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 Betreff des Beitrags: In den Schatten...
BeitragVerfasst: 21.02.05, 04:25 
Einsiedler
Einsiedler

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Beiträge: 84
In einer Taverne in Papin-Stadt stimmt ein Barde ein Lied an...


In den Schatten, in den Schatten,
lebte ein einsames, kleines Kind.
Lernte einst das Leben von den Ratten,
und das man stets verliert und gewinnt.

Getötet den Bruder im Geiste mit eigener Hand,
getötet hat es die Liebe in des Vaters Seele.
Eifersucht trieb es zu der Tat und wurd' verbannt,
bloss ein trauriges Lachen kam aus ihrer Kehle.

In den Schatten, in den Schatten,
fand ich so einst ein junges Weib.
Lebte dort als Schlange unter den Ratten,
und trank das Blut aus deren Leib.

Geflüchtet von Stadt zu Stadt und ungebunden,
Geflüchtet von Tat zu Tat und ohne Gewissen.
In Rothenbucht habe ich sie dann gefunden,
konnte nicht ahnen, dass sie war so gerissen.

In den Schatten, in den Schatten,
verliess mich einst die falsche Schlange.
Gab uns preis an die Garde, uns arme Ratten,
und unsere Körper hingen an dem Galgen noch lange.


Zuletzt geändert von Schattenkind: 21.02.05, 04:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 1.03.05, 03:02 
Einsiedler
Einsiedler

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Sie hockte in dem Schatten, den das Gebäude warf. Der Vitamalin spiegelte sich zart im Wasser des Goldquells vor ihr, während sie ihr schlankes Messer zwischen die Hände hin und her gleiten liess. Immer wieder durchzuckten sie Schmerzen - der Kopf dröhnte, dazu die pulsierenden Schmerzen am Kinn, Wange und Bauch.

Belüg dich nicht selbst - er hat recht. Keine zwei Wochen und du flüchtest erneut oder du stirbst.

Wen kümmert es? Mich nicht. Ich kann ebenso auch gewinnen und bei einem hohen Risiko ist der Gewinn stets höher.


Sie verscheuchte im Geiste die Gedanken, die unaufhörlich sie mal zur Vernunft, mal zum Risiko aufriefen. Sie war es gewohnt und meist hörte sie doch lieber auf die Verlockungen des Risikos, ehe sie im letzten Moment der Vernunft den Vorzug gab und wieder weiterzog.
Doch hier schien nun der Ort zu sein, wo es gute Gründe gab zu bleiben. Ein Ort, der Sonderlinge anzog. Sonderlinge auch wie sie, von denen sie offenbar auch lernen konnte.

Wieder überkamen sie Schmerzen und mit einem leisen Keuchen hielt sie sich eine der Schläfen. Sie musste nun vorsichtig sein - sie war geschwächt im Moment. Und sie hatte.. Angst.. Angst davor, zu vergessen... es reichte schon, dass sie vergessen hatte, wo sie war, was sie hier machte...

Der Blick der Gestalt glitt hinauf zum dunklen Himmel.. wie fing es eigentlich an?


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 Betreff des Beitrags: Schatten der Vergangenheit I
BeitragVerfasst: 3.03.05, 08:23 
Einsiedler
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Langsam rann das Blut an der schmalen Klinge ihres erhobenen Messers entlang, während der Blick ihres Vaters den Blick des Auges erwiderte, was die Spitze der kleinen Waffe krönte.
"Du siehst, er war schwächer als ich, Vater," durchschnitt ihre Stimme die Stille, die sich zwischen ihnen gelegt hatte, "er war nie dazu bestimmt, unseren Stamm anzuführen."
Sie sah, wie er langsam die alten, müden Augen schloss, um Fassung rann, dann aber eilte er an ihr wortlos vorbei und hinaus in die Nacht.
Mit einem Seufzer warf sie das Messer in eine Ecke und folgte ihm hinaus, doch draussen atmete sie nur tief ein und sah hinauf in den Sternenhimmel, während ihr Vater weitereilte und den Platz aufsuchte, wo sich schon andere Mitglieder aus dem Dorf rund um die Leiche eines etwa dreizehn Jahre alten Junges sammelten.
Endlich war es vollbracht - der Nebenbuhler tot und somit gab es nur eine einzige Person, die den Platz des wichtigsten Mann im Dorf einnehmen konnte. Das wahre Kind des Schamanen.
Ein zufriedenes, geradezu friedvolles Lächeln legte sich auf ihre Züge, auf denen hier und da noch ein paar Spritzer Blut klebten und sie folgte ebenso ihrem Vater.

Wie passend für den Alten, dachte sie, als sie ihn inmitten der Angehörigen des Dorfes sah - er hielt seinen Adoptivsohn, denjenigen, der, wenn es nach ihr gegangen wäre, nie hätte existieren dürfen, und wimmerte leise, sein Gesicht an den zerschundenen und zerstochen Körper des Jungen drückend.
Er war schwach und auch der Stamm war durch ihm und seinem Vater schwach geworden. Vorbei die Zeiten, wo sie als starke Nomaden aus Endophal hinauf in den Norden und durch die Drachenschwingen gezogen waren. Vorbei die Zeiten, wo sich dieses stolze, endophalische Blut, mit dem der mächtigen Galadonier und geheimnisvollen Ma'ahner vermischt hatte. Vorbei auch die Zeiten, in denen sie sich immer das genommen hatten, was sie haben wollten. Sie vegetierten in diesem kahlen Gebiet als Bauern und Jäger und immer kleiner war der Verband geworden.
Ihr Vater mochte sicher grosse Kraft haben, doch nie setzte er sie wirklich ein. Lediglich wenn es galt jemanden zu heilen, der vielleicht sogar an der Schwelle des Todes stand, setzte er sie ein. Er hatte zu ihnen, seiner Tochter und seinem Ziehsohn, stets von einer Gefahr gesprochen, die von dieser Kraft auch ausgehen konnte. Er hatte sie immer gewarnt und während der Junge diese Warnungen wohl ernst nahm, hatte sie nur ein müdes Lächeln dafür übrig.
Sicherheiten, gut und schön, doch was ist das Leben schon, wenn man nur auf Sicherheit baut, nie ein Risiko eingeht? Ein langsamer, träger Fluss.

Ein Risiko war es dagegen nicht gewesen, ihren 'Bruder' zu einem Kampf herauszufordern. Seine Kräfte waren stark, gewiss, doch er wagte es kaum sie zu seinem Vorteil einzusetzen und die Tricks, die sie im Kampf anwandte, waren ihm wohl eher unbekannt.
Ja, er war ein wahrer Schatz gewesen - stets folgsam, artig, still. Selten hatte er etwas in Frage gestellt, was der Vater sagte. Stets hatte er brav gelernt, wurde sogar noch besser als sie, doch sie hatte nie geahnt, dass ihr Vater ihn als Nachfolger wählen würde. Er war sieben Jahre jünger, er war nicht aus diesem Stamm sondern wohl irgendein Galadonier. Er war ein Findelkind, eigentlich hätte er sogar schon längst tot sein müssen, denn einst fanden Jäger aus diesem Dorf den kleinen Jungen inmitten der Rest einer überfallenen Karawane am Rande der Drachenschwingen.
Sie hatte somit nur das zu Ende gebracht, was jene Räuber einst schlampigerweise unterlassen und somit ihr Leben vermiest hatten.
Fast dreizehn Jahre lang wurde er vorgezogen - er war ja noch so klein, hatte seine Familie verloren, der Ärmste... und er ist auch noch so brav!
In ihren Gedanken hörte sie immer wieder die Stimme ihres Vaters, der offenbar in dem Jungen den Sohn gefunden hatte, den der alte Narr sich all die Jahre gewünscht hatte.
Zu spät hatte der Alte sich nach einer Frau umgesehen und versucht mit ihr ein Kind zu zeugen, was nicht gelang, ehe er sich eine andere nahm und mit ihr seine Tochter zeugte. Sie kam zur Welt, die Enttäuschung war gross - nur ein Mädchen... doch jene zog er die ersten sieben Jahre in dem Glauben auf, sie wäre seine Nachfolgerin. Ihre Mutter war nicht mehr weiter wichtig und auch die erste Frau vernachlässigte er, nahm ihr so die Mutter, die ihr vielleicht etwas Frieden hätte geben können.
Einen Trotzkopf, eine Querulantin zog er heran - stets stellte sie alles erstmal in Frage, fragte stets, warum dieses oder jenes auf die Art und Weise gemacht wurde und nicht selten kam von ihm die Antwort, es war schon immer so oder es war besser so.
Sie gewann dennoch einen Blick, der sich von seinem unterschied - sie lauschte den Erzählungen der wenigen noch verbliebenen Krieger ihres Stammes. Sie hörte von den einst glorreicheren Zeiten und wie stark und gross ihr Volk einst war. Sie hörte die Geschichten über die alten Beschwörer und Schamanen und entschloss für sich, dass sie lieber den Pfad ihrer schon längst verstorbenen Ahnen folgen würde, als in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.
Doch dieser Junge, der nun blutüberströmt und tot in den Armen ihres alten Vaters lag, der diesen zitternd und jammernd aufhob und somit ein noch jämmerlicheres Bild bot, als sie es eh schon von ihrem Erzeuger hatte, hatte ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Und sie.. sie hatte wieder etwas in Frage gestellt - die Entscheidung ihres Vaters und so ihren Bruder zu einem Kampf aufgefordert, ganz nach der Sitte der Altvorderen, denn wer gewinnt, hat Recht.
Sie hatte gewonnen.

"Geh mir aus den Augen, du Schlange," zischte ihr Vater ihr zu, als er mit gesenktem Kopf an ihr vorüberging, "verlasse sofort dieses Dorf.. die Drachenschwingen.. und wehe du kehrst zurück. Ich... verbanne dich auf ewig."

Eine Weile stand sie noch da, als er schon fort war und als auch schon die meisten Dorfbewohner wieder zurück in ihre Behausungen gekehrt waren. Sie hatte ihre Arme verschränkt und starrte hinauf zu den Monden - wie gewonnen, so zerronnen, doch war der Tod nicht umsonst gewesen. Sie hatte den notwendigen Schritt getan und fühlte trotz der Verbannung tiefste Zufriedenheit in sich.


Zuletzt geändert von Schattenkind: 21.04.05, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 7.03.05, 03:02 
Einsiedler
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Sie sass im Hafen von Brandenstein am Rande eines Steges. Die Nacht hatte sich wieder wie ein düsteres Leichentuch über die Stadt gelegt und zu diesem späten Zyklus war es selbst am Kampfring ruhig geworden.
Sie war alleine und genoss diese Stille um sich herum, die auch sie ruhiger werden liess. Ihr Blick ging hinauf zu den Monden, suchte, wie so oft in letzter Zeit, den schwarzen Mond - Dorrayon.
Man sieht ihn nicht, man wird von ihm gesehen und beobachtet - sie wollte seinem Blick begegnen und ihn ergründen.

Die Stimmen kamen auf...

Du könntest es einfach haben - nimm ihn, helfe ihm, sei glücklich. Werde sesshaft und habe so deinen Frieden. Flüchte nicht mehr weiter durch die Welt. Du musst dich nur entsprechend entscheiden...

Warum solltest du leben wie all die anderen Geknechteten auf dieser Welt? Du kannst Macht haben, wenn du gerissen genug bist und keinerlei Skrupel zeigst. Geh diesen Weg weiter und du bekommst das, was du dir wirklich wünschst.


Mit einem geradezu genervt klingenden Seufzer liess sie sich nach hinten auf den Rücken fallen, verschränkte ihre Arme unter ihrem Kopf und starrte weiterhin hinauf, jedoch beachtete sie nun weder die Monde, noch die Sterne.
'Ich habe mich schon längst entschieden...' antwortete sie in Gedanken.

Damals, als sie ihren Ziehbruder tötete und damals, als sie das Dorf verliess und weiterzog.
Sie war froh, dass ihre Erinnerungen sie nun nicht mehr im Stich liessen und so schloss sie ihre Augen und ging im Geiste zurück in eine andere Zeit zu einem anderen Ort...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 7.03.05, 03:03, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Schatten der Vergangenheit II
BeitragVerfasst: 10.03.05, 23:52 
Einsiedler
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Auch wenn sie ihre Verbannung nicht angestrebt hatte - sie war wie eine Befreiung gewesen. Die Befreiung von den Ansichten und den Denkweisen des Vaters, den er zu gerne auf sie übertragen hätte. Eine Befreiung von den Zwängen des kleinen Dorfes, mit seinen einfachen Bewohnern.
Sie hatten kaum Kontakte zur Aussenwelt gehabt - wie auch? Es kamen bestenfalls mal Karawanen durch diesen Teil des Gebirges, dazu eine kleine Räuberbande, mit denen die Jäger (stets hinter dem Rücken ihres Vaters, dem Stammesschamanen) einige Abmachungen hatten, hin und wieder ein paar Naivlinge, die hofften, in der Drachenschwinge eine Goldader oder ähnliches zu finden und ganz selten Ma'ahner, die sich über diesen Teil des Gebirges nach Galadon einschmuggelten.
Sie wusste somit kaum was von der Welt...

Als sie die Drachenschwingen mehr und mehr hinter sich liess und nur noch die hügeligen Ausläufer des Gebirges durchwanderte, grübelte sie - wohin sollte sie nun eigentlich ziehen? Ma'ahn wäre eine Möglichkeit - sie kannte dieses Land hinter dem gewaltigen Grenzwall nicht, den man schon von weitem sehen konnte, doch hatte sie, wie die restlichen Mitglieder ihres Stammes, neben endophalischem und galadonischem Blut, auch das Blut der Ma'ahner in sich.
Galadon war ebenso eine Möglichkeit, zumal sie die galadonische Sprache beherrschte.
So folgte sie einige Tage lang einer Strasse, liess einfach ihre Füsse entscheiden und durchwanderte so das Grenzland Morgenthau, ehe sie eine Stadt erreichte - Grenzfest.

Die letzten zwanzig Jahre hatte sie bloss in der Abgeschiedenheit der Berge verbracht, nur ihr kleines Dorf gehabt, und entsprechend erschlug sie auch die Grösse dieser Stadt, die, wie sie später immer wieder feststellen durfte, längst nicht die grösste Galadons war, auch wenn es ihr damals so vorkam und sie sich kaum eine grössere Stadt vorstellen konnte.
Die Stadt war rundherum mit dicken Mauern gesichert und von hier aus sah man auch die dicken und dunklen Mauern des Grenzwalles.
Mit wachem Blick durchquerte sie eines der Stadttore und irrte dann den Tag über neugierig, wie auch von der Fülle der auf sie herabstürzenden Eindrücke erschlagen, durch die Gassen.
Immer wieder sah sie Soldaten, die mit blankpolierten Küraßen an sie diszipliniert und geordnet vorbeischritten, sie dabei nur eines kurzen, einschätzten Blickes beachtend. Dazu den ein oder anderen Bettler, der hier am Ende der galadonischen Welt seine Träume verloren hatte und sein Leben im Alkohol langsam erstickte. Kinder, die auf der Strasse spielten, Handwerker, die ihrer Arbeit nachgingen - das stetige Hämmern der Schmieden, das Sägen von Holz in Schreinereien, die Rufe nach einem Knecht oder Lehrling und der verlocktende Duft von frischgebackenem Brot aus den Küchen der Tavernen.
Ohja, Brot... sie hatte Hunger, denn sie hatte nur wenige Vorräte noch mitnehmen können und die waren auf den Weg nach Grenzfest rasch aufgebraucht gewesen. Als sie den Markt der Stadt erreichte, verstärkte sich ihr Magenknurren noch mehr - sie sah Stände mit frischem Obst und Gemüse, einen Stand mit Brot und anderen Backwaren, dann wiederum einen, wo Würste und Schinken feilgeboten wurden. Mit einem Seufzer rieb sie über ihren weiterhin knurrenden Magen und schritt auf den Wurststand zu, wo sie den Verkäufer fragte, was er für die Wurst haben möchte. Er nannte ihr einen Preis, doch sie konnte natürlich nicht zahlen - sie hatte keinerlei Geld, denn in ihrem Dorf war es stets üblich gewesen zu tauschen. Das versuchte sie nun auch hier, aber der Verkäufer zeigte ihr bloss einen Vogel und scheuchte sie dann fort. Auch bei den anderen Ständen versuchte sie es auf diese Weise ähnlich erfolglos, doch sie hatte auch kaum Brauchbares zum Tauschen bei sich.

Enttäuscht liess sie sich auf eine der Bänke am Markt nieder und sah weiterhin hinüber zu den Ständen mit ihrer verlockenden Auslage.
Es blieb ihr nur noch eines übrig und so erhob sie sich nach einer Weile des Nachdenkens und Abwägens langsam und ging zu einem der äusseren Stände, der nicht weit von einem Haus entfernt stand, wo wiederum eine Gasse entlang ging. Kurz drückte sie sich in den Schatten, den das Haus in diese enge Gasse warf und blickte hinüber zu dem Stand mit dem Obst - pralle, rote Äpfel lagen dort aus und ehe sie sich versah, rannte sie auch schon los und griff zu einem der Äpfel, um dann wieder rasch kehrt zu machen. Der Verkäufer jedoch schien von diesem Überraschungs-'angriff' weniger überrascht gewesen zu sein und rief sofort laut nach den Wachen. Auch andere Passanten drehten sich nach der eher dünnen Gestalt in der schlichten, braunen Robe um und ein paar von ihnen setzten ebenso zur Verfolgung an.
Sie rannte so schnell sie konnte durch die ihr unbekannten Gassen, hinweg über matschige Strassen, vorbei an teilweise schiefen Häusern, ehe sie in einer Sackgasse landete. Gehetzt sah sie an der Hauswand vor ihr entlang, die ihr den erhofften Weg in die Sicherheit versperrte, doch dann drehte sie sich um, als sie die Rufe hinter sich hörte.
"Wir haben den Dieb!"

Die Nacht über hatte sie zumindest einen Schlafplatz - der Pranger am Markt, in einem nicht allzu bequemen Käfig in luftiger Höhe...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 21.04.05, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 15.03.05, 10:05 
Einsiedler
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'Romantiker...' schnaubte sie leise und liess sich auf ihrem Fellumhang nieder, den sie nahe einer der Klippen bei Brandenstein auf den Boden gelegt hatte. Über ihr prangten die Sterne, wie auch die Monde.
Ein paar dünne Äste legte sie auf einem kleinen Haufen übereinander, blickte dann starr hinab auf das Gehölz, blinzelte nicht dabei, während sie ihre rechte Hand mit dem Handteller nach unten über den Haufen hielt. Die Luft zwischen dem Geäst und der Hand flimmerte etwas, dann züngelten Flammen an ihrer Hand entlang und ohne ihre Miene zu verziehen, senkte sie die brennende Hand langsam hinab, um das Holz anzuzünden.

So rasch, wie die Flammen gekommen waren, verschwanden sie auch wieder von ihrer Hand, während neben ihr nun ein kleines Feuer brannte. Sie blinzelte etwas und atmete tiefer und entspannter durch, sah von ihrem Platz aus hinaus aufs Meer, dass vom silbernen, hellen Licht des Astreyons beschienen wurde.

Wie viele mochten wohl nun ebenso wie sie irgendwo sitzen, doch im Gegensatz zu ihr, nicht alleine? Und wieviele würden nun in dieser doch recht angenehmen Vitamanacht sich kopflos in ihr romantisches Verderben stürzen?

Es würde dir gefallen, oder? Jemand, der auf dich achtgibt, dir beisteht, wenn es dir wieder schlecht geht oder du zweifelst, nicht wahr? Und gib es doch zu - du zweifelst oft und kannst doch nirgends Rat holen, weil du niemandem vertrauen magst...

Vergiss nicht, was in Grenzfest geschah - Liebe ist ein anderes Wort für Egoismus. Ich will dich, nur für mich und so weiter... Und am Ende steht man da mit gebrochenem Herzen, weil man es zu weit geöffnet hatte. Mach es wie er damals - nimm dir, was du haben willst und breche am Ende alle Versprechen, die dich zu deinem Ziel führten...

Sie zog die Mundwinkel kurz nachdenklich hinab - eigentlich war es ihr doch egal, was die anderen nun tun mochten. Sie würden noch sehen, wo es sie hinführt.

Sie dagegen hatte ihre Erfahrungen schon gemacht...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 15.03.05, 10:25, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Schatten der Vergangenheit III
BeitragVerfasst: 18.03.05, 02:35 
Einsiedler
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Blut tropfte langsam an ihrem Dolch hinunter, während sie mit versteinerter Miene hinabsah auf den Körper, der vor ihr lag - ein Mann, mit seinen 24 Morsan nur wenig älter als sie, die schwarzen Haare durchnässt von dem Regen, der auch über ihr Gesicht rann, seine braunen Augen noch weit vor Entsetzen über seine Niederlage aufgerissen, doch kein Leben war darin mehr zu erkennen.
Hatte sie wirklich gesiegt?
Nein, letztendlich hatte er über sie gesiegt und so warf sie mit einem leisen, gequälten Schluchzer den Dolch fort, ehe sie davonlief - nur noch verschwinden, die Gassen dieser unseligen Stadt, so weit im Osten Galadons, verlassen, wo es doch erst so aussah, als würde sich alles zum 'Guten' wenden...

***

Sie hatte das Stehlen erstmal sein lassen - der Aufenthalt im Pranger war unangenehm prägend gewesen. Sie, die sonst die Freiheit so schätzt, hatte eingepfercht in einem Käfig gesessen und war den mal höhnischen, mal feindseligen Blicken anderer ausgesetzt gewesen. Als sie dann wieder frei war, wurde sie noch gewarnt - wenn man sie wieder erwischen würde, würde sie gebrandmarkt werden, auf dass man sie für den Rest ihres Lebens als Diebin wiedererkennen würde.
Sie musste sich wohl oder übel diese Warnung zu Herzen nehmen und so entschied sie sich in die Reihen derer einzugliedern, die es vorzogen, jammernd oder einfach nur still am Strassenrand bei Wind und Wetter zu hocken, die Hand aufzuhalten und zu hoffen, dass jemand eine Münze für sie erübrigte.
Tage verbrachte sie damit, kaum jemand gab ihr etwas, bis eines Tages ein Mann in schlichter, aber doch recht guter und sauberer Kleidung daherkam. Die langen, schwarzen Haare hatte er feinsäuberlich zu einem Zopf gebunden, sein Bart war gestutzt und gepflegt und aus seinen braunen Augen sah er mit einer Mischung aus Neugierde und wohl auch Mitleid zu dem fröstelnden, hungrigen Wesen auf dem Strassenboden hinab, was sie nun nur noch war. Ein Lächeln legte sich auf seine Züge, als sich ihre Blicke begegnete. Er reichte ihr seine Hand hinüber und sah sie auffordernd an.
"Nun? Willst du dir nicht ein paar Dukaten verdienen?" Ein dreckigeres Grinsen stahl sich auf seine Züge.
Einen Moment lang sah sie unverstehend auf seine Hand, ehe es ihr langsam dämmerte, was er von ihr wollte.
Trotzig sah sie wieder auf zu ihm.
"Vergiss es, schieb ab," murmelte sie.
Leicht hoben sich seine Brauen, während er nur langsam seine Hand wieder zurücknahm.
"Ah, verstehe - eine ehrbare Bauerstochter, die für ein paar moralische Werte lieber verhungert, anstatt ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, hm?"
Der Hohn in seiner Stimme war kaum zu überhören.
Sie senkte ihren Blick hinab zu Boden, zog ihre Beine an und umschlang diese mit ihren Armen, der trotzige Blick wankte jedoch einen Moment lang, denn der Hunger nagte an ihr schon seit Tagen.
"Nun, ich werde für euch eine Rose niederlegen, wenn ich euch verhungert hier irgendwo liegen sehen werde," sagte er noch und wandte sich mit leicht erhobenem Haupte um, "gehabt euch wohl."
Er schickte sich gerade an zu gehen, als sie eine Hand rasch hob, den Kopf ebenso mit zerknirschter Miene.
"Wartet..."

*

"Ich könnte dir alles zeigen, was du wissen musst," flüsterte seine tiefe, samtige Stimme in ihr Ohr, während sie seine Wärme und Nähe noch spürte, die Augen dabei geschlossen hielt.
"Du würdest eine wahre Meisterdiebin werden, kein Schloss wäre vor dir mehr sicher. Was du haben willst, kannst du bekommen. So wie ich es kann." Sein hinterhältiges Grinsen bei seinen letzten Worten sah sie nicht, stattdessen nickte sie nur und seufzte leise und zufrieden auf, während sie sich an seiner Seite einrollte.
Eine Woche war nun vergangen, seitdem er sie auf der Strasse beim Betteln angesprochen hatte. Sie war auf sein Angebot eingegangen und es hatte sich mehr entwickelt. Als er ihr nun in dieser Nacht, vor wenigen Stunden, seine Liebe geschworen hatte, hatte ihr Herz vor Glück rascher pulsiert. Die letzten Tage hatte er sich mehr und mehr um sie gekümmert - sie in sein Haus aufgenommen, sie neu eingekleidet, ihr sogar eine bronzene Kette mitsamt einem Rosenanhänger geschenkt und sie hatte genug zu Essen gehabt.
Ja, sie war glücklich - sie sah sich mit ihm hier in Grenzfest schon auf ewig als Paar. Zwei Diebe, die sich in der Stadt bedienen konnten, wie sie wollten und ihm zur Seite standen wohl noch ein paar weitere Diebe, Schmuggler, Hehler und Schläger, die auf sein "Kommando" hörten.
"Gerne," murmelte sie noch leise, ehe sie einschlief.

*

Zwei Monde waren vergangen. Mehr und mehr hatte sie von ihm gelernt, seine Tricks und Kniffe. Ablenken von Passanten, kleine Taschenspielertricks, der Wert von Edelsteinen und Schmuck einschätzen und noch mehr erwartete sie in ihrer 'Ausbildung'.
Nun stand sie vor dem dunklen Haus, sah hinauf zu den Monden, die sich hinter vorbeiziehenden Wolken immer mal wieder versteckten und so diese Nacht nur wenig Licht spendeten. Er hatte sie gebeten, hier Schmiere zu stehen - die Stadtgarde ging auch nachts mit einer kleinen Gruppe auf Patrouille und achtete dabei durchaus auch auf die Häuser, ob nun Fenster offen standen oder sonstwas verdächtig schien. Sie hatte sich in den schützenden Schatten eines alten Kastanienbaumes zurückgezogen und hielt die Strasse vor dem Haus im Auge, während er sich im Haus mit zwei seiner Leute umsah.
'Es dauert schon recht lange,' dachte sie bei sich. Normalerweise gingen die Einbrüche mit ihm recht fix. Nachdenklich sah sie hinauf zu dem Balkonfenster, wo die drei nach einer Kletterpartie über die Kastanie hin zu dem Balkon eingestiegen waren. Ob sie mal nachsehen sollte?
Kurz sah sie sich um, doch nirgends war eine der Nachtpatrouillen zu sehen. Dann stieg sie den Baum so leise wie möglich hinauf, robbte sich an einem dicken Ast geklammert näher an das Haus ran und sprang dann hinüber zu dem kleinen Balkon, um leise einzutreten.
Sie lauschte - kein Laut war zu hören und so schritt sie vorsichtig weiter durch den Raum, dabei ihre Hände leicht vor sich streckend, um nicht gegen etwas zu stossen. Die Monde tauchten zum Glück wieder auf und es wurde etwas heller um sie herum, so dass sie eine Tür finden konnte, die auf einen Gang führte. Auch hier sah sie entlang, lauschte, doch es war nichts zu hören und ebenso wenig was zu sehen, was auf ihn und seine Kumpanen hinweisen könnte. Eine Hand legte sie an die Wand, während sie bemüht leise durch den Flur schritt.
Dann aber hörte sie etwas - ein lautes, schrilles Bellen eines Modehündchens, wie es sich nur die Reichen leisten konnten, kam von unten aus dem Erdgeschoss. Augenblicklich hörte sie aus den Schlafzimmern, die zu diesem Gang, auf dem sie sich noch befand, führten, Geräusche von knarrenden Betten, Rufe, kurze Zeit später riss jemand unweit von ihr eine Tür auf, Licht wurde angezündet und sie drückte sich ängstlich an die Wand. Irgendwer war wohl noch in der Eile an ihr vorbeigerannt, mit lautem "Diebesgesindel!"-Ruf eine Treppe hinabgeeilt, dabei ein Schwert in der Hand haltend. Doch ehe sie überhaupt zu dem Entschluss kam, so rasch wie möglich den Rückweg anzutreten, wurde sie auch schon an ihrem Hemdskragen gepackt.
"Wir haben einen erwischt..." ruppig wurde sie umgedreht, die Person, ein recht grosser und kräftiger Mann, musterte sie kurz.
"Naja oder eine, sofern man das richtig sehen kann." Ein mieses Grinsen, dann folgte von ihr aus ein Schlag mit der Faust in genau jenes Grinsen und der Griff an ihrem Kragen lockerte sich, während der Mann zurücktaumelte.
Sie rannte zurück zu dem Zimmer, aus dem sie gekommen war, doch ehe sie zu dem Balkon stürmen konnte, hörte sie ein Zischen hinter sich und wie sich ein stechender Schmerz in ihren Rücken bohrte... dann wurde ihr schwarz vor Augen, während sie zu Boden fiel.

*

Kalt war es, nur ein wenig hartes und stinkendes Stroh lag in einer Ecke ihrer dunklen Zelle. Auf Kaution würde man sie freilassen, hiess es. Ansonsten würde man sie fürs erste festhalten und nach zwei Monden in ein Bergwerk in die Drachenschwingen schicken, wo sie, in Ketten gelegt, arbeiten müsste für einige weitere Monde.
Nun, die Kaution würde er sicher zahlen können, dachte sie, als sie das Urteil hörte und so arglos wie sie damals war, hatte sie auch noch gehofft, er würde in dem 'Publikum' sitzen, was im Gericht anwesend war. Natürlich verkleidet, weshalb sie ihn ja auch nie hätte erkennen können...

Zwei Monde später wurde sie früh am Morgen geweckt, Ketten wurde ihr angelegt und sie wurde an einen anderen Häftling angekettet, der wiederum an einen anderen hing und so weiter.
Warum war er nicht aufgetaucht? Oder war ihm das gleiche Schicksal sogar widerfahren? Vielleicht hatten sie sogar mit ihm kurzen Prozess gemacht?
Jegliche Hoffnung fahren lassend folgte sie dem Zug mehr oder minder freiwillig - die Ketten zogen sie meist eher mit.

*

Sie sah mehr wie ein Schatten ihrer selbst aus, als sie Grenzfest nach einem Mond wieder erreicht hatte - ausgemergelt, von Husten und Rückenschmerzen geplagt. Sie hatte alles ertragen, was dort mit den Häftlingen angestellt wurde. Letztendlich hatte sie sich überwunden und einen der Aufseher nach allen ihr verhassten Regeln der Kunst becirct und verführt. Er war es, der sie freiliess und es so vortäuschte, als hätte sie ihn brutal überwältigt und die Schlüssel gestohlen.

Sie hatte sich einen auf dem Weg nach Grenzfest von einer Wäscheleine stibitzten Umhang übergezogen, die Kapuze von diesem tief in ihr Gesicht geschoben und ging so mit gesenktem Haupt durch die weniger bevölkerten Gassen und den ihr bekannten Schleichwegen. Heim wollte sie - oder zumindest nachsehen, ob dort einer seiner Leute noch leben würde.
Sie spähte durch eines der Fenster - innen sah es noch so aus wie zuvor, dann aber ging die Haustür auf und sie drückte sich erschrocken an die Wand ran.
Er kam heraus, hielt eine zierliche Hand, küsste jene, lächelte in das Gesicht einer schönen Blondine, die ihm mit einem nicht minder liebevollen Blick bedachte.
"Komm, Liebling, schauen wir mal, ob Meister Eduard die Kleidung für dich fertig hat."
Die beiden sahen die Gestalt nicht, die sich angespannt an die Hauswand presste, sich nicht regte, bis auf die Fingernägel, die sich in die Steine des Hauses verkrallten, bis die Fingernägel fast weisslich anliefen.
Als die beiden in eine Gasse gebogen waren, löste sie sich endlich und sah nur noch fassungslos auf den Punkt, wo sie sie um die Ecke hatte biegen sehen.

***

Ja, er hatte seine Flucht geschafft, trotz des lärmenden Schosshündchens. Sie war die einzige, die gefangen genommen werden konnte, während die anderen mit der Beute Fersengeld gegeben hatten.
Nein, es hatte ihn nicht gekümmert, was mit ihr geschehen war - ein Verlust halt, wie er üblich ist. So ist das Leben - mal gewinnt man, mal verliert man.
Andere Mütter haben übrigens auch schöne Töchter...

All die Sorgen diese drei Monde lang waren umsonst gewesen. All ihre Mühen in dem Bergwerk und die ekelerregenden Umstände, wie es zu ihrer Flucht kam.
Sie hatte ihm Rache geschworen, ihn gestellt, zu einem Kampf aufgefordert und ihm dort das einzige Geheimnis anvertraut, was sie ihm bisher noch verschwiegen hatte - Schatz, ich bin mit den Geistern im Bunde.. du hast keine Chance mehr... und so legten sich Ranken um ihn, hielten ihn fest, während sie den Dolch in sein Herz stiess.
Mochte sie es ihm so körperlich brechen. Ihres war zumindest seelisch zerbrochen.


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BeitragVerfasst: 24.03.05, 03:10 
Einsiedler
Einsiedler

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Übelkeit, Misstrauen, für einen Moment auch Angst, als sein Dolch an ihrem bloßen Rücken entlangfuhr und immer wieder der Hass, der in ihr aufloderte. Immer wieder der gleiche Schwur - Ich töte dich! Ich töte dich!

Zusammengerollt lag sie auf einigen Fellen, lauschte den Geräuschen der Nacht - das gleichmässige Schnarchen, das von ihm, dem sie so oft heute den Tod geschworen hatte, stammte, dann und wann ein leises Krabbeln irgendwelcher Tiere, das leise Rauschen des Windes in den Bäumen draussen, das auf sie wie das unheilvolle Klagen und Heulen gequälter Seelen klang und dazu das stetig feste, aber auch noch rasche Schlagen ihres Herzens.

Ja, er hatte recht - sie war schwach gewesen. Viel zu schwach und nun hatte sie ihre Lektion gelernt. Was auch immer er mit ihr angestellt hatte - es hatte seine Wirkung, auch wenn sie es ihm gegenüber nie zugeben würde, nicht verfehlt. Vorsichtiger musste sie nun sein, damit nie wieder jemand sie so schwach in die Finger bekommen würde und vor allem, dass er sie nie wieder so schwach sehen würde. Keinen Moment lang mehr würde sie ihr Misstrauen ihm gegenüber aufgeben, denn sie war schon zu vertrauensselig geworden...
Wieder flammte der Hass auf, als sie an seinen Kuss dachte - nichts weiter als ein ekelhaftes Spiel für sie, noch ein Grund mehr ihm den Tod zu wünschen.

Unruhig drehte sie sich herum, schlang ihre Arme um sich, während sie einer dunklen Stimme lauschte, die sie mit ihren unheilvollen Verlockungen langsam in den Schlaf wog...


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BeitragVerfasst: 21.04.05, 23:39 
Einsiedler
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Diese Augen.. diese Augen...
So schwarz, so leer... wie sie sich vergrösserten, wie es sie anzog und doch voller Entsetzen abstiess!
Sie strampelte, stemmte sich verzweifelt gegen das Nichts um sie herum und doch wurde sie weiter angezogen.. aufgesaugt... von diese Augen!

Keuchend erhob sie sich und sah die dunkle, lange Wendeltreppe entlang, stieg langsam hoch.
Stufe um Stufe... ewig lang... dann hielt sie an - vor ihr fehlten Stufen, nur das Geländer an den Seiten war noch vorhanden.
Sie wollte weiter hoch!
Aber wie...?

Wieder diese Augen... gross, finster und doch anziehend.
Sie wollte fliehen... doch es ging nicht, sie griff zu ihrem Dolch, hob ihn an, bereit zuzustechen...




Mit einem Keuchen erwachte sie schweissgebadet, den Dolch in ihrer Hand erhoben, so als wollte sie etwas vor sich erstechen. Doch dort war nichts bis auf den silbernen Glanz des Astreyon, der in den oberen Raum des Hafenkrans fiel.
Ihr Herz schlug rasend schnell, ihr ganzer Körper war mit Schweiss bedeckt, vor ihren Augen flimmerte es, bunte Lichter tanzten auf und ab und ihr Mund war entsetzlich trocken.
Das war schon das vierte Mal in den letzten Tagen, dass sie so aufwachte und immer waren es diese Augen, die sie anstarrten und sie an sich zogen. Und dann war dort auch immer diese seltsame Treppe...

Mit einem Seufzer lehnte sie ihren Kopf an die Wand neben sich. Die Veränderungen der letzten Wochen waren nicht spurlos an ihr vorübergegangen - sie fühlte, wie sie innerlich wuchs, aber auch, wie etwas an ihr zerrte und immer wieder lockte.
Wenn sie im Dunkeln unter dem freien Himmel herumspazierte, dann spürte sie, wie der Dorrayon sie betrachtete, beobachtete, sie ständig verfolgte... und selbst jetzt, hier in diesem kleinen Holzgebäude, glaubte sie zu spüren, wie der Blick des finsteren Auges durch die Holzwand auf sie fiel.
Zwar wollte sie bald ihr Ritual durchführen und seine Kraft in ihr steigen lassen, seine Aufmerksamkeit geniessen, doch andererseits kam in ihr auch noch immer dann und wann ein leichtes Entsetzen hoch, wenn sie seinen Blick spürte.
Noch war die andere Seite in ihr stark... noch spürte sie das Grauen dieser Seite...

Zwei Seiten, derer sie sich die Jahre zuvor nie so recht bewusst gewesen war...

Acht Jahre lang hatte sie sich kaum um ihre Kräfte geschert, sie genutzt, wenn sie nötig waren, doch meist war sie damit beschäftigt, sich irgendwo etwas aufzubauen - stets mittels kriminellen Aktionen - ehe sie wieder weiterreisen (oder eher fliehen) musste.
Hier hatte sie einen Lehrmeister, auch wenn sie ihn im Moment seltener sah, kürzlich sogar lieber mied.
Hier lernte sie mit Hilfe der Geister ihre Umgebung zu manipulieren... nicht selten hatte sie sich gewünscht, sie hätte das schon in Galadon gelernt.
Acht Jahre, in denen es nur selten Augenblicke gegeben hatte, die ihr gezeigt hatten, wer sie wirklich war, über welche Kräfte sie wirklich gebieten konnte.

Nur langsam fielen ihre Augen zu, während sie begann, an etwas zurückzudenken... sich wieder zu erinnern...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 21.04.05, 23:42, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Schatten der Vergangenheit IV
BeitragVerfasst: 4.05.05, 02:00 
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Ihr Körper schmerzte, jedes einzelne Glied, jeder Knochen meldeten ihr, dass sie über einen Körper verfügte, dass sie lebte.
Keuchend krümmte sie sich in der dunklen Ecke irgendeiner Gasse zusammen, während sich die Dunkelheit über die Stadt legte, spürte, wie die Kälte ihr noch zusätzliche Schmerzen bereitete, wie die Nässe auf ihrer Kleidung langsam gefror... sie wünschte sich in dem Moment den Tod zurück!

Warum musste es soweit kommen?

***

Ein paar Jahre waren seit den Geschehnissen in Grenzfest vergangen. Jahre, in denen sie ziellos durch Galadon gereist war. Erst Richtung Westen, von Dorf zu Dorf, durch manche Kleinstadt hindurch, dann etwas Richtung Süden, durch das bürgerlich-ruhige Herzogtum Savaro, wo sie in manchem Garten sich mit Proviant eindeckte, von mancher Wäscheleine die frisch gewaschene Wäsche klaute und sich so recht sorglos mit allem, was sie brauchte, eindecken konnte.
Doch lange mochte sie hier nicht verweilen - rasch misstraute man ihr, wenn sie in den Schenken und Gasthäusern der kleinen Ortschaften auftauchte, mit einigen Dingen handelte, bei denen die Leute durchaus richtig lagen, wenn sie sie des Diebstahls verdächtigten. Doch Beweise hatten sie zum Glück nicht, verhökerte sie die in einem Dorf stibitzten Gegenstände - die sie auch schon mal aus einem Haus entwendete, was naiverweise nicht abgeschlossen war oder wo sie durch eines der Fenster einstieg, den möglichen Hund mit einer durch Pflanzengift vergiftete Wurst ruhigstellte - bevorzugtermassen im nächsten oder gar übernächsten Dorf.
In diesem blieb sie meist nur wenige Nächte, verkaufte etwas, zahlte damit ein Zimmer in einem Gasthaus ab, ebenso wie das warme Essen und vor allem den Alkohol, stieg des nachts wieder in die Häuser ein und war dann rasch wieder aus dem Ort verschwunden.

Das Herzogtum Taras war schon eher nach ihrem Geschmack - sie hatte schon in Morgenthau von diesem Landstrich gehört. Fahrende Schausteller würden hier oft umherziehen und die Leute mit ihren Künsten unterhalten... und natürlich kam auch stets die Warnung hinterher, dass solchen Leuten einfach nicht zu trauen wäre. Zwielichtiges Pack, Halunken, Betrüger durch und durch - auf der einen Seite unterhalten sie, auf der anderen Seite sind ihre Kinder und andere geschickte Langfinger unter ihnen damit beschäftigt, einem die Geldkatze zu leeren oder einen Beutel vom Gürtel abzuschneiden. Das klang ausgesprochen vielversprechend für sie...

Auf den Strassen von Taras war der Anschluss an so eine Gauklertruppe rasch gefunden. Ob sie Kunststückchen könne, fragte man sie. Gewiss konnte sie manches, was sicher einen einfachen Bauern in Erstaunen versetzen würde, doch fragwürdig, ob sie damit nicht zuviel von sich preisgeben würde. Sie verneinte die Frage, doch gab an, dazulernen zu wollen.
Unter den Gauklern begann sie dann ein paar kleine Tricks zu erlernen - vornehmlich Kartentricks oder wie man mit Glücksspielen, die gar nicht so sehr auf Glück, sondern vielmehr auf flinke Finger, beruhten, an Geld kommen konnte.
Eine Weile reiste sie mit ihnen mit, nebenher ging sie weiterhin dem ein oder anderen Einbruch nach, sofern die Truppe nicht zu lange an einem Ort verweilte, ehe sie Ventria erreichten.

Hier trennte sie sich von der Truppe, denn neue Chancen offenbarten sich ihr hier, als sie Kontakte zu einer Bande knüpfen konnte, die Geld aus einigen Ladenbesitzer quetschten und auch sonst sich die Erpressung als eines ihrer Geschäftsziele auserkoren hatten.
Eine Weile arbeitete sie für die Bande, ehe diese Gefahr lief aufzufliegen und zu einer anderen Gruppe rüberwechselte. Mehrmals wechselte sie die Banden, nicht selten war sie der Grund, warum sie aufflogen, denn es war oft ihre Gier, die sie dazu trieb, mehr oder minder grosse Fehler zu begehen und nicht selten war ihr das Schicksal derer, zu denen sie Anschluss gefunden hatte, egal, solange sie mit heiler Haut davonkommen konnte.
Doch irgendwann wurde auch ihr Gesicht langsam bekannter und so war eine Flucht bei Nacht und Nebel aus Ventria nach knapp über einem Jahr unumgänglich geworden.

Meist alleine reiste sie weiter gen Norden, machte nur kurz in Rothenbucht halt, denn es gab eine Stadt, von der sie schon in Grenzfest gehört hatte und die laut den Berichten, grösser, schöner, prachtvoller als alle anderen Städte Galadons oder gar Falandriens zu sein schien. Grenzfest war bisher die grösste Stadt gewesen, die sie besucht hatte. Rothenbucht, mit seinen rötlichen Felsen, an denen die Häuser gebaut wurden, war von der Grösse und dem Anblick her auch nicht zu verachten gewesen, aber Draconis, so sagte jeder, wäre noch gewaltiger... Kaum vorstellbar für sie, die die ersten zwei Jahrzehnte ihres Lebens in einem kleinen Bergdorf in den Drachenschwingen abseits jeglicher Zivilisation verbracht hatte.
Dort, in Draconis, so sagten die einen, würde man sein sein Glück finden und wer es dort schafft, etwas zu werden, der kann überall was werden und ist überall eine angesehene Person.
Andere wiederum warnten sie - Draconis wäre ein riesiger Moloch. Armut an allen Ecken, Dreck, Lärm, die Strassen und engen Häuser überfüllt. Das Elend würde dort von den Reichen und Adeligen der Stadt geschickt unter den Teppich gekehrt werden. Gerüchte besagten gar, dass es mal menschliche Rattenfänger gegeben haben soll, die beauftragt wurden, die Kranken, Alten und auch sonst die meisten schwachen und armen Menschen zu jagen und zu töten. Das jedoch erzählte man sich stets hinter vorgehaltener Hand, denn diese Menschenjäger wurden wohl von der königlichen Verwaltung eingesetzt. Kurzum: in Draconis lauerte der Tod... wie recht sie doch hatten...

Nun, zu den Ärmsten gehörte sie nicht - dank ihrer Einbrüche und Betrügereien hatte sie ein kleines Vermögen bei sich, was für den Anfang sicher reichen würde, um sich etwas einzuleben und so reiste sie mit grossen Erwartungen Richtung Draconis.

Die Strasse, die auf die Stadt zuführte, wurde ab Wegenstein immer breiter, immer besser ausgebaut. Immer öfter sah sie prachtvolle Kutschen, wie auch einfache Ochsenkarren. Immer mehr Menschen sah sie auf den Weg in die grosse Stadt und je näher sie Draconis kam, desto öfter erreichte sie ein Dorf, was sich in der günstige Nähe zu der grossen Hauptstadt des Königreiches, gebildet hatte.

Das erste, was sie von Draconis sah, war ein Randbezirk, der eher ländlich geprägt war - einige Bauernhäuser standen hier, versorgten so wohl die Stadt mit Nahrung, dazu eine Windmühle, einige Felder, die nun, Ende Carmer, abgeerntet waren oder noch abgeerntet wurden und Wiesen, auf dem gut genährte Kühe, Schweine, Schafe oder Ziegen grasten. Die Häuser waren noch grösstenteils vom zwanzigsten Carmer her geschmückt, denn an diesem Tag dankten traditionell die Bauern gerne der Göttin Vitama für die reichen Gaben, mit denen sie sie beschenkt hatte.
Sie durchwanderte diesen Bezirk und je näher sie eines der schon von weiten sichtbaren, gewaltigen Stadttore kam, desto enger standen auch die Häuser zusammen, desto seltener standen am Wegesrand Felder oder Weiden. Dafür fand man hier, näher an der Stadt, mehr und mehr Werkstätten von Handwerkern vor. Metzger, Bäcker, Schreiner, Schnitzer, Weber, Schneider, Gerber, Färber und noch andere mehr hatten hier ihre kleinen, aber durchaus prachtvollen Fachwerkhäuser.

Dann aber durchschritt sie endlich eines der vielen Tore, durch das man in den inneren Bereich der Stadt kam und die ringsum in der Stadtmauer zu allen Himmelsrichtungen eingelassen waren.
Wachen standen hier, sahen sich jeden, der in die Stadt trat, an, dann und wann hielten sie gar jemanden an, kontrollierten, was dieser unter den Tüchern oder in den Kisten auf seinem Karren hatte oder wiesen auch mal jemanden an, seine Waffe einzustecken.
An der Stadtmauer glichen die Häuser noch eher denen, die sie auch ausserhalb gesehen hatte, doch mit jedem weiteren Schritt tiefer in diese gewaltige Stadt hinein, wuchsen die Häuser weiter an, standen dichter beisammen und wurden schmaler.
Die Geräusche der Stadt schwollen an - die teilweise recht angeregten Gespräche der Menschen oder auch gar Elfen, die ebenso die Stadt hier bewohnten, das Hämmern auf einem Amboss in den Schmieden, dazu das Kläffen von Hunden, das Lachen von Kindern, die Ausrufe eines Herolds, das Klappern der einfachen Karren auf dem leicht unebenen Pflaster.
Fasziniert tauchte sie in dieses Gewirr von Menschen und Häusern ein, wendete ihren Kopf stetig herum, bemüht jedes Detail, was sie sah, alles was sie hörte, in sich aufzunehmen. Sie war begeistert, denn hier war alles grösser, schien mit Möglichkeiten für sie nur so angefüllt zu sein... und merkte nicht, wie ein geschickter Dieb ihr, als sie wohl einen Moment auf dem Cumarplatz mit einer Statue des einstigen Königs Cumar I. Ap Morn verharrte und sich dort umsah, ihren Geldbeutel aus ihrer Gürteltasche stahl.
Erst, als sie sich, nach der langen Wanderung hungrig geworden, ein wenig Brot bei einem Bäcker kaufen wollte, bemerkt sie den Diebstahl. Es war glücklicherweise nicht all ihr Geld gewesen, hatte sie doch auch in ihrer Tasche noch etwas, doch schon ein beträchtlicher Betrag. Eilig verliess sie die Bäckerei wieder, sah sich einen Moment lang hilflos in den Gassen um, doch sie wusste nicht mal, wo ihr das Geld geklaut wurde... ein Willkommensgruss der etwas anderen Art.

*

Fast anderthalb Monde waren vergangen, seitdem sie Draconis erreicht hatte. Sie hatte sich mehr oder minder eingelebt. Der Diebstahl hatte ihrer anfänglichen Freude doch einen herben Dämpfer verpasst und hinzu kam die Schwierigkeit beim Wiederbeschaffen von neuem Geld - die Bewohner dieser Stadt waren misstrauischer als jene Naivlinge, wie man sie beispielsweise in Savaro finden konnte. Wer es sich leisten konnte, hatte einen oder mehrere Hunde, hervorragende Türschlösser oder gar eine eigene Wache für das Haus und wer es sich nicht leisten konnte, war auch selten ein lohnenswertes Ziel zum Ausbeuten.
So gestaltete sich ihr Anfang reichlich holprig und dann und wann griff sie auf das schlichte Betteln zurück. Doch dort, wo Bettler geduldet wurden, sassen genug von dieser Sorte und so gab es nur wenig Dukaten und dort wo keine von ihnen sassen, war das Betteln nicht gestattet und auch hier, unten den Armen dieser Stadt, hielt sich das Gerücht vom Menschenjäger ausgesprochen hartnäckig.
Ob sie diesem schon begegnet wären?
Nein, denn wenn sie es wären, so ihre Antwort, würden sie ja nicht mehr leben... jedoch gab es durchaus wenige Male Zeugen, die einen Toten fanden, den man offenbar nicht weggeräumt hatte, anstelle der Blutflecken und erstickte Schreie, die sonst auf das für den Jäger erfolgreiche Ende der Jagd hingedeutet hatten.

Es war nun Anfang Seker und die Stadt versank die meiste Zeit in tiefem Nebel, der die Strassen und Häuser grauer als sonst wirken liess. Feucht war die Luft, kalt noch dazu, doch sie konnte sich dank ihren Verbindungen zu mehreren Banden ganz gut durchschlagen. Mehrere Identitäten hatte sie nun sogar angenommen, verkleidete sich regelmässig, verstellte ihre Stimme, änderte ihre Haltung - je nach dem, mit welcher Bande sie es gerade zu tun hatte.
Sie profitierte so von gleich mehreren Kontakten und kam so an ausreichend Nahrung, Geld, Alkohol und Tabak. Reich war sie wahrlich nicht und hatte noch längst nicht den Lebensstandard erreicht, den sie zuvor auf ihrer Reise pflegen konnte, aber es reichte für ein kleines, enges Zimmer in einer billigen Absteige in einem der Elendsviertel von Draconis.

Hier standen allerlei mehr schlecht und schief gebaute Häuser, die ständig wohl um ein weiteres Stockwerk erweitert worden waren - eine Falle für viele, sollte mal ein Feuer ausbrechen...
Die Strassen in diesem Viertel waren nicht befestigt und in diesem Mond, auch gerne der Nebelmond genannt, meist aufgeweicht und matschig. Am Rande dieses Viertels, noch weit genug weg von den besseren Teilen der Stadt, aber nicht mehr so tief im Elend, waren die Gassen der Huren, die dort auf ihre Freier warteten und nicht selten unfreiwillig dafür sorgten, dass dieses Viertel nie kinderlos bleiben würde.

Es war Anfang Seker gewesen, als sie wieder ihren Gedanken in eine der Spelunken nachhing, ein berauschendes Gemisch aus einer Wasserpfeife genoss und in abstrusen Ideen und Träumen versank.
Stimmen flüsterten ihr zu... Verrat.
Warum auch nicht? Es könnte ein interessanter Spass werden, dafür zu sorgen, dass sich ein paar Banden gegenseitig dezimieren würden und wer war besser für diese Aufwiegelei geeignet als sie?
Sie lauschte den Stimmen...
Die nächsten Tage begann sie ihren Plan, der ihr in den Kopf gekommen war, umzusetzen. Gerüchte nahmen ihren Lauf, verbreitete sich dank ihr und ihrem Verkleidungsgeschick unter den Leuten in diesem Viertel, manche wurden gar hinausgetragen, auch an manches Ohr eines Stadtgardisten und sorgten dafür dass Mitte Seker die Gerüchtküche allmählich begann überzukochen.
Amüsiert beobachtete sie die Gespräche mancher Leute, stellte begeistert fest, wie ihr Plan anfing aufzugehen. Immer öfter kam es zu Messerstechereien und gar Mord zwischen den Banden. Immer öfter wurden diese Zwistigkeiten auch hinausgetragen auf die Strassen der benachbarten Bezirke und immer öfter musste die Garde einschreiten, denn es kam sogar einmal vor, dass in Folge dieses Bandenkrieges ein Haus in Brand gesetzt wurde und das Feuer rasch auf die benachbarten Häuser übergriff.

Ihr Werk!

Fasziniert stellte sie fest, was ein paar Gerüchte, ein paar wenige Taten alles in Gang setzen konnte. Ein angenehmes Gefühl von Macht machte sich in ihr breit - sie hatte Menschenleben indirekt in ihrer Hand.
Selbstzufrieden versank sie so in ihrer Welt der unsichtbaren, schmeichelnden Stimmen, während sie eines Abends, es war der dreiundzwanzigste Seker, ein Tag, an dem man vor lauter Nebel gerade so wenige Schritt weit sehen konnte, wieder in einer einfachen Spelunke in einer Ecke sass, den sanften Rausch eines endophalischen Tabakgemisches aus einer Wasserpfeife genoss, als eine Hand sich schwer auf ihre rechte Schulter legte.

Mit schweren Augenlidern sah sie darauf, erblickte einen goldenen Siegelring an dem Ringfinger, der eindeutig einer Männerhand gehörte und sah nur langsam hinauf, als eine dunkle und recht tiefe Stimme zu ihr sprach: "Meine Liebe, ich denke, wir sollten uns mal unterhalten. Mitkommen!"
Recht grob wurde sie an einem Arm gepackt und mühselig folgte sie der Gestalt, leistete nur wenig Gegenwehr, denn ihr Geist war noch immer in anderen Gefilden.
Draussen zerrten irgendwelche Hände sie in eine dunkle Gasse und die Stimmen in ihrem Kopf begannen sich allmählich zu überschlagen, warnten sie und sie mühte sich ab, um aus ihrem Rausch endlich klar aufzuwachen.
Grob drückte man sie an eine Wand und sie atmete tief ein, blinzelte einige Male, ehe sie sich zwei kräftige Ohrfeigen einfing und sie die Realität vollkommen erreichte.

Vor ihr stand einer jener Bandenanführer, ein Mann von etwa Mitte 30, nicht allzu gross, nicht sonderlich stark, doch mit einem Auftreten, dass ohne Frage jegliche Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Flankiert wurde er von zwei Männern, die jeder sie mit einer ihrer kräftigen Hände an die Wand pressten.
"Schön zu sehen, dass du es tatsächlich schaffst, noch vor deinem Ende aus deinem Rausch zu erwachen," zischte der Anführer zu ihr, "wäre ja zu schade, wenn du nicht bei vollem Bewusstsein für deine Taten leiden könntest, nicht wahr?"
Augenblicklich wurde sie bleich um ihre Nase - sie hatte nicht aufgepasst, war offenkundig unvorsichtig geworden und nun war offenbar der Zahltag gekommen. Unangenehm früh...
"Also.. ich glaube," begann sie mit noch vom Rauschkraut schleppender Stimme zu reden, "ihr verwechselt da was. Ich weiss ja nicht..."
"Klappe," donnerte er ihr entgegen, "ich weiss alles! Und ich habe auch mittlerweile genug Beweise dafür, dass du das Ganze langfristig geplant hattest - du hast dich mehreren Banden angeschlossen, nur um dieses Chaos anzurichten. Leugnen kannst du es eh nicht mehr - ich sprach schon mit einigen anderen Personen und dein Zimmer wurde auch durchsucht."
Ein Schauder lief über ihren Rücken - sie hatte sich bemüht, ihren Schlafort stets geheim zu halten, denn im Schlaf ist man stets leichter angreifbar.
Wenn sie ihr Zimmer durchsucht hatten, hatten sie ohne Frage auch einen Teil ihrer Verkleidungen gefunden... es gab kaum noch was zu leugnen und in diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als einfach aus der Stadt verschwinden zu können...

Nun, aus der Stadt selber war nicht möglich in diesem Moment, aber das Verschwinden an sich war dank ihrer Kräfte, nicht unbedingt unmöglich. Sie mussten sie nur loslassen, sie musste nur mehr Platz zum Abhauen haben...
"Los, wir gehen," raunte er den beiden zu, "und haltet sie mir gut im Auge."
Grob stiess man sie vor, sie hörte, wie zwei Armbrüste dann gespannt wurden und ein kurzer Blick über eine ihrer Schultern bestätigte ihr, dass diese Waffen auf sie gerichtet waren.
Dann setzten sie sich in Bewegung und sie bemühte sich um eine gewisse Entspannung und Ruhe in ihrem Geist. Sie brauchte Konzentration für das Rufen jener Geister, die ihren Leib verhüllen und sie so unsichtbar machen konnten.
Eine Weile durchschritten sie die nebligen und teilweise recht dunklen Gassen, als sie dann ihre Hände vor sich anhob, den Blick recht starr geradeaus ins Nichts gerichtet, dann senkten sich ihre Hände rasch hinab, während sie all ihre Kraft auf den Ruf nach den Geistern verwendete und ihr Körper verschwamm mit der Umgebung, während sie eilig zur Seite auswich, denn so alarmiert schossen die beiden Wachen auf sie.
Stimmengewirr, das Platschen von Füssen durch den Matsch und den Pfützen der Strassen, teilweise folgten sie noch den Spuren, gezischte Flüche und immer wieder die Worte "Hexenweib", "Ketzerin", "Zaubererpack".
Doch jeder Schritt liess sie weiter an ihre Reserven gehen, ehe sie mit leichtem Kopfdrücken sich in eine dunkle Hausnische drückte. Keinen Schritt weiter wagte sie mehr zu gehen. Sie ging erschöpft in die Hocke und wartet ruhig ab, den Kopf gesenkt, bemüht, wieder etwas Kräfte zu sammeln.

*

War sie eingeschlafen?

Blinzelnd erhob sie ihren Kopf, fühlte ein gewisses Unwohlsein, einen Kloss im Hals, während sie sich mit kalten und steifen Gliedern erhob. Sie sah auf ihre Hände - sichtbar!
War sie die ganze Zeit so gewesen? Mit Unbehagen sah sie sich um und spürte, wie allmählich der Schmerz im Kopf zurückkehrte. Sie musste so rasch wie möglich aus der Stadt fliehen...
Noch war es dunkel, doch wie spät es war, konnte sie nicht einschätzen, war doch die Sicht auf die Monde durch die dicke Nebelschicht verdeckt.

Eilig und doch um Stille bemüht, huschte sie durch die Gassen, sah sich dabei stets um, bis sie unter dem Bogen einer Brücke anhielt und den Geräuschen ihrer Umgebung einen Moment lang mit angehaltenem Atem lauschte - irrte sie sich oder waren da wirklich neben ihren Geräuschen auch noch die von einer weiteren Person zu hören?
Vorsichtig sah sie sich um, doch nichts war zu sehen. Leicht atmete sie durch, wendete sich herum, war im Begriff weiter zu hasten, als sie das leise Klacken einer Armbrust vernahm, das Zischen von einem Bolzen in der Luft und einen stechenden Schmerz in ihrem rechten Schulterblatt spürte.
Ein ersticktes Keuchen ihrerseits, keine Zeit mehr umzusehen, nur noch um ihr Leben hastend rannte sie los, dabei weiterhin den Schmerz des Bolzens in ihrem Schulterblatt spürend und mit rascher klopfendem Herzen und Entsetzen feststellend, dass zu dem Schmerz sich noch ein stetig zunehmendes Brennen gesellte.
Geradezu kopflos rannte sie durch die Gassen - zumindest aus dem Elendsviertel wollte sie aus. Es wäre auch zu leicht gewesen, wenn sie noch etwas mehr Kraft hätte, um die Geister zu rufen, doch sie war dafür schon zu erschöpft und nun, den Laufgeräuschen hinter sich nach zu urteilen, war auch keinerlei Ruhe und Zeit mehr dafür.

Die kalte Luft, die sie einatmete, schmerzte schon in ihrem Rachen, ihr Herz pulsierte rasend, ihr ganzer Körper wurde überzogen von Schmerzen und ihr Rücken brannte, während sie das Gefühl hatte, ihre Beine wurden lahmer, ihre Glieder schlaffer.
Dann sah sie vor sich wie ein dunkles Band, in dem sich nur vereinzelt die wenigen im Nebel noch gerade so sichtbaren Lichter spiegelten, den Fluss, der durch Draconis floss - der Drac.
Den Geräuschen ihres Häschers nach zu urteilen, holte er immer weiter auf, während sich in ihrem Kopf langsam eine Stimme breitmachte - warum noch weiter kämpfen? Es war doch eh verloren...

Keuchend rannte sie die breiten Stufen, die zum Fluss hinabführten und am Tage von einigen Bewohnern dieses Viertels zum Baden und Wäsche waschen genutzt wurde, hinunter, doch dann fühlte sie einen Schlag in ihren Rücken, stürzte hinab zu Boden auf eine der Stufen und eine Hand packte sie im Nacken.
"Du bist eine zähe Beute," erklang eine Stimme leise und schnarrend nahe an eines ihrer Ohren und sie versuchte einen Blick auf ihren Verfolger zu ergattern - eine dunkle Kapuze trug er, die ihm weit ins Gesicht hing, den Mund und die Nase mit einem dünnen Tuch verborgen, die restliche Kleidung eng anliegend, aus dünnem, dunklen Leder und an seinem Gürtel trug er allerlei Messer.
Immer weiter verliessen sie ihre Kräfte und auch ihr Lebenswille sank - warum noch wehren?
"Freu dich - ich habe dich exklusiv gejagt. Nicht wie diese ganzen elenden Bettler und kranke Gören, die man viel zu leicht abstechen kann. Bei dir konnte man sich noch direkt Mühe geben."
Mit einer Hand packte er ihre Haare und zog sie ruckartig mit sich, schliff sie zwei Stufen weiter hinab zu dem Wasser, während sie sich ihrem Schicksal ergab. Sie hatte eh keine Kraft mehr.
"Sprech ein letztes Gebet, Närrin, und dann tritt dem Herrn Morsan gegenüber, sofern er dich in sein Reich lässt!"
Einen kurzen Moment verharrte er so, während sie nur aus trüben Augen auf das Wasser vor sich blickte, dann aber tauchte er sie grob in die kalten Fluten hinab, drückte ihren Kopf unter, während sie noch spürte, dass er ein Knie auf ihren Rücken legte.

Im ersten Moment kam keinerlei Gegenwehr, doch dann, als ihr die Luft ausging und ihre Lungen anfingen zu brennen, als bunte Lichter vor ihren Augen auf- und abtanzten, zuckte sie noch einmal, versuchte ihren Körper zu regen, doch vergebens - das Gift des Bolzens hatte ihre Muskeln zu sehr gelähmt. Einen Moment lang versuchte sie es noch, dann jedoch veränderten sich die tanzenden, bunten Lichtern, vergrösserten sich, wurden heller...

Bilder rasten an ihr vorbei - ihre Mutter mit liebevollem Blick und eigentlich vergessen, denn ihre Mutter sollte doch unerheblich für die Ausbildung zur Stammesschamanin sein, ihr Vater, schon zu ihrer Kinderzeit ein alter Mann, der meist am Stock ging, ihr Ziehbruder Gabriul als Säugling, der in ihren Armen lag, ehe sie ihn einfach liegenliess und Schelte von ihrem Vater kassierte, die heimlich vergossenen Tränen danach, einzelne Personen aus ihrem Dorf, die gewaltigen Berge der Drachenschwingen, immer wieder der Vater, der sie mit seinen grünen Augen ansah, die sie ausgerechnet von ihm erben musste, tadelnd sein Blick, ihre Übungen, um mehr Kraft zu sammeln und dann doch die Verkündung, dass sie nicht die Stammesschamanin werden würde, Gabriul mit zerfetztem Gesicht, blutiger Brust und tot am Boden liegend, die von Hass, Enttäuschung und Trauer gezeichnete Miene ihres Vaters, Grenzfest, ihre bisher einzige und letzte Liebe, die Minen, sein Tod, ihre Reise durch Galadon, Draconis....

Und nach und nach verblasste der Schmerz, das Brennen ihres Körpers.
Stattdessen kehrte eine angenehme Leichtigkeit in ihren Geist ein und jegliche Sorge schien von ihr zu weichen, während es um sie herum wärmer wurde...

*

Sie wurde beobachtet.
Kälter wurde es um sie herum.
Augen lagen auf sie.
Jegliche Wärme wich, das helle, angenehme Licht verschwand...
... und hinterliess eine finstere Leere.
Sie fühlte sich allein und dennoch spürte sie Blicke gierig auf sie ruhen.
Sie wollte sehen woher, doch um sie herum nur ein einziges, düsteres Nichts.

Dann jedoch stürmten sie auf sie ein - Stimmen, manche bekannt, viele unbekannt, redeten hastig, mal lockend, mal hasserfüllt, auf sie ein. Die Worte peitschten auf ihren Geist ein, rangen ihn nieder, schwächten sie.

Klauen streckten sich nach ihr aus, ergriffen sie, bohrten sich in ihr.. Fleisch.. in ihre Haut und der Schmerz im Kopf kehrte zurück, während sie hochgehoben wurde, heran zu einem finsteren Wesen, dessen Kopf ein einziges Nichts war, das umrandet wurde von einer schmutzig-blutroten, flackernden Korona.

Du gehörst mir....

Sie wollte fortblicken, Schauder liefen über ihren.. Körper.. während die kalten, schwarzen Klauen sie noch aufgespiesst hielten, doch wie unter einem fremden Befehl richtete sich ihr Blick erneut auf dieses Wesen.

Noch wirst du nicht sterben... du bist mein... du wirst mir später einmal ganz gehören... du wirst durch mich stark werden... du wirst mir gehorchen! Du wirst mein Lakai, Menschenkind.

Dann liessen die Klauen sie los und sie fiel... endlos fiel sie hinab...

***

Noch immer lag sie wie erschlagen in der dunklen Ecke, spürte, wie die Kälte ihren Körper langsam zu übermannen schien.

Aufstehen musste sie... die Dunkelheit der aufkommenden Nacht nutzen und endlich diese Stadt, Draconis verlassen!

Was auch immer sie zurück ins Leben gebracht hatte - irgendwas hatte es in ihr zurücklassen...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 4.05.05, 02:30, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 9.05.05, 23:25 
Einsiedler
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Als sie die dunkle, kleine Kammer betrat, nahm sie als erstes den Duft der zarten Rosenblüten wahr, der sich hier im Laufe der letzten Zyklen ausgebreitet hatte. Leise schloss sie die Tür, lehnte sich mit ihrem Rücken daran und schloss ihre Augen, nur um den Duft zu geniessen. Es war ein angenehmes Gefühl, was sich dabei in ihr breitmachte - eine zarte Wärme, hell, angenehm...

Rasch schlug sie die Augen auf und starrte durch die Kammer rüber zu dem Fenster, was ihrer Tür gegenüber lag und fühlte, wie sich etwas um ihren Hals legte. Eine Schlinge... vielleicht.
Sie spürte, wie es zudrückte und rasch hastete sie zu dem Fenster hin, öffnete es weit und atmete tief die frische Nachtluft ein. Verharrte eine Weile so tief ein- und ausatmend, ihrem raschen Herzklopfen lauschend.
Dann zog sie ihren Stuhl heran ans Fenster, sank darauf hinab und legte ihre Arme verschränkend auf die Fensterbank.

Es lief alles zu gut - viel zu gut.
Sie wusste, bald war der Zeitpunkt gekommen, an dem sich ihre Macht endlich weiter entfalten konnte.
Sie hatte keine grossartigen Geldsorgen.
Einen sicheren Schlafplatz.
Und die Gunst dieses Mannes... die Rose, die er ihr geschenkt hatte, bestätigte es ihr zumindest.

Doch war es nicht stets das Gleiche gewesen?
Kaum fühlte sie sich sicher, kaum hatte sie das Gefühl, es könne sie nichts mehr aufhalten, bekam sie stets einen Dämpfer oder musste gar flüchten.

Sie bettete ihren Kopf auf die verschränkten Arme, der Blick aus den grünen Augen glitt über die Häuser, dann langsam hoch zu dem Sternenhimmel, von dem sanft der Vitamalin hinabschien.

Ihr Mentor mochte wohl recht haben, wenn er ihr prophezeite, dass sie bei ihrer Gedankenlosigkeit schier in der Luft zerrissen werden konnte.
Vielleicht wird es auch so sein?
Dafür lief ja auch alles im Moment zu reibungslos, zu perfekt, um von Dauer zu sein.
Mit einem langen und tiefen Seufzer schloss sie ihre Augen und im Geiste hörte sie, wie das Flüstern fremder Stimmen aufkeimte und ihre Gedanken vertrieb...


... alles wird vorübergehen...


Zuletzt geändert von Schattenkind: 9.05.05, 23:28, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16.05.05, 03:24 
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Die Tür fiel schwer krachend ins Schloss.


Ihr Blick wiederum glitt hinauf zum Himmel und langsam schlendernd wand sie sich herum Richtung Stadt, ehe sie innehielt und sich dann doch dafür entschied, sich einen Platz an den Klippen zu suchen.

Sie lauschte dem Rauschen des Meeres, den wenigen Geräuschen der Nachttiere und sah starr hinaus aufs dunkle Meer, in dem sich die Monde spiegelten - sanft und weich der Vitamalin, hell und grell der Astreyon... und in ihrem Nacken spürte sie den Blick des finsteren Auge auf sie gerichtet. Ständig, so hatte sie das Gefühl, beobachtete es sie, betrachtete sie gierig, fühlte im Geiste, wie sich dunkle Klauen nach ihr ausstreckten.


Morgen...

Lass es...

... bist du mein, denn....

... noch kannst du vor deinem Verderben fliehen...

.... es gibt kein Zurück mehr!

.... und dich in Sicherheit bringen!



Sie zog ihre Beine an, umschlang sie mit ihren Armen und legte ihre Stirn an die Knie ran, schloss ihre vor Müdigkeit brennenden Augen.
Morgen... wäre endlich der Zeitpunkt da, wo es ein Ende haben würde.
Keine Gewissensbisse mehr, keine Stimmen, die sie schwanken liessen in ihren Entscheidungen, sie schwach werden liessen.


Du könntest sterben!

Und wenn schon?

Wirf dein Leben nicht fort... du hast noch andere Möglichkeiten... komme zur Ruhe und finde deinen Frieden.

Wozu? Um wie alle anderen Schwachen und Geknechteten zu leben? Niemals wahre Macht kosten können... sich stets fragen, was hätte sein können.

Und doch glücklich sein...

Niemals!


Sie hasste diese ruhige Stimme, die so sanft zu ihr flüsterte. Sie erinnerte sie immer an etwas.. etwas was sie verloren hatte.. und sich einfach nicht mehr daran erinnern konnte, wo und was es überhaupt war. So ruhig, so sanft, so warm... und doch wollte sie es nicht hören, durfte es nicht hören.

Warum nicht?

Das Bild einer Frau mit dunklen, roten Haaren schob sich kurz vor ihrem geistigen Augen und rasch hob sie ihren Kopf starrte hinauf in den hellen Astreyon.
Wäre er nur so grell und verzehrend wie Fela.. könnte er ihr nur ihre Augen verbrennen.. ihr das Bild in ihrem Gedächtnis verzehren. Es rührte sie so entsetzlich - ihr Herz wurde ungewohnt schwer, wenn sie ihr Gesicht sah.

Tief atmete sie ein, im Geiste ging sie andere Bilder durch - ihr Vater... ja, sein Anblick verscheuchte stets erfolgreich den Anblick seines Gegenstücks, was sie so sehr fürchtete.
Ihr Vater... Hass und Verachtung keimte wieder langsam in ihr auf und leise begann eine andere Stimme wieder in ihr zu flüstern. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Züge, während sie lauschte.

Morgen... wirst du ein Teil von mir...


Ein Teil von dieser dunklen Macht... heute hatte sie es geschafft - einige harsche Worte genügten und schon hatte sie ihr Gegenüber eingeschüchtert.
Es brauchte keine Dolche, die den anderen aufspiessten und an den Boden nagelten, es brauchte keine schmerzenden Flammen, kein brennendes Gift - es genügte nur, sich der Kraft, die man im Inneren fühlte, bewusst zu sein und ihr freien Lauf zu lassen. Allein das konnte wirken.

Ein Schüler... vertraute ihr Meister so weit? Oder war dieser nur froh, dass er diesen Wahnsinnigen zu ihr abschieben konnte? Dieser Mann war erschreckend irre... was sie fast ein wenig faszinierte.
Die gleichen Gedankengängen.. die gleichen Handlungen - nur rasch den anderen niederstrecken und das mit allen Mitteln, mit allen schmutzigen Tricks!
Und dann wieder dieser Wahnsinn...

Sie verzog ihr Gesicht - wie konnte sie das nur faszinierend finden? Der Kerl war schlichtweg erschreckend widerlich. Wieder stieg die Erinnerung an diesen grausamen Geruch in ihr hoch...


... Rosen.

Sie blinzelte und ihr Blick lag unweigerlich auf dem Vitamalin. Warum dachte sie nun an den angenehmen Duft der eingetopften Rose in ihrem Zimmer?
Sie liess sich zurück ins Gras fallen, verschränkte die Arme unter ihrem Kopf - er....

... mit diesen Gedanken schlief sie allmählich am Rand der Klippen ein, während noch ein sanfter Vitamawind über sie strich.


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BeitragVerfasst: 16.05.05, 05:10 
Einsiedler
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Die Tür noch nicht ins Schloss gefallen, watschelte der zwei Quasderzehnt schwere Mann, langsam auf die Stadtmauern zu. Ihn umwehte ein gradezu schwülstiger Geruch nach zuckerigen Rosen und Honig. Sein Haar mit öligem Talg nach oben frisiert, das Gesicht von weißer Teigfarbe, nur noch blass der braune Taint.
Hart pochte es in seinem Arm, eine schwelende Brandwunde im Stoff des Hemdes, ein klaffendes Loch in der rechten Hand...

Schmerz, so viel Schmerz...

In ihm regte sich etwas, etwas, was er seit der Zeit in den Mienenschluchten von Morthuum, nicht mehr gespührt hatte. Tief in ihm, dort wo er all seinen Hass vergrub, all die Demütigung, regte sie sich,
sie,

die Bestie.

Wie passte sie hinein, in das Puzzle seiner Gedanken. Diese rothaarige Hexe, mit ihrem Feuer und der scharfen Zunge?
Was erdreistete sie sich? War sie sich nicht ihrer Impertinenz bewusst...
Er spürte deutlich, wie sich Charlie in ihm verkrampfte, sich wünschte die Frau leiden zu sehen, sie zu schälen wie einen Apfel. Bald schon, bald würde seine Wut den Hunger entfesseln, diesen unersättlichen Hunger...

Langsam schlenderte er durch die Straßen der menschenleeren Stadt, auf der Flucht

oder

auf der Jagd?

Immer öfter verschwammen seine Gedanken und die von Charlie, zu einem wüsten Kompott aus Erinnerungen und Emotionen. Daziwschen, nachts, wenn es kühl wurde in den Straßen von Brandenstein, wenn die Menschen ängstlich den Fackelschein suchten, dann, ja dann mischten sich Fetzen einer gradezu beängstigenden Entität unter seine Erinnerungen...
Hervor stach einzig und erschreckend

[S]der Hunger...[/S]

Viel war passiert, seit er hier ankam, mit ihm auch Charlie und tief, tief in beiden drin, verschlossen hinter so viel Barrieren, war auch SIE mit nach Siebenwind gekommen!

Sie war es, die die Männer in Falkensee überwältigte, sie war es, die so viele Tiere im Wald hatte verenden lassen, wie niederes Getier in einem Sog aus Schmerz und Gift.

Mit aller Kraft mühte er sich ihrem Hunger einhalt zu gebieten, doch er war stark, so stark...


Zuletzt geändert von Die Schlange: 16.05.05, 05:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 17.05.05, 01:32 
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Leise rauschte der Wind an dem Haus vorbei, strich durch die Bäume, brachte das nahe Meer zum Rauschen.
Ein leises Knacken, wohl aus dem Zimmer nebenan herstammend, als sich wohl jemand ins Bett legte.
Die Tür des Hauses wurde unten geöffnet und kurz darauf wieder geschlossen.
Leise Stimmen, jemand ging die Treppe hoch.


Dann herrschte Stille.
Beänstigende Stille.


Sie lag auf ihrem Bett, hatte sich mühselig aus ihrer Kleidung geschält und sich in ihre Decke eingewickelt. Sie war erschöpft, so müde wie schon lange nicht mehr... doch konnte sie nicht einschlafen, drehte sich immer wieder unruhig herum, wickelte sich tiefer in ihre Decke hinein, ehe sie diese wieder von sich wegschob.

Starr sah sie hinauf zur Holzdecke, während sie versuchte ihrem Inneren zu lauschen. Doch nichts war zu hören.

Mit einem genervten Seufzer setzte sie sich auf, griff ihr Kissen und schleuderte es gegen die Kommode - was sollte diese Stille? Seid sie sich erinnern konnte, hatte sie immer etwas gehört, war immer etwas da gewesen, was auf sie eingeredet und zu ihr geflüstert hatte.
Wo war eine dieser beiden Stimmen?
Oder schwieg sie nur, damit sie litt?

Sie vergrub ihren Kopf in ihren Händen. Er hatte sie vorgewarnt - die ersten Nächte danach wären die Schlimmsten.
Sie hatte sich auf Alpträume vorbereitet, darauf, dass sie noch einmal das erleben würde, was sie vor einigen Zyklen gesehen und gefühlt hatte, was mit ihr geschehen war.
Stattdessen aber wurde sie auf so eine perfide Art und Weise gequält.


"Sprich mit mir..." flüsterte sie bittend in die Stille der Nacht herein, während sie ihren Kopf noch in den Händen vergrub.

Sie lauschte den stetigen Geräuschen der Nacht... in ihrem Kopf wiederum nur Totenstille.


"Sprich mit mir!" schrie sie in die Dunkelheit des Zimmers, presste dann aber die Lippen aufeinander und wandte ihren Blick rüber zu der Wand, wohinter wohl ihre Nachbarn - hoffentlich noch! - schlafen mochten.
Sie lauschte - nun auch den Geräuschen im Hause, doch bis auf ein leises Knacken von einem Bett, wo sich wohl jemand drin herumdrehte, hörte sie nichts weiter.


'Ich will endlich schlafen... ich bin müde...!'


Irrte sie sich oder bewegten sich die Wände? Mit aufkommender Panik sah sie sich um - der Raum wurde enger... die Luft wurde stickiger... heiss und kalt lief es über ihre Haut und panisch erhob sie sich, zog sich rasch Kleidung an, was sie jedoch dank ihrer zitternden Hände einiges an Mühe kostete.
Dann stürmte sie hinaus aus dem Raum, raus auf den Flur und zog die Tür hinter sich zu, gegen die sie sich lehnte und müde zu Boden sah.

Eine Weile verharrte sie so - immer noch gefangen zwischen quälender Müdigkeit und dem wachen Zustand ihres beständig lauschenden und wartenden Geistes - ehe sie sich wieder losriss und das Haus verliess, um lange, sehr lange in der Dunkelheit allein zu wandern... und immer wieder kamen Bilder in ihr hoch... die Erinnerung an ihren Wendepunkt.

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Zuletzt geändert von Schattenkind: 17.05.05, 01:43, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 20.05.05, 02:12 
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Sie sah hinab auf das Chaos, was sich vor ihr in ihrem Zimmer ausgebreitet hatte - Kleidung lag wild verteilt im Raum herum, der Stuhl umgekippt und in eine Ecke geschleudert. Daneben der Topf mit der Rose, zerschellt, die Erde auf dem Boden verteilt, drumherum, wie Blutstropfen, einige rote Blütenblätter. Ein umgekippter Korb, dessen Inhalt - einige Knochen, Muscheln und Perlen - sich teilweise über dem Boden verteilt hatte. Das Kissen zerrissen, dessen Federn lagen auf dem Bett, die Hülle hing vom erloschenen Wandkerzenleuchter schlaff herab. Das Bett stand etwas schiefer - herumgerückt durch sie, als sie sich verzweifelt daran geklammert hatte, ihren Willen durch den von ihrem Geist übernommenen Körper gepresst hatte.

Sie war zu schwach gewesen - als sie zurückkehrte, spürte sie noch immer die Wut in sich lodern. Sie sah sich ihm gegenüber schon als nahezu gleichwertig an, auch wenn ihr die Kenntnis über manches Ritual oder manchen Zauber noch fehlte. Er hatte sie gereizt, sie als schwach bezeichnet, sie gelockt.. immer weiter und weiter in die heissen Flammen der Wut hinein, bis sie darin aufging, bis sie deren Kraft spürte, sie an sich riss, bis sie ihn fesselte, ihn brennen liess, bis ein glühender Zornesrausch sie erfasste, sie ihn weiter leiden lassen wollte, ihm beweisen wollte, dass er nicht mehr länger über sie stand!
Doch letztendlich hatte er sie niedergestreckt und ihr gedroht, ihr das Leben zu rauben, würde sie seine Überlegenheit und somit ihn als Meister nicht anerkennen.
Sie hatte nachgegeben.
Wut!

Hinzu kam die Müdigkeit. Seid drei Nächten konnte sie kaum schlafen - die erste Nacht war es die ungewohnte Stille, die zweite Nacht liess sie zwar stets für kurze Zeit einschlafen, ehe sie aber von Alpträumen gequält wieder erwachte und in der dritten Nacht glaubte sie Sinnestäuschungen zu erliegen, glaubte zu spüren, wie der Raum um sie enger wurde und zu erdrücken drohte, wie sich geisterhaft-kalte, dürre Hände um ihren Hals legten, abrupt zudrückten, wie etwas ihr Herz eisig umklammerte und wie immer wieder heisse Stiche in ihren Körper versetzt wurden.
Wahnsinn?

Dann schien ihr Plan nicht aufzugehen. Die Ehre geht vor, wer war sie denn schon? Ja, sie war ein Nichts. Unbedeutend, ein Gesicht unter vielen auf dieser Insel, praktisch machtlos, ohne Einfluss, unwichtig... hässlich, nichts dran... aus purem Misstrauen selbst erwählte Einsamkeit, mit der sie sich doch eigentlich selber strafte.
Zweifel.


Es war zu einfach gewesen - in dieser unheilvollen Mischung verstrickt war sie zu schwach, um ihm noch zu widerstehen. Ihm gehörte ihr Körper, während sie nur noch hilflos zusah, was ihre eigenen Hände vollbrachten und doch, für einen Moment, erfüllte es sie mit Zufriedenheit.
Zerstören, die Angst, die Zweifel aus ihrem Leib brüllen, dem Wahnsinn freien Lauf lassen bis zur Erschöpfung, bis sie wieder erwachte, bis sie sich der Worte ihres Meisters wieder gewahr wurde - er strebt danach ihren Körper auf ewig zu übernehmen... er würde triumphieren, wäre sie schwach.

Schwach?
Nein, sie wollte nicht schwach sein. Das war der Grund, warum sie sich gegen ihren Mentor aufgelehnt hatte, das war der Grund, warum sie diesen Weg gegangen war, deshalb allein hatte sie sich an die Bettpfosten geklammert, sich unter seelischer Pein gekrümmt, gefühlt, wie ihr eigener Geist mit ihm rang, wie ihre Seele von diesem förmlich mit Zweifeln, Unsicherheit, Zorn, Angst und Ohnmacht ausgepeitscht wurde, bis sie das Gefühl hatte, es würde sie zerreissen.

Sie hatte gewonnen. Wenigstens diese eine Schlacht war zu ihrem Gunsten ausgegangen und doch blieb die Angst zurück - die Angst vor dem nächsten schwachen Moment...

Und wieder lag sie die Nacht über wach da, auf dem kargen Holzboden, starrte aus geröteten, brennenden Augen die dunkle Holzdecke an, horchte der dunklen Stimme in ihrem Inneren, die ihr beständig flüsternd die ewige Finsternis prophezeite...

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Zuletzt geändert von Schattenkind: 20.05.05, 02:16, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26.05.05, 23:20 
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Noch immer amüsierte es sie - warum? Sie hatte keine Antwort parat. Aber die Lüge an sich war amüsant. Die Reaktion von ihm, ihre Reaktion, seine Worte, ihre Worte.
Sie lachte. Über ihn. Diese Veränderung. So anders als sie und dennoch ebenso absurd.
Masken fielen, wurden getauscht, neue aufgesetzt, dann setzte der Tanz des Lebens wieder ein, ein jeder mit seiner neuen Maske, ein jeder zu den Klängen des Chaos sich drehend und wendend, den anderen mit sich wirbelnd. Das war das wahre Leben, bar jeder Ordnung und Vernunft, ohne Sinn und Zweck.


Sie lag auf ihrem Bett, der Boden übersät mit zarten, roten Blütenblättern. Alle sorgfältig ausgezupft und ausgestreut. Auf dem Tisch stand dagegen die Rose, ihrer Schönheit beraubt, die nun auf dem Boden lag und dort ein Bildnis der Vergänglichkeit bildete, wie es schöner kaum sein konnte - sie musste nur mit den Füssen darüber gehen, auf und ab, und schon war alle Schönheit dahin, klebend an ihren vom Dreck und Unrat der Stadt dreckigen Stiefelsohlen.


Fort wollte sie gehen. Dieser Raum war zu klein und ständig kamen die Wände auf sie zu. Etwas verharrte in diesem Raum, vielleicht der Geist der Bäume, die gefällt wurden? Vielleicht ein Waldgeist? Vielleicht ein ruheloser Toter? Oder war es ihr eigener Geist?
Irgendwas wollte sie in ihrem eigenen Raum zerquetschen, wie eine Fliege zerdrücken. Einen Grund gab es dafür nicht, sie brauchte auch keinen - es war eben schon immer so, dass der Stärkere seine Macht nutzt und dem Schwachen zeigt, wie stark er nunmal ist.
"Gabriul..." flüsterte sie leise und ein verzerrtes Grinsen stahl sich auf ihrer Miene, während sie sich wieder erinnerte an jenen Abend, der ihr endgültiges Schicksal eingeläutet hatte.
Sie war stark. Sie wurde immer stärker.
"Ich lass mich nicht zerquetschen," zischte ihre Stimme durch die Stille des Raumes.

Lachte da etwas?

Fest umkrallte sie ihr Kissen, starrte aus müden Augen hinauf zur Holzdecke - die Astlöcher waren Augen!
Und wieder schoben sich die Wände langsam zusammen...


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Zuletzt geändert von Schattenkind: 26.05.05, 23:26, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.06.05, 00:41 
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Weiterhin brannten die Flammen...


Wie? Wie konnte er es bloss von ihr verlangen, sich vor ihm niederzuknien, den Ring zu küssen? Demütig und ergeben, was sie nie, niemals sein würde - vor allem ihm gegenüber nicht.
Ihm, dem sie wahre Hassgefühle unverhohlen entgegenbrachte.
Ihm, dem sie nichts vorgaukelte, wie sie es sonst mit dem Rest der Welt tat.
Ihm, der all die Macht ihrer zerstörerischen Gefühle zu spüren bekam.

Doch seine Argumente waren... nunja, einprägsamer.


Langsam kochten die Flammen wieder hoch...


Gewiss zeigte er ihr damit neue Wege zu mehr Macht. Ihre Wut und ihren Hass konnte sie, mit etwas mehr Übung wohlgemerkt, auf dass nicht wieder die Kräfte nutzlos in irgendwelche Himmelsrichtung ihr entglitten, in zerstörerische Bahnen lenken und er war noch immer der Mentor, der ihr diesen Weg ebnete, sie unsanft führte.

Irgendwann würde sie sich dafür rächen.. irgendwann würde sie die Macht haben, um ihren Hass in eine bestimmte, kraftvolle Bahn zu lenken.. auf ihn zu und ihn so zerstören! Ihn all ihre flammende Wut spüren lassen, ein wahres Inferno entfachen.


Heisser und verzehrender wurden die Flammen.


Ein Opfer brauchte sie nun, etwas, was ihrer Wut nicht standhalten konnte... und so streifte sie weiter ruhelos durch die Stadt.


Zuletzt geändert von Schattenkind: 11.06.05, 00:47, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 13.06.05, 00:33 
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Aus müden Augen betrachtete sie eine Spinne, wie jene an ihrem Netz baute, es wob, um damit ihre Nahrung fangen zu können - ahnungslose Opfer, die, noch eben sich ihres Lebens erfreuend, hineinfliegen würden und erst, wenn sie festhingen, würden sie merken, dass nun alles zu spät war...

Sie streckte eine ihrer Hände aus in Richtung der Spinne, hielt sie ihr vorsichtig hin, dann kletterte das filigrane, schwarze Tier mit den dünnen, langen Beinen auf ihre Hand und lief über diese leicht kribbelnd hinweg in Richtung ihrer nackten Arme.
Fasziniert beobachtete sie das Tier - eigentlich wirkte es sehr schwach, verletztlich, klein, unbedeutend, doch es hatte eine gute Methode, um zu jagen und bekanntermassen gibt es auch weitaus grössere, giftigere Spinnenarten.
War sie ihnen nicht auch in gewisser Weise ähnlich?

Behutsam hielt sie der Spinne die andere Hand hin, liess sie auf einen der Finger krabbeln und führte den wieder hinüber zu dem Netz, wo sie die Spinne wieder absetzte.

Es widerholte sich - wieder tat sie etwas, was dem auf dem Festland nicht unähnlich war.

Erschöpft lehnte sie ihren Kopf an die schlichte Holzwand, zog nebenher einen Dolch aus einem ihrer Stiefel und hielt ihn in ihrer Hand, während sich nur langsam ihre Augen zu einer ihrer üblichen kurzen, alptraumgeplagten Nächte schlossen.

Rothenbucht...


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 Betreff des Beitrags: Intermezzo - Lichthoch
BeitragVerfasst: 30.06.05, 14:41 
Einsiedler
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Beiträge: 84
Einige Tage hatte sie sich nun förmlich verkrochen, Wunden geleckt, Rache geschworen, Pläne geschmiedet, verworfen, neu erdacht, doch nun waren jene Tage da, die sie schmerzlich fühlen liessen, durch was sie besessen war, mit was sie sich eigentlich bei ihrem Ritual eingelassen hatte.

Der Kopf dröhnte, kaum ein klarer Gedanken liess sich unter diesem Licht, dass den Tag über anhielt, fassen und selbst im tiefsten und dunkelsten Wald spürte sie die Wärme wie grelles Feuer ihre Haut verbrennen, das Licht ihre Augen blenden...
Verdammt, ich bin immer noch ein Mensch! schoss es ihr zwar durch den Kopf, doch sie wusste, dass ein Teil von ihr ganz und gar nicht mehr menschlich war.

Menschlichkeit...
Es ging lange gut - Pläne waren aufgegangen, süsse Genugtuung und finstere Freude hatten sie beherrscht, während sich in ihr ihr dämonischer Geist ausbreitete, ihre Gedanken mehr und mehr beherrschte, sie zu neuem Verrat antrieb, sie dazu brachte jemand in ihre Gewalt zu zwingen, ihn mit ihrem Zeichen zu versehen. Doch auch jener übte Rache und desweiteren bekam sie auch noch die schmerzhafte Rechnung für ihren Verrat.

Ihr Meister...
Sie konnte es selber kaum fassen, doch sie vermisste ihn. Er verstand diese Gefühle, die im Griff ihres Geistes aufkeimten, wohl als einziger auf dieser missratenen Welt - doch wo war er nun? Immer mehr und mehr hatte er sich zurückgezogen. Würde er die Insel verlassen? Und was würde sie dann tun?

Mit müden Augen starrte sie durch den kühlen Wald - sie hatte hier noch nicht recht Wurzeln geschlagen. Andere, die erst nach ihr auf diese Insel kamen, waren bereits verheiratet, hatten ihren Freundeskreis, Häuser, Werkstätten. Sie waren hier bereits heimisch.
Doch sie wiederum wurde nirgends heimisch - andere Leute hielt sie meist auf Abstand. Keinem traute sie und ihre Tätigkeiten erforderten es meist auch, dass sie eilig ihre Sachen packen und irgendwann wieder verschwinden musste. War auch ihr Aufbruch allmählich unumgänglich?

Nein, noch war die Zeit dafür nicht gekommen. Zuvor gab es noch genug zu tun... und als erstes wollte sie ihren Mentor finden.


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