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 Betreff des Beitrags: Humpta-Taa!
BeitragVerfasst: 22.04.02, 21:25 
Bürger
Bürger

Registriert: 9.12.01, 14:56
Beiträge: 278
Wohnort: Diepholz
Ärgerlich grummelnd marschierte die in eine ihr viel zu große Robe gehüllte Gestalt durchs nächtliche Brandenstein, auf die Markthalle zu. An wem der junge Mann nahe genug vorbeikam, der konnte hören, dass er gelegentlich eine Marschmelodie zu brummeln schien, was wie "Humpta-Taa, Humpta-Taa, Humpta- Humpta -Humpta-TAAA" klang.

Der seltsame Kerl erreichte die Markthalle und riss beide Flügeltüren auf. Dann schloss er sie knallend, nahm einen Ast vom Rücken, klemmte ihn zwischen die Türgriffe und verriegelte so die Eingangstür. Immernoch die Marschmusik brummelnd ging er weiter und setzte sich auf den Amboss in der Mitte. Der junge Mann fuhr sich durch die knallrot gefärbten Haare und blickte sich wutschnaubend in der leeren Halle um. Seit seiner Ankunft auf Siebenwind hatte er die Nacht meist unter der Treppe in der Brandensteiner Markthalle verbracht, weshalb er das Gebäude gewissermaßen als seine Wohnung betrachtete. Und hier war es auch, wo er ausgeraubt worden war. Irgendein Langfinger hatte ihn im Schlaf niedergeknüppelt, seine Umhängetasche geleert und sogar seine Kleider gestohlen. Als Beryll aufwachte, fand er sich im Hospitz wieder, wo der völlig verdatterte Gaukler von Doktor Urunkel erfuhr, dass er bewusstlos in der Halle gefunden worden und von zwei Stadtwächtern ins Hospitz gebracht worden war. Beryll stellte wutschaubend fest, dass er nicht nur eine große Beule am Kopf hatte, sondern auch, dass seine Blockflöte verschwunden war. Um den restlichen Besitz scherte er sich nicht, aber die Flöte war wirklich etwas besonderes für ihn gewesen. Er war daraufhin zur Wache marschiert und hatte den Hauptmann gefragt, ob einer der Wächter, die ihn ins Hospitz gebracht hatten, wohl seine Blockflöte hätte. Der Hauptmann gab ihm einige ablegte Kleidungsstücke, doch als er erwiderte, dass er das wohl kaum für möglich halte, dass einer der Wächter die Flöte hätte, schnaubte Beryll wutentbrannt und begann, über die Stadt Brandenstein herzuziehen.
"Zum Geier nochmal.. Kann man denn noch nicht mal in Ruhe in der Markthalle schlafen ohne ausgeraubt zu werden?!"
"Vor Taschendieben ist man nirgends sicher." erwiderte der Hauptmann geduldig, aber Beryll schien ihn garnicht wahrzunehmen, so redete er sich in seinen zornigen Wortschwall hinein.
"Und wie es scheint leben in dieser Stadt nur Banausen! Keiner zeigt auch nur annährend Verständnis für KUNST!" Dieses Wort hatte er neulich irgendwo aufgeschnappt, und es gefiel ihm als Beschreibung für seine Gaukeleien.
"Es sind Arbeiter.. keine Kunstverständigen" sagte der Hauptmann, doch wieder fuhr Beryll ärgerlich fort
"Ich und meine Leute von der LG wurden hier vom Magistrat des Handels beuaftragt Werbung für den Markt zu machen. Aber wie zum Orkmist soll das denn gehen wenn noch nicht mal die Einheimischen auf uns Gaukler achten?!"
Der Hauptmann schien nachzudenken, doch der Gaukler ließ ihm keine Zeit.
"In dieser Stadt gibt es eine ganze Reihe Missstände!"
Beryll schnaubte ärgerlich.
"Wie komme ich an die Bürgerrechte damit ich etwas dagegen unternehmen kann?"
Er verschränkte die Arme und blickte den leicht schmunzelnden Hauptmann völlig ernst an.
"Nun.. ihr könntet entweder ein Haus in der Stadt mieten oder.."
Der Rothaarige unterbrach ihn.
"Ohne etwas zu bezahlen!"
Der Hauptmann schüttelte den Kopf. "Steuerrecht ist Wahlrecht."
Der junge Mann in der weiten Robe wirkte kurz nachdenklich,als er die Uniform des Hauptmannes musterte. "und.. was ist mit den Wächtern? Die haben Bürgerrechte und bekommen sogar noch Geld dafür oder?" Sein Tonfall war nun nicht mehr ärgerlich, sondern auf eine fast beängstigende Weise nachdenklich. "Sie haben die Bürgerrechte, sobald sie den Rang eines Gefreiten haben."
"Und wie wird man Gefreiter?"
"Man muss vorher Rekrut gewesen sein und dann.."
"Und wie wird man Rekrut?"
"Ihr müsst eine schriftliche Bewerbung einreichen und dann.."
Beryll hüstelte etwas verlegen. "Schriftlich.. ja.. nungut.. das sollte kein Problem sein."
Dann straffte er seine Gestalt und salutierte übertrieben zackig.
"Herr Hauptmann, ich, Beryll der Gaukler, möchte Rekrut der Stadtwache werden!"
Der Hauptmann schmunzelte, nickte aber.
"Gut.. dann schreibt eine Bewerbung und gebt sie am Bellumsturme ab."
Beryll salutierte abermals und wandte sich dann zackig Richtung Tür. "Liiiiiiinks um!" Er besorgte sich ein Bewerbungsformular und eine Feder und kehrte dann wie beschrieben zur Markthalle zurück.

Nun saß Beryll auf dem Amboss und starrte auf das weiße Papier herab.

NAME
stand da.. sollte er den Künstlernamen wählen oder doch seinen bürgerlichen..? Beryll kaute eine Weile auf der Feder und schrieb dann doch 'Beryll' statt 'Bernard Ylias'.

BERUF
hm.. Gaukler? Beryll überlegte eine Weile und schrieb dann 'Fahrensmann'. Die Bedeutung dieses Wortes war ihm fremd, aber er mochte den Klang.

WIE LANGE SEID IHR SCHON AUF SIEBENWIND?
Beryll rechnete. Nach einer Weile ließ er das Rechnen sein und schrieb 'schohn aine ganze Zait'

WESWEGEN WOLLT IHR DER STADTWACHE BEITRETEN?
Nach kurzer Überlegug schrieb Beryll 'Uhm der Stad Brandenstein zu dinen uhnd..'

Ein plötzliches lautes Klopfen vom Tor her unterbrach ihn in seinen Gedanke. Eine ärgerliche Stimme erklang von draußen.
"RUHE VERDAMMT!" brüllte Beryll. "IM NAMEN DER STADTWACHE, DIE HALLE IST BESCHLAGNAHMT!"
Die ärgerliche Stimme rief noch etwas und entfernte sich dann aber rasch. Grummelnd widemte Beryll sich wieder dem Formular.

'Uhm der Stad Brandenstein zu dinen uhnd *Tintenfleck* der Kulltur in der Stad zu mehr Ansähen zu verhelfigen. [D]Uhnd weil man dort ein fästes Gehald beko[/D] Uhnd weil ich mid meinem bisherigen Handwärk auf der Innsel nicht genuhg verdienige.'

WAS TATET IHR VOR DIESER BEWERBUNG?
Beryll blinzelte irritiert. Vor der Bewerbung?
'Ich besohrgigte mir ein Formula und eine Feda um meine Bewebung zu verfasen und suchte mir dan einen ruigen Ort zum Schraiben'

WAS STELLT IHR EUCH UNTER DEM BERUF DES GARDISTEN VOR?
'Dehr Gardist isset für mich eine Lischtgestalt, zu der man aufblickigen kahn und die das Guhte und das Recht verteidigd uhnd die nicht zum eigenen Nuhtzen, sondärn für das Wohl der Bürger sain höchstpersönliches Lebän riskird. Auserdehm isset der Gardist jemahnd, der die Bürgerrechte erhelt uhnd auf der Bürgerfersamlung aine Stime hat.'

Beryll laß seine Bewerbung nochmal durch, nickte dann zufrieden und steckte sie in einen Umschlag. Dann legte er sich unter der Treppe schlafen, wobei er vorher überprüfte, ob der Ast noch die Tür blockierte, damit er nicht nocheinmal ausgeraubt werden könnte. Morgen würde er sein Bewerbungsschreiben abgeben, und er war fest davon überzeugt angenommen zu werden..


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