter trägt, wird unter einem kleinen Mädchen nicht einstürzen!
Aber alles war sicher und so stiegen wir hinab in einen kleinen, staubigen Traum..
Wir hatten den Keller des Anwesens gefunden, und das war ein sehr großes, wunderschönes Kinderzimmer und dazu ein kleiner Arbeitsraum für die Obermagd.
Zwei große Betten, ein paar Stühle, ein Tisch mit einem Lehrbuch, lauter buntstaubiges Spielzeug und ein paar bunte Laternen, in denen sogar noch etwas Öl war und sie sich darum entfachen ließen.
Die beiden Kinder - Hugo und Nanni hießen sie - konnte man echt beneiden!
An den Wänden hingen zwei Bilder, die glaube ich von den Kindern stammten: einmal zwei spielende Kinder vor einem Haus, und ein anderes, das - nunja, das Engele und eine Frau in weißem Kleid zeigte!
Die Frau trug ein Kettchen um den Hals, das eine Katze zeigte..
Eben genau jenes, das Mia um den Hals trug.
Und auf dem Bild entsprangen der Hand der Frau bunte Funken.
Neben diesem Bild stand eine Spieluhr und die hatte ein verschlossenes Fach.
Neugierig hab ich den Schlüssel aus dem Tagebuch ausprobiert. Und das Fächlein ging auf!
Darin fanden wir zwei Liebesbriefe - von Herrn Ewald Teebaum, der ein Knecht des Hauses Klingenbaum war, an eine Marie Abendroth, die als Kindermädchen bei den Klingenbaums arbeitete.
Die Obermagd Raschka mochte es nicht, das die beiden sich liebten und trafen und nach und nach wurde klar: das Bild zeigte Herrn Teebaum und Frau Abendroth. Seltsam aber war, das unser Engele dem Herrn Teewald auf dem Bild ähnlich sah, aber gar nicht älter war!
Später, daheim im Bett, als ich noch darüber nachdachte, kamen mir ein paar Ideen, wie alles zusammen passen könnte, und am nächsten Tag fanden wir dann heraus, das ich damit recht hatte.
Denn Mirian kam und drückte mir ein weiteres Fach von Hilamos in die Hand: von einem Saul Schultz!
Noch ein blindes Fach? Die armen Fächer, denen tut die Dunkelheit sicher nicht gut.
Darin fand sich schließlich eine zweite Karte und ein weiterer Bildschnipsel. Die Karte zeigte den Schlachtenpass und bezeichnete eine Stelle dort als geheimen Ort.
Sowas!
Tja und als wir dann nach einem Ritt in die Ödnis nach Brandenstein zurückkehrten kam Mia ganz aufgeregt: irgendwer hatte das zweite Tagebuch von Justus Rinnes auf den Balkon der Kapelle geworfen.
Diesmal waren nur 3 Einträge darin und erzählten von der Trauer des Schreibers: man hatte Fräulein Abendroth abgeführt um sie als Hexe zu verbrennen!
Und der Herr Teebaum, den hatte man in seinem geheimen Ort eingeschlossen um ihn verhungern zu lassen.
Selten hatte ich so eine Gemeinheit gehört, konnte ich mir doch gar nicht vorstellen das die beiden so etwas schreckliches verdient hatten.Denn bei dem Brand - den vermutlich aus lauter Verzweiflung das Fräulein Abendroth gelegt hat, um endlich frei zu sein - kam niemand ums Leben.
Was ist denn schlimmer? Ein Haus abbrennen oder jemanden seine Liebe zu verbieten, weil es 'nicht schicklich' ist?
Ich hoffte sehr, das sie damals das eingesehen und die beiden freigelassen hätten..
Wir brachen also auf, um nach dem versteckten Ort zu suchen, nachdem einmal mehr der Fremde geklopft hatte - aber nicht erschienen war.
Lilian, Sire Kantrin, Mia und ich - und eine Fremde, die sich nicht vorstellen wollte. Darum taufte ich jene Magierins kurzerhand Frau Anhängsel.
Gemeinsam zogen wir also los und Frau Anhängsel fand rasch die markierte Stelle.
Wieder buddelten wir und ein Loch entstand, in das die Erdbrocken hinabfielen - wir hatten Herrn Teebaums Paradies gefunden.
Ich sprang hinab als das Loch endlich breit genug war und landete in einem Haufen Finsternis, aber es störte mich nicht. Hier konnte einem nichts geschehen, dafür würde Mutter Vitama schon sorgen!
Ich tastete mich an den Wänden entlang, als hinter mir Mia und Bruno von Sire Kantrin hinabgelassen wurden und der Rest hinab folgte.
Es gab einen kleinen Streit, weil es hieß die Fackeln sollten aus, sie würden die Luft wegatmen - seltsame Idee!
Dann lockte die Magierins Frau Anhängsel ein Glühwürmchen auf ihre Hand und so folgten wir dem Wasserrauschen den Gang hinab.
In der Ferne glomm es sanft, grün und weiß und braun, aber an den Wänden hingen Kinderbilder.
Ein Schiff in einem Sturm, ein brennendes Haus, eine brennende Frau.. also war Frau Abendroth doch getötet worden, und da wurde mir klar, das auch Herr Teebaum nicht mehr am Leben war. Einen Augenblick wollte ich das Mia das Bild nicht sah, doch hatte sie nicht wie alle anderen ein Recht darauf zu erfahren, was geschehen war?
Dennoch war sie sehr traurig, bis ich ihr erklären konnte das es sich bei der Schnurrlikatz vielleicht um Frau Abendroth handelte - es also alles nicht ganz so schlimm war.
Ich schämte mich für meine Lüge, doch ihre Tränen nicht zu sehen war es mir wert.
Was konnte schon schlimmer sein als zwei Menschen zu trennen und sie zu ermorden, obwohl man sie zu ihren Taten getrieben hat durch sinnlose Regeln?
Das nächste Bild versetzte uns einen neuen Schock:
der Bruno, Mia, Lilian, Sire Kantrin, Frau Anhängsel und ich waren darauf abgebildet...
Und das Bild war alt!
Verwirrt, aufgeregt, aber ohne Angst traten wir in die Höhle.
Ich weiß nicht wie lange ich dort stand und staunte, denn so einen wunderbaren Ort habe ich mein Lebtag nicht gesehen, aber ich will versuchen es in Worte zu fassen, denn dies ist unsere Aufgabe:
Vielleicht 15 Schritt durchmessend, eine handvoll blühender Bäume, weiches, saftiges Gras bedeckt den Boden. Die wände funkeln wie als wären die Sterne hinabgestiegen.
Am anderen Ende ergießt sich ein kleiner Wasserfall in einen klaren Teich, ein zarter Regenbogen spannt sich über diesen See und eifert mit den Sternen und den bunten Laternen die sanft glühend im Geäst der Bäume hängen um die Wette: wer leuchtet herrlicher?
Ein paar alte Bücher, eine Bank und eine alte, brüchige Staffelei, ein Lager aus Gras mit einem staubigen Kissen.
Doch das was alle Befürchtungen wahr machte, waren die Kleider und ausgebleichten Knochen von Herrn Teebaum, der im weichen Gras lag..
War es grausam, an solch einem Ort zu sterben beraubt seiner Liebsten?
Oder konnte er sich glücklich schätzen, hier ein paar Stunden mit ihr verbracht haben zu dürfen und in dieser Zauberhaftigkeit gefangen zu sein?
Ich weiß es nicht, aber Ruhe fanden die beiden keine, getrennt voneinander.
Da gellte ein weiterer Pfiff und an den Wänden klopfte es, dann trat Herr Teebaum aus der Dunkelheit und lächelte, er wirkte erleichtert und glücklich.
Dann stromerte auch die Katze heran und ich begrüßte sie mit Frau Morgenroth - da wuchs sie, das Haar schmolz und die wunderschöne Frau im weißen Kleid stand vor uns!
Sie bedankten sich bei uns, das wir ihnen die Türen geöffnet hätten - sie ohne uns nicht den Frieden gefunden hätten, den man ihnen damals verwehrt hatte.
Dann traten sie gemeinsam, Hand in Hand, zum Wasserfall und je weiter sie dem See kamen umsoweniger konnte man von ihnen sehen, bis sich zwei glühende Punkte den Sternen im See anschlossen.
Dann aber begann die Höhle einzubrechen und wir mussten hinaus, nur Frau Anhängsel natürlich nicht, die musste irgendwas Magiefizieren, also hab ich sie mir unter den Arm geklemmt und rausgeschleppt. Frauen!
Magierinse!!
Ich hob noch Bruno hinaus als die Höhle hinter mir einstürzte - was ein Lärm, ein Getöste, Gedonner, Gestaube!
Grade so hab ich es noch hinausgeschafft, da ist auch der Gang zusammengebrochen, puh!
Mia hat dann angefangen zu weinen - weil dieser wunderschöne Ort nun nicht mehr da war.
Aber ich erinnerte sie an das Bild, das wir hatten, und das sie die Erinnerung in ihrem Kopf hätte.
Das sie ihr Paradies teilen konnte und dennoch nichts davon verlor..
"Was ist das Paradies?
Ein Ort an dem alles zu stimmen scheint, die Zeit schlägt im Takte der Herzen? Ist es ein Gefühl, das einen Jüngling dazu bewegt nicht vom Pferd zu fallen um seinem Traum ein Stücklein näher zu kommen, das die Ritterin des Morgens die Augen öffnen lässt um sich von neuem unter ihren männlichen Mitstreitern behaupten zu können? Sind es die Momente, welche uns den Atem Stocken lassen, die prachtvolle Aussicht von einem noch nicht gebauten Leuchtturm über das endlose Wasser, der Schuh, der im Geäst eines alten Baumes hängt und durch dessen Ösen Felas Licht kleine Punkte, Glühwürmchen gleich, auf den sandigen Boden wirft?
Oder ist es vielleicht nur ein kleiner schwarzer Käfer auf dem Arm eines Mädchens, der den Grundstein zu einem Abenteuer legt, welches genau diese Frage aufwirft?
Ich weiss es nicht. Doch was ich weiss ist, dass jener, der die Antwort kennt, sich im Besitze des grössten Schatzes von Tare wissen darf.
Justus Rinnes"