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Seit einigen Tagen streifte sie nun schon durch die Wälder dieser Insel, gegen die sich die Wälder ihrer Kindheit beinahe winzig ausnahmen.
Voller Wunder schienen ihr die weiten Lichtungen, die dunklen, von dichten Wipfeln alter Bäume beschatteten Wälder, sie liebte es die vereinzelten Sonnenstrahlen bei ihrem Tanz zu beobachten, wenn das Licht durch das dichte Blätterwerk fiel.
Stunde um Stunde huschte ihre schmale Gestalt durch das Unterholz, doch keine Hast lag in ihren Bewegungen, eher Ruhe, die Natur um sich genießend, jede Einzelheit in sich aufnehmend.
Ihr Blick folgte den aufgeregten Sprüngen eines Eichhörnchens, dem geschmeidigen Dahingleiten eines Wolfes, auf der Jagd durch das Unterholz streifend, den tapsigen Bewegungen der Bären. Rast hielt sie an kleinen Waldbächen, Beeren und wilde Früchte waren ihre Nahrung, und hin und wieder hob sie den Kopf ein wenig an, die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht und dann legte sich ein Lächeln auf die sonst beinahe versonnenen Züge.
So zog sie dahin, nichts durchbrach ihre gleichförmigen Tage, bis....ja bis zu diesem Abend.
Durch das Dickicht erspähte sie eine Lichtung, die Sonne schien auf das Schindeldach einer kleinen Hütte. Neugierig geworden schlich sie näher heran, die Hand an einen Baumstamm legend...um plötzlich abrupt stehen zu bleiben.
Alarmiert huschten ihre Augen umher, die Anwesenheit eines anderen eher erfühlend als ihn erspähend. Da wurde sie eines Schatten gewahr, der halb hinter einen Baum huschte, wie sie es ebenfalls tat, nur scheu hervorblickend.
Vorsichtig, jederzeit bereit zu flüchten hielt sie sich hinter dem Baum, die Hand darum klammernd als würde sie Schutz suchen.
Plötzlich vernahm sie eine Stimme, melodisch und angenehm klang sie, sodass sie zuerst nur auf den Singsang lauschte und nicht wahrnahm, das die Worte in einer fremden Sprache gesprochen waren. Doch dann legte sich ein verwirrter Ausdruck in ihre Augen, den ihr Gegenüber, den sie jetzt erst richtig wahrnahm, wohl bemerkte, denn nun sprach er wieder, diesmal für sie verständlich.
Was führt dich in diesen Wald? Reichtum?
Heftig schüttelt sie ihren Kopf, die rot in der langsam sinkenden Sonne glühenden Haare sich mitbewegend. Sie suchte nicht nach Reichtum, nur den Frieden in den Wäldern, die Natur, die Vereinigung mit derselben. Venyha versuchte zu erklären was sie suchte, mit den Händen gestikulierend, nach Worten suchend um das zu beschreiben was ihr Herz sprach.
Zumindest schien es der elfenhaften Gestalt vor ihr ein wenig die Scheu zu nehmen, denn diese begann sie nun in großem Bogen zu umrunden, sie immer wieder prüfend musternd.
Nervös folgte sie seinen Bewegungen mit den Augen, an ihrem Baum verharrend, den Kopf ein wenig eingezogen und die Gestalt angespannt, wie ein fluchtbereites Tier.
Doch schien er ihr zu glauben, er kam näher und ein Gespräch entspann sich. Es fiel Venyha zuerst schwer die rechten Worte zu finden, schon lange hatte sie nicht mehr gesprochen, aber langsam fand sie wieder in die Sprache, ein wenig holprig noch, doch übernahmen ihre Gesten und ihre Augen den Rest der Erzählung.
Scheu betrachtete sie die Gestalt des Waldelfen der nun vor ihr, nahe der Lichtung stand, ihr erzählend das einst hier der Hain der Waldelfen stand, er berichtete von dem Blick bis in weite Entfernung, dem Frieden der herrschte...und von seiner Vernichtung.
Langsam legte sich ihr Gesicht an die Rinde des Baumes neben ihr, die Lichtung betrachtend, als sehe sie alles vor sich, wie es einst war. Dann klärte sich ihr Blick wieder, und sie sah die kleine Hütte, der Garten, alles wie in dem kleinen Häuschen in dem sie aufwuchs und sie begann davon zu erzählen, aus ihrer Kindheit, von ihren Eltern die ihr die Liebe zur Natur vorgelebt hatten.
Langsam senkte sich die Nacht über das Land, und kühl zog sich ein Schauer über ihre Nacken als der Wind wie eine Feder darüber strich und sie frösteln ließ. Der Elf entzündete ein kleines Lagerfeuer und die beiden ließen sich nahe daran nieder, ihr Gespräch leise weiterführend. Der Wind ließ die Blätter leise rauschen, es klang wie ein leises Lied, das des Elfen's Worte untermalte, begleitete wie das sanfte Rauschen eines Flusses.
Er berichtete von der Legende von Chael Nad’ra, und Venyha lauschte mit nachdenklichem Blick. Seine Worte berührten ihr Herz, die Legende des Mannes der auszog um mit der Natur eins zu werden. Genau das war es, wovon sie träumte, wonach alles in ihr strebte, die Worte des Elfen ließen ihr Herz singen. Jemand der verstand wovon ihr Leben erfüllt war, das Sehnen in ihrem Herzen nach dem Lied des Waldes zu kennen schien.
Wie bestätigend wiegten sich die Wipfel der Bäume leicht, die Grillen hörte man ihr leises Lied singen, und hin und wieder raschelte es leise wenn ein Reh näher schlich, oder eine Eule sie beobachtend die Krallen fester in ihren Ast grub.
Während dieses Gespräches schwand der versonnene Ausdruck auf ihren Zügen immer öfter, sie gab Dinge von sich preis die sie niemals jemand anderem erzählt hatte, denn etwas schien sie zu dem Waldelf hinzuziehen, eine gewisse Vertrautheit der Gedanken könnte man es nennen.
Hin und wieder lächelte sie scheu, etwas das bisher kaum jemand an ihr gesehen hatte, nur die Bäume und die Tiere konnten es normalerweise auf ihrem Gesicht erblicken.
Als das Feuer langsam erlosch, nur mehr die Glut leicht ihre Gesichter in ein sanft rotes Glühen tauchte, erhob sich der Elf, sich von ihr verabschiedend.
Leicht lächelnd blickte sie ihm nach, als er sich noch einmal umwandte.
Du hast soeben einen der Chael Nad’ra getroffen, mögen weitere folgen sprach er und noch ein Wort dessen Bedeutung sie nicht verstand, doch alleine der Klang ließ ihr Lächeln aufleuchten.
Dann schien er zu verschwinden, wie ein Schatten in den Wald eintauchend...
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