Des nachts geht eine in dunkle Gewänder gehüllte Gestalt langsam durch die Straßen der Hauptstadt. Dann und wann weicht sie einem Haufen Unrat aus oder rümpft ob diverser Ratten die Nase. Gemächlich wandert die Gestalt durch die Straßen, bleibt hier stehen oder besieht sich dort ein Haus näher, nur um danach ruhig weiter zu gehen und in eine neue Gasse einzubiegen.
Schließlich bleibt sie am Platz vor der alten Bank zu Rohehafen stehen und liest gelangweilt einige der dort aushängenden Nachrichten. Bei einem der angehefteten Anschläge legt sie leicht den Kopf schief und stößt ein leises Pfeifen aus, geht aber kurz darauf ebenso langsam weiter und schlendert durch ein paar andere Gassen, ehe er auch am Marktplatz vor dem Brett stehen bleibt und beim lesen desselben Anschlages leicht die Stirn runzelt.
Sodann dreht er sich umm und verläßt langsam die Stadt.
. . .
Nicht viel später, die Sonne ist immer noch nicht wieder aufgegangen, kehrt sie ebenso langsam wie zuvor zurück und geht an dem Brett am Marktplatz vorbei, bleib dann kurz stehen und sieht sich auf dem leeren Platz um, ehe er ein Stück Pergament an das Brett heftet:
Zitat:
Grüße euch, erhabener Roland Deschain, Hauptman der Garde zu Finsterwangen!
So also sieht es aus, wenn man vom gesuchten Räuber zum Stadthauptmann aufsteigt. Ich muß gestehen, eure Wandlung erstaunt mich - einem dummen Räuber würde man eine solche Wandlung gar nicht zutrauen - aber seid euch meiner Hochachtung nur allzu gewiß.
Es verblüfft mich zu sehen, mit welcher Professionalität es euch gelingt all jene, die euch auf den Fersen sind und eurer habhaft zu werden versuchen, immer wieder konsequent an der Nase herumzuführen und ihnen zu entwischen - eine fürwahr beeindruckende Fähigkeit eurer selbst. Es wäre mir eine Ehre, eines Nachmittags bei einem Täßchen Tee einige eurer Kniffe zu erlernen..
Was eure Anweisungen in dieser Mitteilung angeht, stimme ich euch überwiegend zu - es kann auch meiner Meinung nach nicht sein, daß sich das nieder Volk gegen seine Herren erhebt und seinen und seiner Vertreter Anweisungen zuwider handelt - allerdings solltet ihr euer Strafmaß noch einmal überdenken. Auch die Anweisung was Vermummungen angeht hätte ich euch ein wenig mehr Weitsicht zugetraut. Es mag stets gute Gründe geben, sein Gesicht unter einer schützenden Hülle zu verbergen - fragt nur einmal bei den wirklich kundigen Heilern nach - sie werden euch siche weiterhelfen können.
Aber - was will man von einem dahergelaufenen Räuber auch schon erwarten...
Ich verbleibe hochachtungsvoll, mein verehrter Roland (Oder sollte ich euch lieber Amon nennen - welcher Name sagt euch mehr zu?) und freue mich angesichts unserer nächsten Begegnung...
N.
PS:
Sollte einer der Garde Finsterwangen diese Nachricht vor meinem Freund Roland / Amon Deschain lesen, so bitte ich doch höflichst um eine entsprechende Weiterleitung meiner Nachricht.